Sicherheit, Deutschland

Studie: IT-Angriffe auf Verbraucher stark gestiegen

14.06.2023 - 12:48:49

Die Verbraucherinnen und Verbraucher in Deutschland sind im Netz immer hÀufiger Angriffen ausgesetzt. Gleichzeitig unterschÀtzen viele Menschen die Bedrohung und unternehmen zu wenig zum eigenen Schutz,

Die Internet-Nutzer in Deutschland sind nach eigener EinschĂ€tzung stĂ€rker von Cyberangriffen bedroht als in den vergangenen neun Jahren. Das geht aus dem aktuellen Sicherheitsindex der Initiative «Deutschland sicher im Netz» (DsiN) hervor, der am Mittwoch in Berlin veröffentlicht wurde. Auf einer Skala von Null bis hundert fiel der Bedrohungs-Gesamtindex, der die digitale Sicherheitslage fĂŒr Verbraucher abbildet, mit 57,2 Punkten auf den schlechtesten Wert seit der erstmaligen Erfassung im Jahr 2014.

Im vergangenen Jahr lag der Index-Wert noch bei 59,8. Das bisher beste Niveau wurde 2016 mit 65,4 Punkten erreicht. Mit dem Index versuchen die Forscher auf Basis einer reprÀsentativen Befragung, die subjektive Bedrohung mit dem tatsÀchlichen Schutzniveau der Verbraucher zusammenzubringen.

Der schlechte Index-Wert ist nach Angaben der Initiative zum einen auf eine verschĂ€rfte Bedrohungslage zurĂŒckzufĂŒhren. Die Zahl der Angriffe auf die Verbraucherinnen und Verbraucher nahm demnach um 20 Prozent zu. Der Index fĂŒr SicherheitsvorfĂ€lle stieg von 43,4 Index-Punkten auf 54,6 Punkte.

Tobias Weber vom Markt- und Meinungsforschungsinstitut Kantar warnte davor, dass Systeme mit KĂŒnstlicher Intelligenz (KI) die Bedrohungslage weiter verschĂ€rfen. «Die Angriffe werden durch KI komplexer und noch gefĂ€hrlicher.» KĂŒnstliche Intelligenz werde dazu beitragen, dass Angriffe nicht als solche erkannt werden, weil beispielsweise Phishing-Mails fehlerfrei formuliert werden. Zur VerschĂ€rfung der Bedrohungslage trage aber auch die stĂ€rkere Nutzung der Systeme seit der Pandemie bei.

Im Fokus der aktuellen Studie zum DsiN-Sicherheitsindex standen dieses Jahr die sozialen Medien. Die Netzwerke werden demnach von 57,9 Prozent aller Onliner im Alltag genutzt. Jeder Dritte informiert sich dort auch ĂŒber das Tagesgeschehen (36,6 Prozent), mehr als jeder Achte zu politischen Fragestellungen (13,3 Prozent). Negative Erfahrungen machte gut ein Viertel. Bei den VorfĂ€llen stehen Falschinformationen vorn mit 50,8 Prozent, gefolgt von unerwu?nschten Nachrichten (49,5 Prozent) und Cybermobbing (35,2 Prozent).

Eine positive Entwicklung sieht die Initiative DsiN bei der Kompetenz der Verbraucher. Das Sicherheitswissen hat sich dieses Jahr um 1,8 Punkte auf einen hohen Wert von 90,5 Punkten verbessert. Auch bei der Umsetzung der Erkenntnisse im Alltag gibt es kleine Fortschritte: Der Index fĂŒr das Sicherheitsverhalten stieg um 1,2 Punkte auf 50,8 Punkte. «Diese leichte Verbesserung reicht jedoch nicht, um den gestiegenen SicherheitsvorfĂ€llen zu begegnen, zumal die Umsetzung des Wissens unzureichend ist», sagte DsiN-GeschĂ€ftsfu?hrer Michael Littger. Erforderlich seien Angebote mit persönlichen Ansprachen und Vorbildern, die auf konkrete VerhaltensĂ€nderungen im Alltag hinwirken.

@ dpa.de