Studie: StraĂenlĂ€rm belastet schnell Herz und Kreislauf
28.02.2026 - 05:00:06 | dpa.deSelbst mĂ€Ăiger StraĂenlĂ€rm kann sich einer Studie zufolge schon nach nur einer Nacht auf Herz und Kreislauf auswirken. Folgen seien unter anderem ein schnellerer Herzschlag und eine verminderte ElastizitĂ€t von BlutgefĂ€Ăen, schreibt eine Forschungsgruppe um Thomas MĂŒnzel von der UniversitĂ€tsmedizin Mainz in der Fachzeitschrift «Cardiovascular Research». Ein unabhĂ€ngiger Experte mahnt jedoch zu Vorsicht bei der Interpretation der Resultate.
Die Forscher hatten bei 74 Teilnehmenden zwischen 18 und 60 Jahren in deren privaten Schlafzimmern unterschiedliche Situationen simuliert: NĂ€chte ohne zusĂ€tzlichen LĂ€rm sowie NĂ€chte, in denen ĂŒber Lautsprecher StraĂenlĂ€rm 30 oder 60 Mal fĂŒr jeweils eine Minute und 15 Sekunden eingespielt wurde. Die LautstĂ€rke lag bei 41 bis 44 Dezibel - das entspricht einer leisen Unterhaltung. Die Teilnehmer wussten vorher nicht, ob und welchen Schallpegeln sie in einer Nacht ausgesetzt wurden.Â
Alkohol, Koffein und Nikotin waren wÀhrend Studie tabu
Am folgenden Morgen wurden Herz- und Kreislauf-Werte gemessen, und Blutproben wurden auf EntzĂŒndungsproteine hin untersucht. DarĂŒberhinaus wurde per Ultraschall untersucht, wie stark sich die BlutgefĂ€Ăe beim Herzschlag ausdehnen und wieder zusammenziehen.Â
Geringere ElastizitĂ€t der GefĂ€Ăe und schnellerer Herzschlag
Ein Ergebnis: Die Probandinnen und Probanden reagierten individuell unterschiedlich stark auf LĂ€rm. GrundsĂ€tzlich hĂ€tten sich schon nach einer Nacht mit eingespieltem StraĂenlĂ€rm funktionelle und biologische VerĂ€nderungen gezeigt, schreiben die Wissenschaftler. Dazu zĂ€hlten erhöhte Herzfrequenzen, VerĂ€nderungen bei Proteinen sowie eine geringere ElastizitĂ€t der BlutgefĂ€Ăe. Gerade Letzteres gelte als frĂŒhes Warnsignal fĂŒr die Gesundheit der GefĂ€Ăe.Â
Das Umweltbundesamt nennt StraĂenverkehr als dominierende LĂ€rmquelle in Deutschland und verweist auf eine Erfassung der Belastung vor einigen Jahren. Der zufolge sind bundesweit 2,3 Millionen Menschen ganztags Pegeln von mehr als 65 Dezibel ausgesetzt, nachts sind es bei 2,6 Millionen Menschen Pegel von mehr als 55 Dezibel.
Angesichts der Ergebnisse der Studie plĂ€dieren die Autoren fĂŒr konsequenten LĂ€rmschutz. Dazu könnten Tempo-30-Zonen zĂ€hlen und GrĂŒnflĂ€chen als Schallschutzpuffer. «LĂ€rmschutz ist Schallschutz», sagt Studienleiter MĂŒnzel. «Jede Dezibel-Reduktion bedeutet weniger Stress fĂŒr GefĂ€Ăe, weniger EntzĂŒndung im Blut - und langfristig weniger Herzinfarkte und SchlaganfĂ€lle.»Â
Christoph Maack vom UniversitĂ€tsklinikum WĂŒrzburg spricht von einer gut gemachten Studie zu einem wichtigen Thema. «Die Arbeit zeigt, dass es VerĂ€nderungen gibt, die ungĂŒnstig sind», sagt der Mediziner, der nicht an der Untersuchung beteiligt war. «Ob das aber ausreicht, um langfristige SchĂ€den zu hinterlassen, kann diese Studie nicht zeigen.» Gerade bei LĂ€rm könne es durchaus Gewöhnungseffekte geben.
Allerdings gebe es epidemiologische Studien, die darauf hinwiesen, dass LĂ€rmbelĂ€stigung dem Herz-Kreislauf-System zusetzen könne. Insofern seien MaĂnahmen zum LĂ€rmschutz durchaus sinnvoll.
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