Diätgetränke oder Wasser: SWITCH-Studie findet keinen klaren Gewichtsvorteil
Veröffentlicht am: 06.10.2026 um 19:45 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bei der Reduktion von Körpergewicht spielen kalorienfreie Süßungsmittel seit Jahren eine kontroverse Rolle. Eine im August 2026 im British Journal of Nutrition veröffentlichte Untersuchung der Universität Liverpool liefert vertiefte Einblicke in die langfristigen Auswirkungen von Diätgetränken im direkten Vergleich zu Wasser.
Im Fokus der sogenannten SWITCH-Studie stehen neben der reinen Gewichtsveränderung über zwei Jahre insbesondere die Verschiebungen bei spezifischen Stoffwechselmarkern und Blutdruckwerten.
Auswertung von Stoffwechselmarkern und Blutdruck
Die im Rahmen der Untersuchung erfassten Biomarker wiesen zwischen den Gruppen statistisch signifikante Differenzen auf. Beim Gesamtcholesterin verzeichnete die Wassergruppe einen Anstieg um 0,2 mmol/L, während der Wert in der Diätgetränke-Gruppe um 0,3 mmol/L sank. Dies entspricht einer Differenz von -0,5 mmol/L (95%-KI -0,9 bis -0,1).
Beim Langzeitblutzuckerwert HbA1c zeigte sich in der Wassergruppe eine Zunahme um 1,8 mmol/mol gegenüber einem Rückgang um 0,6 mmol/mol bei den Konsumenten von Diätgetränken, was eine Differenz von -2,4 mmol/mol (95%-KI -4,5 bis -0,3) ergab.
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Beim diastolischen Blutdruck wurde in der Wassergruppe ein Rückgang um 1,7 mm Hg gemessen, während die Verringerung in der Diätgetränke-Gruppe 4,5 mm Hg betrug (Differenz -2,8 mm Hg; 95%-KI -5,3 bis -0,3).
Den Studienautoren zufolge seien diese Abweichungen klinisch jedoch nicht relevant, da das Cholesterin in beiden Gruppen stabil unter 5,0 mmol/L verblieben sei.
Gewichtsverlauf und Körperzusammensetzung über zwei Jahre
Die SWITCH-Studie gilt als die bislang längste Untersuchung zu Erfrischungsgetränken mit nicht-nährstoffhaltigen Süßstoffen wie Aspartam, Acesulfam-K und Sucralose, deren Mengen deutlich unterhalb der EFSA-Grenzwerte lagen.
Untersucht wurden 493 Erwachsene mit Übergewicht oder Adipositas und einem Body-Mass-Index von 27 bis 35 kg/m², die in zwei Gruppen aufgeteilt wurden: 246 Personen tranken täglich mindestens zwei Portionen Wasser à 330 ml, während 247 Teilnehmende dieselbe Menge an handelsüblichen Diätgetränken konsumierten.
Über den Zeitraum von 104 Wochen verlor die Gruppe mit Diätgetränken im Schnitt 4,8 kg (von 89,4 kg auf 84,6 kg), während die Wassergruppe um 3,7 kg leichter wurde (von 89,9 kg auf 86,1 kg). Die Differenz von 1,1 kg war statistisch nicht signifikant (90%-KI -0,2 bis 2,4; p>0,05).
Der Taillenumfang verringerte sich um 4,5 cm bei Wasser und um 5,5 cm bei Diätgetränken, der Hüftumfang um 2,7 cm beziehungsweise 3,1 cm, jeweils ohne signifikanten Gruppenunterschied. Beim Hungergefühl gab es ebenfalls keinen signifikanten Unterschied zwischen den Gruppen; das Hungergefühl stieg beiderseits leicht an, signifikant jedoch nur bei den Konsumenten von Diätgetränken.
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Studienrahmen und wissenschaftliche Einordnung
Das Design umfasste 12 Wochen aktive Gewichtsabnahme, 40 Wochen betreute Stabilisierung sowie 52 Wochen ohne Betreuung. Von den 493 Teilnehmenden beendeten 220 Personen die vollen 104 Wochen (117 in der Wassergruppe, 103 in der Diätgetränke-Gruppe), bedingt auch durch COVID-bezogene Ausfälle. Zu den methodischen Einschränkungen zählten die Durchführung an lediglich einem Standort in England sowie kleine Stichproben bei den Laborwerten.
Finanziert wurde das Vorhaben von der American Beverage Association, laut Studienangaben ohne Einfluss auf Design, Durchführung oder Analyse, jedoch mit Einsicht in das Manuskript und unter Einsatz eines bezahlten medizinischen Autors sowie eines Daten-Audits durch Biofortis.
Forscher um Professor Joanne Harrold und Mitautor Jason Halford sehen in den Daten ein wichtiges Argument für künftige Richtlinien, da langfristige klinische Belege bislang rar waren.
Die Resultate stehen teilweise im Widerspruch zu Einschätzungen der Weltgesundheitsorganisation, die im Mai 2023 eine bedingte Empfehlung gegen nicht-saccharidische Süßstoffe zur Gewichtskontrolle ausgesprochen hatte.
Breitere Literaturüberblicke stützen indes die Beobachtung, dass der Ersatz zuckerhaltiger Getränke durch Wasser oder Süßstoffvarianten gleichermaßen zur Gewichtsreduktion beitragen kann, wenngleich Fragen zu individuellen Mikrobiom-Effekten offenbleiben.
