Ebola im Kongo: Wie gefÀhrlich ist der Ausbruch?
18.05.2026 - 04:00:32 | dpa.deDie Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat wegen eines Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda den internationalen Gesundheitsnotstand ausgerufen. Verantwortlich ist eine seltene Virusvariante, fĂŒr die es keinen Impfstoff gibt. Die Ausbreitungsgefahr fĂŒr die gesamte Region gilt als hoch.
Wie ungewöhnlich und kritisch ist der Ausbruch?
In den letzten 50 Jahren ist es in der Demokratischen Republik Kongo zu 17 Ebola-AusbrĂŒchen gekommen. Dabei handelte es sich laut der afrikanischen Gesundheitsbehörde Africa CDC hauptsĂ€chlich um den am hĂ€ufigsten vorkommenden Zaire-Ebolavirus, fĂŒr den ein Impfstoff entwickelt wurde.
Erst zum dritten Mal ist laut Africa CDC nun die seltene Bundibugyo-Variante ausgebrochen. Zuvor war der Bundibugyo-Stamm 2007 erstmals in Uganda aufgetreten, dann 2012 im Kongo. Aufgrund seiner Seltenheit gibt es laut der WHO fĂŒr diese Variante keinen zugelassenen Impfstoff und keine Therapie.
Allerdings hat die Bundibugyo-Variante nach Angaben des US-amerikanischen Gesundheitsinstitutes NIH eine niedrigere Sterblichkeitsrate von etwa 37 Prozent. Beim Zaire-Stamm liege diese bei bis zu 90 Prozent.
Der Ausbruch begann nach Angaben der Africa CDC in vermutlich in der dritten Aprilwoche, wurde aber erst Anfang Mai gemeldet. Die spĂ€te Erkennung habe dazu gefĂŒhrt habe, dass Kontaktpersonen gereist seien und die Epidemie nun mit knapp 90 vermuteten TodesfĂ€llen weit fortgeschritten sei, sagte Caitlin Jeanne Brady, die Landesdirektorin des DĂ€nischen FlĂŒchtlingsrats im Kongo. Dazu handele es sich um eine Region, die noch nie zuvor mit Ebola konfrontiert war. Dies könnte bedeuten, dass die Menschen Gesundheitspersonal misstrauten und stattdessen auf traditionelle Heilmittel setzten, so Brady.
Wie genau verlÀuft die Krankheit?
Die Krankheit beginnt zunÀchst oft Àhnlich wie eine Grippe oder auch eine Durchfallerkrankung, sagt Fabian Leendertz vom Helmholtz Institut. Dann werde die Erkrankung allerdings schwerwiegender, unter anderem mit Blut im Stuhl. Letzteres trete bei dieser Virusvariante allerdings nicht immer auf, was es schwieriger mache, die Krankheit zu erkennen.
Letztlich sterben die meisten Menschen Leendertz zufolge an einem Multiorganversagen. «Die Ăbertragung von Ebolaviren von Mensch zu Mensch erfolgt in aller Regel durch direkten Kontakt mit bereits erkrankten Personen beziehungsweise deren KörperflĂŒssigkeiten», erklĂ€rt Florian Klein, Direktor am Institut fĂŒr Virologie an der UniversitĂ€t zu Köln.Â
Wie wahrscheinlich ist eine Ausbreitung nach Europa?Â
Leendertz schĂ€tzt das Risiko fĂŒr eine groĂflĂ€chige Ausbreitung des Ebola-Virus in Europa als gering ein. Zwar seien EinzelfĂ€lle durch ReiserĂŒckkehrer nicht völlig auszuschlieĂen, doch weitere AusbrĂŒche in LĂ€ndern mit guten Gesundheitssystemen halte er fĂŒr «extrem unwahrscheinlich».
Krankheiten, die schwere Symptome hervorrufen und eine hohe Sterblichkeit aufweisen, seien laut Leendertz grundsĂ€tzlich weniger dafĂŒr geeignet, eine Pandemie auszulösen als Krankheiten wie Covid. Denn Krankheiten mit schwereren VerlĂ€ufen seien leichter zurĂŒckzuverfolgen, wĂ€hrend beispielsweise bei Covid hĂ€ufiger die leichteren VerlĂ€ufe unentdeckt blieben.Â
In einem funktionierenden Gesundheitssystem mit guten Ăberwachungsmöglichkeiten wie in Deutschland könne man Infektionsketten durch gezielte RĂŒckverfolgung und Beobachtung von Kontaktpersonen schnell unterbrechen. Auch schon in einigen NachbarlĂ€ndern der Demokratischen Republik Kongo seien die Gesundheitssysteme besser und ein Ausbruch damit unwahrscheinlicher.Â
Was heiĂt das fĂŒr uns in Deutschland?
