Europa, Deutschland

Deutschland in BiodiversitÀtsliste fast EU-Schlusslicht

11.07.2023 - 05:19:49 | dpa.de

Die EU will bis 2030 mindestens 10 Prozent ihrer FlÀche als strenge Naturschutzgebiete ausweisen. Davon ist die Union noch weit entfernt - und Deutschland ist im Vergleich der LÀnder weit hinten zu finden.

  • Klatschmohn blĂŒht auf einem Feld in der Magdeburger Börde. - Foto: Simon Kremer/dpa
  • Zu den strengen Naturschutzgebieten gehört in Deutschland unter anderem der Nationalpark Bayerischer Wald. - Foto: Armin Weigel/dpa
Klatschmohn blĂŒht auf einem Feld in der Magdeburger Börde. - Foto: Simon Kremer/dpa Zu den strengen Naturschutzgebieten gehört in Deutschland unter anderem der Nationalpark Bayerischer Wald. - Foto: Armin Weigel/dpa

Deutschland hinkt einer Analyse zufolge bei der Ausweisung strenger Naturschutzgebiete im europÀischen Vergleich weit hinterher. Die Bundesrepublik liege mit derzeit nur 0,6 Prozent ausgewiesener SchutzflÀche auf dem drittletzten Platz der 27 EU-Staaten, teilte die UniversitÀt Bologna mit.

Nur Belgien (0,1 Prozent) und DÀnemark (0,2) schneiden demnach schlechter ab. Spitzenreiter Luxemburg hat der Auswertung zufolge 36,3 Prozent seiner FlÀche als strenge Schutzgebiete ausgewiesen. Dahinter folgen Schweden (10,1), Finnland (9,6), Lettland (5,7) und Italien (5,1).

Biologische Vielfalt stÀrken

In ihrer BiodiversitĂ€tsstrategie wollen die LĂ€nder der EuropĂ€ischen Union bis 2030 dafĂŒr sorgen, dass 30 Prozent der Landes- und MeeresflĂ€che unter rechtlich verbindlichen Schutz gestellt werden. FĂŒr ein Drittel davon - also 10 Prozent der gesamten FlĂ€che - soll strikter Schutz gelten. Das Ziel ist, die biologische Vielfalt zu erhalten sowie die leidenden Ökosysteme zu stĂ€rken.

Als strenge Naturschutzgebiete gelten jene Gegenden, die die Weltnaturschutzunion (IUCN) in ihrer Skala als Ia, Ib oder II einstuft. Dazu zĂ€hlen in Deutschland etwa die Nationalparks Bayerischer Wald, Schwarzwald, SĂ€chsische Schweiz, Unteres Odertal, Eifel und die Wattenmeer-Nationalparks, wie das Bundesamt fĂŒr Naturschutz (BfN) erklĂ€rte.

Bis auf Luxemburg und Schweden erreichte laut den Wissenschaftlern aus Italien bislang noch kein EU-Staat die 10-Prozent-HĂŒrde. In der EuropĂ€ischen Union seien zusammengerechnet bislang nur 3,37 Prozent der FlĂ€chen unter strengen Schutz gestellt worden.

Gros der SchutzflÀchen in alpinen Gegenden

DarĂŒber hinaus stellten die Forscher fest, dass es nicht nur ein Ungleichgewicht zwischen den LĂ€ndern gibt, sondern auch zwischen den Höhenlagen, in denen Schutzgebiete ausgewiesen sind. «Wir finden zum Beispiel nur sehr wenige streng geschĂŒtzte Gebiete im Flachland und in niedrigen Höhenlagen», sagte der an der Studie beteiligte Biologe Roberto Cazzolla Gatti. Auch in Deutschland befindet sich das Gros der strengen SchutzflĂ€chen in alpinen Gegenden; laut Studie sind 5,0 Prozent der heimischen Gebirge unter entsprechenden Schutz gestellt.

Der Naturschutzbund Deutschland kritisiert, dass derzeit in der Bundesrepublik zwar 37 Prozent der FlĂ€che einen Schutzstatus haben. «Nur wenige der Gebiete schĂŒtzen aber tatsĂ€chlich die BiodiversitĂ€t, die Arten, den Lebensraum und das Ökosystem», schreibt der Nabu.

Eine Prognose, ob hierzulande bis 2030 das Ziel von 10 Prozent streng geschĂŒtzter FlĂ€chen erreicht werde, gab das Bundesamt fĂŒr Naturschutz nicht ab. Das Naturschutzgebiet und Wildnisgebiet KönigsbrĂŒcker Heide in Sachsen solle aber demnĂ€chst mit seinen knapp 7000 Hektar als IUCN-Kategorie Ib eingestuft werden. DarĂŒber hinaus seien weitere Gebietsmeldungen fĂŒr 2024 vorgesehen, hieß es vom BfN.

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