Abnehmtablette kommt in deutsche Apotheken - Ein Ăberblick
Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 08:00 Uhr | dpa.deErstmals soll ein Medikament zum Abnehmen in Deutschland in Form von Tabletten in die Apotheken kommen. Als Abnehmspritze gibt es das Medikament mit dem Wirkstoff Semaglutid (Handelsname Wegovy) schon lĂ€nger. Einige der wichtigsten Fragen und Antworten im Ăberblick.
Ab wann sind die Abnehmtabletten in Deutschland verfĂŒgbar?
Die MarkeinfĂŒhrung in Deutschland fĂŒr 1. September geplant, wie eine Sprecherin der des dĂ€nischen Pharmakonzerns Novo Nordisk der Deutschen Presse-Agentur mitteilte. «Wir haben ausreichend Ware verfĂŒgbar, um die erwartete Nachfrage zu bedienen.» Novo Nordisk ist auch Hersteller von Abnehmspritzen. Die EuropĂ€ische Union hatte die Zulassung fĂŒr die Wegovy-Tabletten im Juli erteilt.Â
FĂŒr wen kommt das Medikament infrage?Â
Zugelassen sind die Tabletten fĂŒr Menschen mit Adipositas oder Ăbergewicht und mindestens einer gewichtsbedingten Begleiterkrankung. Betroffene brauchen dafĂŒr ein Rezept vom Arzt, einfach so bekommt man das Medikament in der Apotheke nicht. Die Kosten mĂŒssen Patientinnen und Patienten in Deutschland bislang selbst tragen. Denn: Abnehmmittel gelten in Deutschland als sogenannte Lifestyle-Arzneimittel und sind daher keine Leistung der Krankenkasse. Bislang kostete die Behandlung mit den Abnehmspritzen einige Hundert Euro pro Monat. Es gibt allerdings Diskussionen darĂŒber, ob die Behandlung fĂŒr bestimmte Patientengruppe mit Adipositas doch zur Kassenleistung werden sollte.
Anders ist es bei Menschen mit Typ-2-Diabetes: FĂŒr sie wird die Behandlung mit Semaglutid unter dem Produktnamen Ozempic von der Krankenkassen ĂŒbernommen.Â
Wie wirken die Tabletten?
Genauso wie die Abnehmspritzen enthalten die Tabletten Wirkstoffe aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptor-Agonisten (GLP-1-RA). Die Wirkstoffe signalisieren dem Gehirn, dass gegessen wurde, wodurch ein SĂ€ttigungsgefĂŒhl entsteht. AuĂerdem bleibt die Nahrung lĂ€nger im Magen, was das SĂ€ttigungsgefĂŒhl zusĂ€tzlich verlĂ€ngert. Die Patienten essen also insgesamt weniger und nehmen dadurch ab.Â
Nimmt man durch Tablette und Spritze gleich viel ab?
Ja, die Effekte auf das Gewicht seien vergleichbar, sagte Endokrinologin Nina Meyer von der Berliner CharitĂ© bei einem Presse-Briefing des Science Media Centers (SMC). Der wesentliche Vorteil sei, dass Patientinnen und Patienten nun die Wahl hĂ€tten, ob sie Spritzen oder Tabletten bevorzugten. Manche hĂ€tten zum Beispiel Angst vor Spritzen. Am Ende sei es eine Frage der PrĂ€ferenz.Â
Und wo gibt es Unterschiede?
Unterschiede gibt es vor allem bei der Anwendung und der Dosierung. Die Spritze muss nur einmal pro Woche angewandt werden, die Tablette hingegen muss jeden Morgen genommen werden. Vor der Einnahme der Tablette sollen Patienten mindestens acht Stunden nicht gegessen haben und dĂŒrfen danach 30 Minuten lang kein Essen, Trinken oder andere Medikamente zu sich nehmen, wie die Bundesvereinigung Deutscher ApothekerverbĂ€nde (ABDA) informiert.
AuĂerdem ist die Dosis der Tabletten deutlich höher. Das liegt daran, dass Magen und DĂŒnndarm nur einen sehr kleinen Anteil der Wirkstoffmenge aufnehmen, wie Hans Hauner, Direktor des Else-Kröner-Fresenius-Zentrums fĂŒr ErnĂ€hrungsmedizin an der Technische UniversitĂ€t MĂŒnchen, erklĂ€rte. «Sie brauchen vom gleichen Wirkstoff 70-mal so viel, wenn Sie das in Tablettenform geben, als wenn Sie das spritzen.»
Endokrinologin Meyer ergĂ€nzte, die Spritzentherapie könne bis maximal 2,4 Milligramm hochdosiert werden, fĂŒr die Tabletten werde eine Dosierung von 25 Milligramm als Maximaldosis verfĂŒgbar sein.
Wie groĂ ist der Effekt?
Studienergebnissen zur Abnehmspritze hatten gezeigt, dass Versuchsteilnehmer durch Semaglutid durchschnittlich etwa 11 bis 17 Prozent abnehmen. Die Gewichtsabnahme liege bei etwa 10 bis 12 Kilo, so Hauner. Experten betonen jedoch, dass das Medikament allein nicht reiche, um das Gewicht dauerhaft zu halten. «Es ist keine alleinstehende Therapie», erklĂ€rte Meyer, die Leiterin des ErnĂ€hrungsteams und der Endokrinologie am interdisziplinĂ€ren Adipositaszentrum der CharitĂ© ist. Wichtig sei eine Ă€rztliche Begleitung sowie Therapien fĂŒr ErnĂ€hrung, Bewegung und Verhalten.
Eine britische Studie zu Abnehmspritze, die im MÀrz veröffentlicht wurde, hatte gezeigt, dass Patienten nach dem Absetzen schnell wieder zunehmen, womöglich aber etwa ein Viertel des Gewichtsverlusts lÀngerfristig bewahren. Demnach seien ein Jahr nach Therapiestopp durchschnittlich 60 Prozent des verlorenen Gewichts wieder drauf gewesen.
Gibt es Nebenwirkungen?
Es können Nebenwirkungen wie Ăbelkeit, Erbrechen oder Verstopfen auftreten, so Meyer. Bisherige Studien zu Abnehmmitteln mit GLP-1-RA hĂ€tten gezeigt, dass die Nebenwirkungen meist mild bis moderat und selten schwer sind.
Was sagen die Experten zu Online-Angeboten fĂŒr die Abnehmpille?
Hauner und Meyer sehen Online-Angebote sehr kritisch. Es gebe keine gute Ă€rztliche Betreuung, in der Regel gehe es den Anbietern darum, Geld zu machen, sagte Hauner. Auch die ABDA warnt vor «dubiosen Online-Angeboten». «Arzneimitteltherapiesicherheit entsteht nicht durch Klicks im Internet, sondern durch persönliche Beratung und pharmazeutische Kontrolle», teilte ABDA-PrĂ€sident Thomas Preis mit. «Wer den Eindruck erweckt, solche Therapien lieĂen sich per Mausklick organisieren, verkennt die Verantwortung gegenĂŒber den Patientinnen und Patienten.» Eine persönliche und qualifizierte Beratung in einer Apotheke sei wichtig.
