Sanktionen, Digitale SouverÀnitÀt

Strafgerichtshof: Software aus Deutschland statt Microsoft

30.10.2025 - 12:58:56

Die US-Regierung unter PrÀsident Trump setzt digitale Technologie als Druckmittel ein. Der Internationale Strafgerichtshof weicht nun US-Sanktionen aus - mit Software aus Deutschland.

  • Microsoft war wegen der Blockade des E-Mail-Kontos des ChefanklĂ€gers des Internationalen Strafgerichtshofs, Karim Khan, zunehmend in die Schusslinie geraten. (Archivbild) - Foto: Peter Dejong/AP/dpa

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  •  Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag wird kĂŒnftig auf Software aus Deutschland umsteigen. (Archivbild) - Foto: Peter Dejong/AP/dpa

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Microsoft war wegen der Blockade des E-Mail-Kontos des ChefanklĂ€gers des Internationalen Strafgerichtshofs, Karim Khan, zunehmend in die Schusslinie geraten. (Archivbild) - Foto: Peter Dejong/AP/dpa Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag wird kĂŒnftig auf Software aus Deutschland umsteigen. (Archivbild) - Foto: Peter Dejong/AP/dpa

Der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) in Den Haag wird kĂŒnftig nicht mehr mit Arbeitsplatzsoftware von Microsoft arbeiten, sondern auf Software aus Deutschland umsteigen. Um möglichen Sanktionen der US-Regierung unter PrĂ€sident Donald Trump aus dem Weg zu gehen, soll statt den Programmen des US-Konzerns das Software-Paket OpenDesk des Bochumer Anbieters ZenDIS zum Einsatz kommen. Das berichtet das «Handelsblatt». 

Die ZenDiS GmbH (Zentrum fĂŒr Digitale SouverĂ€nitĂ€t der Öffentlichen Verwaltung) ist ein vom Bund gegrĂŒndetes Unternehmen, das als zentrale Drehscheibe fĂŒr digitale SouverĂ€nitĂ€t und Open-Source-Software im öffentlichen Sektor dienen soll. OpenDesk ist eine modular aufgebaute, Open-Source-basierte Arbeitsplattform, die sĂ€mtliche Anwendungen fĂŒr digitale BĂŒroarbeit und Kollaboration unter einer OberflĂ€che bĂŒndelt.

Reaktion auf US-Sanktionen

FĂŒr den Anbieterwechsel gibt es einen konkreten Anlass: Microsoft hatte im vergangenen Mai das E-Mail-Konto des IStGH-ChefanklĂ€gers Karim Khan gesperrt. US-PrĂ€sident Trump hatte zuvor das Den Haager Gericht mit Sanktionen belegt, nachdem ein Gremium von IStGH-Richtern im November 2024 Haftbefehle gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und seinen frĂŒheren Verteidigungsminister Yoav Gallant wegen Kriegsverbrechen im Gazastreifen erlassen hatte. Die USA und Israel erkennen den IStGH nicht an.

Kritik am «Hilfssheriff Microsoft»

Der Vorfall löste eine Welle von Kritik und eine breite Debatte ĂŒber die AnhĂ€ngigkeit von Technologieanbietern aus den USA aus. Organisationen wie die Open Source Business Alliance warfen Microsoft vor, als eine Art «Hilfssheriff» zu agieren, der aufgrund nationaler Sanktionen die Arbeit internationaler Institutionen blockiere.

Microsoft betonte danach, dass man nicht die Dienste fĂŒr den IStGH als Institution eingestellt oder ausgesetzt habe, sondern lediglich auf die gezielte US-Sanktion gegen eine Einzelperson reagiert habe. Man sei wĂ€hrend des gesamten Prozesses in Kontakt mit dem Gericht geblieben. Die UmsĂ€tze des Konzerns mit dem Strafgerichtshof fallen in der Microsoft-Bilanz kaum auf. Allerdings rechnen Experten dem Vorfall große symbolische Bedeutung zu.

«AbhÀngigkeiten verringern»

Osvaldo Zavala Giler, der als Registrar die Verwaltung des IStGH leitet und fĂŒr die IT verantwortlich ist, sagte dem Handelsblatt: «Angesichts der UmstĂ€nde mĂŒssen wir AbhĂ€ngigkeiten reduzieren und die technologische Autonomie des Gerichtshofs stĂ€rken.»

Der neue Software-Anbieter ZenDIS wurde 2022 ins Leben gerufen, um kritische Software-AbhĂ€ngigkeiten zu lösen, digitale SouverĂ€nitĂ€t zu stĂ€rken, Open-Source-Lösungen zu fördern und Beratung fĂŒr Bund, LĂ€nder und Kommunen zu bieten.

@ dpa.de