Diätgetränke beim Abnehmen: SWITCH-Studie findet keinen Nachteil gegenüber Wasser
Veröffentlicht am: 25.10.2026 um 13:13 Uhr | Redaktion boerse-global.deKünstlich gesüßte Getränke stehen seit Jahren im Zentrum ernährungswissenschaftlicher Debatten. Während Befürworter sie als kalorienfreie Alternative zu zuckerhaltigen Limonaden schätzen, vermuten Kritiker unerwünschte Effekte auf den Appetit oder den Stoffwechsel. Eine langfristige Untersuchung der Universität Liverpool liefert nun differenzierte Einblicke in die tatsächlichen Auswirkungen auf die Gewichtsreduktion.
Ergebnisse der zweijährigen SWITCH-Studie
Im Fachmagazin British Journal of Nutrition veröffentlichte Forschungsdaten der Universität Liverpool beleuchten die Rolle von kalorienarmen Getränken im Rahmen einer Gewichtsreduktion. An der sogenannten SWITCH-Studie nahmen 493 übergewichtige oder adipöse Erwachsene über einen Zeitraum von zwei Jahren teil.
Untersucht wurde der tägliche Konsum von Diätgetränken mit den Süßstoffen Aspartam, Acesulfam-K und Sucralose – jeweils in Dosierungen unterhalb der Höchstgrenzen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit – im Vergleich zu Wasser.
Beide Versuchsgruppen nahmen parallel an einem strukturierten Gewichtsmanagement-Programm teil. Insgesamt schlossen 220 Teilnehmer die Untersuchung vollständig ab.
Die Auswertung zeigte, dass die Probanden in der Diätgetränke-Gruppe durchschnittlich -4,8 kg verloren, während der Gewichtsverlust in der Wassergruppe bei -3,7 kg lag. Dieser Unterschied erwies sich als statistisch nicht signifikant.
In beiden Untersuchungsgruppen verbesserten sich sowohl das Verhältnis von Taille zu Hüfte als auch die allgemeine Körperzusammensetzung. Zudem ging die Gesamtaufnahme von Zucker bei allen Teilnehmern zurück, wobei der Rückgang bei den Konsumenten von Diätgetränken etwas ausgeprägter war.
Einordnung der wissenschaftlichen Befunde
Hinweise darauf, dass die verwendeten Süßstoffe den Appetit künstlich anregen oder den Prozess der Gewichtsabnahme behindern, ließen sich in der Studie nicht nachweisen.
Professor Jason Halford von der Universität Liverpool erklärte hierzu, dass nicht-nährstoffhaltige gesüßte Getränke eine effektive Alternative zu zuckerhaltigen Produkten darstellten und Wasser über einen Zeitraum von zwei Jahren nicht unterlegen seien.
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Professor Joanne Harrold betonte ebenfalls, dass sich verbreitete Bedenken hinsichtlich Appetitstörungen oder einer Gewichtszunahme durch Süßstoffe in der langfristigen randomisierten Kontrollstudie nicht bestätigt hätten.
Gleichzeitig weist das Forschungsteam auf methodische Einschränkungen hin. Der Fokus lag ausschließlich auf der Veränderung des Körpergewichts, während langfristige Folgen für das Darmmikrobiom oder den allgemeinen Metabolismus nicht Gegenstand der Erhebung waren.
Zudem fand die Studie an lediglich einem Standort statt und wies eine geringe ethnische Vielfalt auf. Die Ernährungswissenschaftlerin Alix Turoff gab zu bedenken, dass die Daten keinen magischen Effekt von Süßstoffen belegen; entscheidend sei die Substitution zuckergesüßter Getränke, während Wasser weiterhin der Standard für eine gesunde Flüssigkeitszufuhr bleibe.
Diskrepanzen zwischen Beobachtungs- und Interventionsstudien
Die Liverpooler Ergebnisse stehen in einem Spannungsfeld zu epidemiologischen Daten. So zeigte eine Beobachtungsstudie der University of Texas mit mehr als 6.000 Personen über einen Zeitraum von sieben Jahren, dass ein häufiger Konsum zuckerfreier Erfrischungsgetränke mit einer stärkeren Gewichtszunahme assoziiert war.
Allerdings liefern solche Beobachtungsstudien keinen direkten Nachweis eines ursächlichen Zusammenhangs. Reine Assoziationen zwischen Süßstoffkonsum und höherem Körpergewicht gelten nicht als Beleg für eine Kausalität.
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Interventionsstudien weisen vielmehr darauf hin, dass der gezielte Ersatz zuckerhaltiger Getränke durch kalorienreduzierte Varianten die Gewichtskontrolle begünstigen kann, wenngleich Süßstoffe das Körperfett nicht direkt reduzieren. Für die Blutzuckerkontrolle schneiden Diät-Limonaden im Vergleich zu herkömmlichen Softdrinks besser ab, da sie den Glukoseanstieg nach dem Trinken verringern.
Dennoch gibt es bei regelmäßigem Konsum Hinweise auf mögliche Veränderungen der Insulinempfindlichkeit sowie der Darmbakterien, auch wenn hierfür ein kausaler Nachweis bislang aussteht. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt den Einsatz von Süßstoffen zur reinen Gewichtskontrolle weiterhin nicht.
