Griechenland, Europa

Cyber-Bedrohungslage in der EU verschÀrft sich

01.10.2025 - 09:00:05

Die Mehrheit aller Cyberattacken sind sogenannte DDoS-Angriffe, doch die grĂ¶ĂŸten Verluste entstehen durch perfide Erpressersoftware. Eine Studie zeigt, wer am hĂ€ufigsten ins Visier der TĂ€ter gerĂ€t.

Die Bedrohungslage fĂŒr Europas digitale Infrastruktur hat sich weiter verschĂ€rft. Das geht aus dem neuen Bericht der EU-Agentur fĂŒr Cybersicherheit ENISA hervor. In dem Report wird Erpresser-Software («Ransomware») als die Bedrohung mit den grĂ¶ĂŸten Auswirkungen in der EU genannt.

Hohe SchÀden durch Ransomware

Ransomware ist eine spezielle Art von Schadsoftware, die den Computer oder die darauf gespeicherten Daten der Opfer quasi in Geiselhaft nimmt. Das bedeutet: Nach einer Infektion werden in der Regel wichtige Dateien oder sogar das ganze System so verschlĂŒsselt oder gesperrt, dass kein Zugriff mehr möglich ist. Danach fordern die TĂ€ter vom Besitzer ein Lösegeld (englisch: «ransom») – meist in KryptowĂ€hrungen wie Bitcoin – und versprechen, die Sperre oder VerschlĂŒsselung nach Zahlung wieder aufzuheben.

Ein Befall mit Ransomware fĂŒhrte auch zu den jĂŒngsten Computerstörungen an mehreren europĂ€ischen FlughĂ€fen - darunter auch am BER von Berlin/Brandenburg und in London Heathrow. Die SchĂ€den der Hackerangriffe sind in diesen FĂ€llen oft enorm, weil es den Opfern nicht gelingt, ihre Systeme aus Backups wiederherzustellen.

Zahlreiche DDoS-Angriffe

ZahlenmĂ€ĂŸig liegen jedoch sogenannte DDoS-Attacken im ENISA-Report an der Spitze. Sie machen mit 77 Prozent den Großteil der gemeldeten VorfĂ€lle aus. Dabei ĂŒberschĂŒtten die Angreifer die Rechner der Opfer mit so großen Mengen an Datenanfragen, dass die Server in die Knie gehen und nicht mehr funktionieren. HĂ€ufig fallen bei den Denial-of-Service-Attacken die SchĂ€den nicht so hoch aus wie bei den Ransomware-Angriffen, weil nach der befristeten Attacke die Server wieder laufen und funktionieren. Die meisten der DDoS-Angriffe stammen von «Hacktivisten», wĂ€hrend Cyberkriminelle nur eine kleinere Rolle spielten. 

Die Analyse basiert auf 4875 VorfĂ€llen zwischen Juli 2024 und Juni 2025, wie die ENISA in Athen mitteilte. ENISA-Direktor Juhan Lepassaar sagte: «Die zunehmende AbhĂ€ngigkeit von digitalen Systemen fĂŒhrt dazu, dass Störungen sich ĂŒber gesamte Lieferketten hinweg auswirken können.»

Öffentliche Verwaltung Ziel von Cyberangriffen

Aus dem Bericht geht hervor, dass die öffentliche Verwaltung in der EU mit einem Anteil von 38,2 Prozent zu den am hĂ€ufigsten angegriffenen Bereichen zĂ€hlt. Im Fokus stehen dabei insbesondere diplomatische und staatliche Einrichtungen, die Ziel von Hacktivisten sowie staatlich unterstĂŒtzten Gruppen im Rahmen von Cyber-Spionagekampagnen werden.

An zweiter Stelle folgt der Verkehrssektor mit 7,5 Prozent der registrierten VorfÀlle. Danach reihen sich digitale Infrastrukturen und Dienste (4,8 Prozent), der Finanzsektor (4,5 Prozent) sowie die Industrie (2,9 Prozent) ein. 

KĂŒnstliche Intelligenz verstĂ€rkt Angriffsstrategien

Besorgniserregend ist nach EinschĂ€tzung der ENISA der verstĂ€rkte Einsatz von KĂŒnstlicher Intelligenz. Über 80 Prozent der global beobachteten Social-Engineering-AktivitĂ€ten seien inzwischen KI-gestĂŒtzt, heißt es in dem Bericht der EU-Agentur fĂŒr Cybersicherheit, die ihren Sitz in Athen hat. Beim Social Engineering werden etwa gefĂ€lschte Anweisungen von Vorgesetzten mit KI erzeugt («Boss-Mails»), die Angestellte dazu verleiten, hohe Summen an die Angreifer zu ĂŒberweisen.

@ dpa.de