Dialyse-Training, Studie

Dialyse-Training: Studie zeigt 20 Prozent weniger Hospitalisierungen

Veröffentlicht am: 09.10.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Ein zwölfmonatiges Trainingsprogramm verbesserte Fitness und Lebensqualität; zugleich gingen Klinikaufenthalte und Pflegekosten zurück.

DiaTT-Studie: Training senkt Klinikaufenthalte bei Dialysepatienten
Ein heller, minimalistischer Therapieraum mit ausgelegten Gymnastikmatten in einer Klinik, ohne Personen. Illustration mit AI erstellt.

Die therapeutische Wirkung regelmäßiger körperlicher Aktivität bei chronischen Krankheiten ist gut belegt. Gleichzeitig entscheidet die dauerhafte Therapietreue – die sogenannte Adhärenz – maßgeblich darüber, ob sich gesundheitliche und ökonomische Verbesserungen langfristig einstellen.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen, wie stark strukturierte Trainingsprogramme den Krankheitsverlauf beeinflussen und welche Faktoren die Umsetzung im Alltag begünstigen.

Signifikante Effekte bei hoher Therapietreue

Welche klinischen und wirtschaftlichen Auswirkungen eine hohe Adhärenz haben kann, belegt die durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses geförderte DiaTT-Studie, über die Medical Tribune im Oktober 2026 berichtete. An der randomisierten kontrollierten Untersuchung nahmen über 1.000 Dialysepatienten teil, aufgeteilt in 505 Kontroll- und 513 Interventionspersonen.

Ein zwölfmonatiges, während der Dialyse durchgeführtes Kraft- und Ausdauertraining verbesserte die körperliche Fitness sowie die Lebensqualität erheblich. Bei einer Adhärenz von 88,1 Prozent nach dem Ausschluss von Nierentransplantationen, Todesfällen und schwerwiegenden Ereignissen traten keine Komplikationen auf.

Die klinischen Ergebnisse der Interventionsgruppe fielen deutlich aus: Die Hospitalisierungsrate sank um 20 Prozent, während sich die Verweildauer von sechs auf drei Tage halbierte. Laut Anding-Rost von Nephrocare Döbeln verringerte sich die kardiovaskuläre Mortalität bei Hochrisikopatienten um bis zu 40 Prozent.

Physiologisch stieg der Blutfluss während der Dialyse von 3 bis 4 auf 80 Milliliter pro Minute je 100 Gramm Muskelmasse. Dies schlug sich auch finanziell nieder: Die monatlichen Einsparungen beliefen sich auf 372 Euro pro Patient, die Hospitalisierungskosten sanken um 1.705 Euro, und die Pflegekosten halbierten sich.

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Dauerhafte Gewohnheiten als Voraussetzung für den Erfolg

Damit Patienten Bewegung dauerhaft in ihren Alltag integrieren, spielen verhaltenspsychologische Mechanismen eine zentrale Rolle. Nach einer Untersuchung des University College London dauert es im Durchschnitt 66 Tage, bis ein neu etabliertes Verhalten automatisch abläuft.

Die American Society of Training and Development stellte zudem fest, dass Personen, die einer anderen Person gegenüber Rechenschaft über ihre Fortschritte ablegen, ihre Ziele mit einer Wahrscheinlichkeit von 65 Prozent erreichen. Bei rein internen Vorsätzen liegt dieser Wert hingegen bei lediglich 10 Prozent.

Für den Aufbau stabiler Routinen werden in Fachkreisen Strategien wie das Umgebungsdesign, soziale Verbindlichkeiten, Belohnungssysteme sowie Ansätze wie die Zwei-Minuten-Regel nach BJ Fogg oder das Aneinanderkoppeln von Gewohnheiten nach James Clear diskutiert.

Rahmenbedingungen und zielgerichtete Dosis

Dass Bewegung nicht allein eine individuelle Entscheidung bleiben darf, thematisierte die VIACTIV Krankenkasse im Oktober 2026 bei einem parlamentarischen Frühstück unter dem Titel „Bewegung als Systemfrage“.

Gemeinsam mit Vertretern aus Politik, Wissenschaft, Medizin, Medien und Sport betonte die Kasse, dass verlässliche Strukturen in Kommunen, Bildung und Versorgung sowie überprüfte Maßnahmen nötig seien, statt allein an den guten Willen zu appellieren.

Die Sportmedizinerin Christine Josten hob in diesem Zusammenhang hervor, dass bereits zusätzliche Schritte und wenige Minuten mehr Gehen pro Tag einen Unterschied bewirken können.

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Wie wichtig die richtige Dosis ist, zeigt auch ein Umbrella Review zur Arthrose: Dort führte Bewegung bei Hüft-, Knie- und Handarthrose zu einer geringfügigen Schmerzreduktion von 6 bis 12 Punkten auf einer 100-Punkte-Skala im Vergleich zu keiner Behandlung.

Die Sportmedizinerin Dr. Laura Méndez wies darauf hin, dass übermäßiges Schonen Gelenke schwach halte. Das Ziel bestehe in einer passenden Dosis und schrittweisen Steigerung, wobei leichte bis mäßige Beschwerden, die innerhalb von 24 Stunden abklingen, als akzeptabel einzustufen seien.

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