Bundesgesundheitsministerin Nina Warken sieht derzeit keinen Handlungsbedarf in Deutschland. In der Bundesrepublik ist das Risiko «als Ă€uĂerst gering einzuschĂ€tzen», sagte die CDU-Politikerin im ARD-«Bericht aus Berlin». «Im Land braucht es derzeit keine Vorkehrungen.» Eine weltweite Ebola-Pandemie halte auch sie fĂŒr «nahezu ausgeschlossen».
Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigte der bislang gröĂte Ebolafieber-Ausbruch in Westafrika 2014/2015, dass das Risiko einer Ausbreitung nach Deutschland selbst dann sehr gering sei, wenn afrikanische GroĂstĂ€dte mit internationalen Flugverbindungen von einem Ausbruch betroffen sind. Nur vereinzelt hĂ€tten damals Infizierte die betroffenen LĂ€nder mit einem Flugzeug verlassen.
Das AuswĂ€rtige Amt warnt vor Reisen in die betroffene Provinz Ituri und umliegende Regionen. Von nicht notwendigen Reisen in die ĂŒbrigen Landesteile des Kongo einschlieĂlich der Hauptstadt Kinshasa rĂ€t es ab.
Klein betont: «Je nach GröĂe und Dauer des Ausbruchs sowie der damit verbundenen Zahl an Kontaktpersonen steigt auch das Risiko, dass wir vereinzelt auch Patienten in Deutschland sehen. WĂ€hrend des Ebola-Ausbruchs 2014â2016 in Westafrika mit ĂŒber 30.000 Infizierten wurden insgesamt drei Patienten in spezialisierten Behandlungszentren in Deutschland versorgt.»
Wie sind die LebensumstÀnde in der betroffenen Region?
Sorgen bereitet dem Experten Leendertz die Situation im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Dort fehle es aufgrund eingeschrĂ€nkter staatlicher Kontrolle an einem stabilen Gesundheitssystem und SchutzausrĂŒstung fĂŒr das medizinische Personal.
Ein wesentlicher Unterschied zu frĂŒheren Krisen sei das Fehlen eines zugelassenen Impfstoffs fĂŒr diesen spezifischen Ebola-Typ. «Dieses Werkzeug haben wir gerade nicht in der Hand und deswegen ist das schon etwas, was wir sehr ernst nehmen mĂŒssen», so Leendertz. Klein ergĂ€nzt: «Eine EindĂ€mmung ist auch ohne Impfstoff möglich, aber das Fehlen erschwert die Situation erheblich.»
Zudem erschweren regionale Konflikte die Arbeit vor Ort. Dazu gehören ethnische Konflikte zwischen Bauern und Viehhirten, ĂberfĂ€lle bewaffneter Gruppen aus dem SĂŒdsudan sowie Angriffe von Rebellengruppen innerhalb des Ostkongo. WĂ€hrend man beim groĂen Ausbruch in Westafrika 2014/15 noch gut mit nationalen Behörden habe kooperieren können, mĂŒssten HilfsmaĂnahmen im Osten des Kongo heute oft mit lokalen Machthabern ausgehandelt werden.
Djugu, das am stĂ€rksten betroffene Gebiet in Ituri, befindet sich seit mehreren Jahren im Konflikt. Hunderttausende lebten in FlĂŒchtlingslagern, so Expertin Brady. Der Zugang fĂŒr humanitĂ€re Helfer sei nicht einfach.Â
Leendertz betonte in diesem Zusammenhang, dass die Verbesserung der globalen Gesundheits- und Hygienestandards sowie der Schutz der Natur im direkten Eigeninteresse Europas lĂ€gen, um das Risiko von Tier-zu-Mensch-Ăbertragungen zu minimieren. Sein Fazit lautet: «Frieden ist eine Grundvoraussetzung dafĂŒr, dass wir Pandemien verhindern.» Ebenso wichtig seien funktionierende Gesundheitssysteme. Es sei also auch in unserem Interesse, Ă€rmeren LĂ€ndern zu helfen.Â
Was bedeutet der internationale Gesundheitsnotstand der WHO?
Die hohe Alarmstufe löst fĂŒr derartige FĂ€lle gedachte Mechanismen wie eine weltweite Koordination von GegenmaĂnahmen und internationale Ressourcenmobilisierung aus. Die WHO stellt unter anderem rund 430.000 Euro fĂŒr SofortmaĂnahmen bereit.Â
Zehn NachbarlĂ€nder des Kongo wurden bislang offiziell gewarnt. Dazu gehören Uganda und SĂŒdsudan, die direkt an die kongolesische Provinz Ituri angrenzen. Es handle sich jedoch um keinen Pandemie-Alarm, stellte die WHO klar.
So schÀtzen die Börsenprofis Aktien ein!
FĂŒr. Immer. Kostenlos.
