Diabetisches Fußulkus: 49,1 Prozent sterben innerhalb von fünf Jahren
Veröffentlicht am: 16.10.2026 um 15:18 Uhr | Redaktion boerse-global.deNicht heilende Wunden und diabetische Fußgeschwüre stellen Gesundheitssysteme weltweit vor erhebliche Herausforderungen. Fachberichte und klinische Initiativen verdeutlichen, dass eine isolierte Betrachtung chronischer Läsionen selten zum Erfolg führt.
Stattdessen rücken strukturierte Früherkennung, moderne Diagnostik und die enge Zusammenarbeit spezialisierter Fachdisziplinen in den Mittelpunkt, um Amputationen zu vermeiden und die Überlebenschancen der Betroffenen zu verbessern.
Hohe Mortalität und Belastung der Gesundheitssysteme
Nach Angaben der Spanischen Wundgesellschaft (Sociedad Española de Heridas, Seher) verursacht die Behandlung von Wunden rund 4 Prozent des europäischen Gesundheitsbudgets. Allein in Spanien seien zwischen 27 und 50 Prozent der hospitalisierten Patienten von einer Wunde betroffen.
Bei 15 bis 25 Prozent der Personen mit Diabetes entwickelt sich im Krankheitsverlauf ein Fußulkus. Für bis zu 80 Prozent dieser Betroffenen besteht das Risiko einer nicht-traumatischen Amputation.
Weltweit verzeichnet die Organisation jährlich 18,6 Millionen Menschen mit einem neu auftretenden diabetischen Fußgeschwür. In Spanien leben etwa 5,1 Millionen Erwachsene mit Diabetes, wobei die Erkrankung die Hauptursache für nicht-traumatische Amputationen darstellt.
Die Prognose nach einer Gewebeschädigung bleibt ernst: Die Fünf-Jahres-Mortalität bei einem diabetischen Fußulkus liegt laut Seher bei 49,1 Prozent und steigt nach einer Majoramputation auf mehr als 70 Prozent. Vor diesem Hintergrund mahnte Seher-Präsident Dr. Daniel Chaverri fünf gezielte Maßnahmen an, um die Chronifizierung von Wunden rechtzeitig abzuwenden.
Auch in Deutschland bleibt die Zahl der Eingriffe hoch. Das Universitätsklinikum Heidelberg verweist auf Schätzungen auf Basis von Krankenkassendaten, wonach hierzulande jährlich mehr als 69.000 Amputationen der unteren Extremitäten vorgenommen werden. Am Klinikum stellen Gefäßchirurg Prof. Dr. Dittmar Böckler und der Plastische Chirurg Prof. Dr. Günter Germann interdisziplinäre Behandlungsverfahren vor, um Gliedmaßen zu erhalten.
Multiprofessionelle Versorgungsstrukturen im Fokus
Der Spanische Podologenverband (Consejo General de Colegios Oficiales de Podólogos de España) hebt hervor, dass 85 Prozent der schwerwiegenden Läsionen bei Menschen mit Diabetes ein Fußulkus vorausgeht.
Verbandspräsidentin Elena Carrascosa Romero forderte Mitte Oktober 2026 die flächendeckende Integration der Podologie in das nationale Gesundheitssystem, insbesondere in der Primärversorgung und in multidisziplinären Teams.
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Der Verband verweist dabei auf ausgeprägte regionale Unterschiede: Während Extremadura Planstellen geschaffen und besetzt habe, existiere die entsprechende Kategorie in Castilla-La Mancha bislang nur auf dem Papier.
Andalusien beschäftige lediglich einen Podologen pro Provinz, wohingegen Regionen wie Murcia, Castilla y León und das Baskenland über keine entsprechenden Stellen im öffentlichen System verfügten.
Dass chirurgische Eingriffe wie das Wunddebridement allein nicht ausreichen, unterstreichen Mediziner der KBK Hospitals im indischen Hyderabad. Ein wirksames Management erfordere einen ganzheitlichen, personalisierten Ansatz. Neben der Infektionskontrolle und der Verbesserung der Durchblutung seien eine konsequente Druckentlastung durch Spezialschuhe, moderne Wundauflagen sowie engmaschige Verlaufskontrollen unverzichtbar.
Qualifizierung und ambulante Schwerpunktangebote
Um Versorgungslücken zu schließen, setzen Träger verstärkt auf Weiterbildung. Im unterfränkischen Landkreis Rhön-Grabfeld bauten die Caritas-Sozialstationen St. Kilian in Mellrichstadt und St. Peter in Bad Königshofen spezialisierte Wundpflegedienste auf. Elf Mitarbeiterinnen qualifizierten sich zu Wundexpertinnen, während drei Fachkräfte den Abschluss als Fachtherapeutin Wunde erwarben und die Leitung übernahmen.
Am Medizinischen Versorgungszentrum des RHÖN-Klinikums Frankfurt (Oder) erweitert der Facharzt für Innere Medizin und Diabetologe Michael Klobukowski das Versorgungsangebot durch zweisprachige Sprechstunden auf Deutsch und Polnisch. Neben der Betreuung von Patienten mit Typ-1- und Typ-2-Diabetes liegt der Fokus auf chronischen Wunden und dem diabetischen Fußsyndrom.
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International zeigen Schulungsprogramme ebenfalls Wirkung: Über ein durch das australische Außenministerium gefördertes Stipendienprogramm von Interplast Australia & New Zealand absolerten Pflegekräfte von den Salomonen ein Training am Royal Adelaide Hospital. Sie erlernten unter anderem den Einsatz von Geräten zur Zehendruckmessung, die in lokalen Kliniken zuvor ungenutzt geblieben waren.
Risiken im Alltag und präventive Maßnahmen
Fachleute weisen zudem auf vermeidbare Alltagsrisiken hin. Die Podologin Mónica G. Lanzas betont, dass Barfußschuhe mit dünnen Sohlen von einem bis acht Millimetern für Diabetiker wegen bestehender Neuropathien und reduzierter Schmerzwahrnehmung kontraindiziert seien, da Verletzungen unbemerkt bleiben können.
Als präventive Maßnahmen werden regelmäßige podologische Kontrollen, das Waschen mit neutraler Seife sowie feuchtigkeitsspendende Cremes mit Harnstoffanteilen empfohlen, während ungeeignetes Schuhwerk wie sehr flache Schuhe oder Flip-Flops gemieden werden sollte.
