Behörde, Mpox-FÀlle

Behörde: Mehr Mpox-FÀlle in Europa zu erwarten

16.08.2024 - 15:54:25

Die Krankheit Mpox könnte sich erneut verstÀrkt verbreiten. In Europa gibt es bereits mindestens einen Fall einer neuen Variante, weitere folgen sehr wahrscheinlich. Trotzdem beruhigen Fachleute.

  • Diese Mikroskopaufnahme zeigt Mpox-Partikel in einer Zelle.  - Foto: -/National Institute of Allergy and Infectious Diseases/dpa

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  • In Afrika gibt es schon 14.000 Mpox-VerdachtsfĂ€lle. - Foto: Moses Sawasawa/AP/dpa

    Moses Sawasawa/AP/dpa

Diese Mikroskopaufnahme zeigt Mpox-Partikel in einer Zelle.  - Foto: -/National Institute of Allergy and Infectious Diseases/dpaIn Afrika gibt es schon 14.000 Mpox-VerdachtsfÀlle. - Foto: Moses Sawasawa/AP/dpa

Wegen der schnellen Ausbreitung der Krankheit Mpox in Afrika werden auch in Europa mehr FĂ€lle mit der neuen Variante erwartet. Es sei «sehr wahrscheinlich», dass weitere FĂ€lle eingetragen werden, weil es enge Verbindungen zwischen Europa und Afrika gebe, erklĂ€rte die europĂ€ische Gesundheitsbehörde ECDC mit Sitz in Schweden. In dem Land war am Donnerstag der erste Mpox-Fall einer neuen Variante außerhalb des afrikanischen Kontinents bestĂ€tigt worden. 

Das Risiko fĂŒr die Gesamtbevölkerung in Europa schĂ€tzt die ECDC nun als niedrig ein, nicht mehr als sehr niedrig. FĂŒr Menschen, die enge Kontakte zu möglichen oder bestĂ€tigten Mpox-FĂ€llen haben, bestehe ein moderates Risiko. Wer nach Afrika reise und dort engen Kontakt mit den Betroffenen habe, dessen Risiko einer Ansteckung werde als hoch eingeschĂ€tzt. 

Die Wahrscheinlichkeit einer anhaltenden Übertragung in Europa sei sehr gering, sofern importierte FĂ€lle schnell diagnostiziert und Kontrollmaßnahmen umgesetzt wĂŒrden, teilte die ECDC weiter mit. 

Die mit Mpox infizierte Person in Schweden hatte sich zuvor in Afrika aufgehalten, wo die neue Variante der sogenannten Klade I Ende 2023 erstmals nachgewiesen wurde. Der Subtyp - Klade Ib genannt - ist Fachleuten zufolge wahrscheinlich ansteckender als bisherige Varianten und verursacht hÀufiger schwere VerlÀufe. 

Keine Übertragung ĂŒber die Luft bekannt

Allerdings ist Mpox, das frĂŒher Affenpocken genannt wurde, generell nicht so leicht zu ĂŒbertragen. «Die Übertragung erfolgt durch direkten Schleimhaut- und Hautkontakt», erklĂ€rte Johannes Bogner, Leiter der Sektion Klinische Infektiologie am LMU-Klinikum der UniversitĂ€t MĂŒnchen. «Eine Übertragung ĂŒber die Luft oder Aerosol ist nicht bekannt und nicht zu fĂŒrchten.»

Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach sieht keinen Grund fĂŒr Beunruhigung. «Mpox stellen fĂŒr unsere Bevölkerung momentan keine große Gefahr dar», teilte der SPD-Politiker in Berlin mit. Der Fall in Schweden Ă€ndere nichts an dieser RisikoeinschĂ€tzung fĂŒr Deutschland und Europa. «Wir verfolgen die Lage trotzdem weiterhin aufmerksam und sind vorbereitet, falls sich die Lage Ă€ndert», sagte Lauterbach. 

Die europĂ€ische Gesundheitsbehörde empfiehlt den Staaten, Reisehinweise fĂŒr Personen herauszugeben, die in die vom Ausbruch betroffene Gebiete reisen oder von dort zurĂŒckkehren. Wegen der besseren Überwachung und der guten Gesundheitsversorgung in Europa geht die ECDC davon aus, dass die Auswirkungen der neuen Variante gering sein werden. 

1 Fall in Europa, 14.000 VerdachtsfÀlle in Afrika

Das Virus ist mit dem klassischen Pockenvirus verwandt. Es löst vor allem Hautausschlag aus, aber auch Fieber und Muskelschmerzen. In diesem Jahr wurden bisher mehr als 14.000 Mpox-VerdachtsfĂ€lle und mehr als 500 TodesfĂ€lle aus der Demokratischen Republik Kongo und anderen LĂ€ndern Afrikas gemeldet. Es gibt zwei Impfstoffe, welche in Deutschland derzeit nur bestimmten Risikogruppen empfohlen werden. FĂŒr die Therapie gibt es ein antivirales Medikament fĂŒr schwer Erkrankte.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hatte wegen der Mpox-AusbrĂŒche in Afrika und der neuen, womöglich gefĂ€hrlicheren Variante am Mittwoch die höchste Alarmstufe ausgerufen. Damit sollen Behörden in aller Welt zu erhöhter Wachsamkeit gebracht werden.

Die WHO lobte Schweden fĂŒr die rasche Entdeckung des Mpox-Falls. Es sei «in gewisser Weise eine gute Nachricht», sagte WHO-Sprecherin Margaret Harris in Genf. «Es ist kein gute Nachricht fĂŒr die infizierte Person, aber es zeigt, dass das System funktioniert», sagte sie.
Die LĂ€nder hĂ€tten ihre Wachsamkeit fĂŒr das Virus erhöht, weil sie damit rechneten, dass die Erkrankung auch außerhalb Afrikas auftritt.

China testet Reisende mit Symptomen

Grenzschließungen als Reaktion auf das Virus empfiehlt die UN-Gesundheitsorganisation ausdrĂŒcklich nicht. China gab allerdings bekannt, wegen der Mpox-AusbrĂŒche Einreisekontrollen fĂŒr Menschen aus betroffenen LĂ€ndern zu verschĂ€rfen. Wer aus bestimmten afrikanischen Staaten einreise, mit Mpox in BerĂŒhrung gekommen sei oder entsprechende Symptome verspĂŒre, solle sich beim Zoll melden, teilte die Behörde in Peking mit. Zollbeamte wĂŒrden Proben entnehmen und testen. Diese AnkĂŒndigung kommentierte die WHO-Sprecherin nicht.

Der Internist Bogner aus MĂŒnchen geht davon aus, dass es zu einer weltweiten Ausbreitung durch sexuelle Kontakte kommt, Ă€hnlich wie bei der Mpox-Welle in den Jahren 2022 und 2023. «Menschen reisen und Menschen haben Intimkontakte. Die Ausbreitung ist also kaum zu verhindern», meinte er. Damit sei aber auch klar, wie man sich schĂŒtzen könne: Intimkontakte mit Unbekannten vermeiden. 

@ dpa.de