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Digitale Brieftasche: Personalausweis aufs Smartphone ab Januar 2027

Veröffentlicht: 16.07.2026 um 16:25 Uhr, Redaktion boerse-global.de

Deutschland führt ab Januar 2027 die EUDI-Wallet ein. Private Anbieter wie Verimi stellen ihren Dienst ein, während Bitkom-Umfragen noch Nutzungsbarrieren zeigen.

Staatliche EUDI-Wallet: Digitaler Führerschein ab 2027 am Start
Eine Hand hält ein Smartphone, das eine digitale Identitätskarte und einen Führerschein anzeigt, mit verschwommenem Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Januar 2027 die staatliche digitale Brieftasche für Smartphones. Personalausweis, Führerschein und Fahrzeugpapiere sollen dann in einer zentralen Wallet-App landen. Die Nutzung ist freiwillig, die klassischen Dokumente bleiben gültig.

EUDI-Wallet: Das steckt hinter dem Projekt

Digitalminister Karsten Wildberger gibt den offiziellen Startschuss für die EUDI-Wallet (European Digital Identity Wallet) in Deutschland. Das Angebot baut die Regierung schrittweise aus: Im Vierteljahres-Rhythmus kommen weitere Nachweise dazu – etwa die elektronische Gesundheitskarte, Bildungszeugnisse und der Impfpass.

Technisch setzt das System auf starke Verschlüsselung und regelmäßige Sicherheitsupdates. Eine Besonderheit: Nutzer können ihr Alter nachweisen, ohne die vollständige Identität preiszugeben. Die Daten speichert dezentral bei den jeweiligen Ausstellern. Biometrische Merkmale verarbeitet ausschließlich das Endgerät lokal.

Verimi macht dicht: Privater Identitätsdienst gibt auf

Die staatliche Lösung hat direkte Folgen für den Markt. Der Identitätsdienst Verimi stellt zum 31. Dezember 2026 seinen Betrieb ein. Das 2018 gegründete Unternehmen mit rund 80 Mitarbeitern in Berlin sieht sein Geschäftsmodell durch die neue eIDAS-Verordnung und die staatliche EUDI-Wallet gefährdet.

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Dabei lief es wirtschaftlich gut: 2024 erreichte Verimi die Gewinnschwelle und arbeitete seither profitabel. Trotzdem beschlossen die Gesellschafter – darunter Deutsche Bank, Allianz, Axel Springer, Bundesdruckerei, Daimler, Telekom und Lufthansa – die Abwicklung. Verimi war unter anderem an der GesundheitsID für Krankenkassen wie AOK und Barmer beteiligt. Bestehende Dienste laufen noch bis Jahresende 2026, damit Kunden auf die staatliche Wallet wechseln können.

Bürokratieabbau: 600 Millionen Euro Entlastung pro Jahr

Parallel zur digitalen Identität hat das Bundeskabinett am 15. Juli 2026 weitere Maßnahmen beschlossen. Das Paket sieht jährliche Einsparungen von rund 600 Millionen Euro vor. Kernstück ist das Gesetz zur Modernisierung der Arbeitsförderung: Anträge bei Jobcentern sollen künftig digital möglich sein, die persönliche Meldepflicht kann per Videotelefonie entfallen. Ab Januar 2028 lässt sich Kurzarbeitergeld nur noch elektronisch beantragen.

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Im Gesundheitswesen soll das Digitalisierungsgesetz GeDIG bis 2029 rund 445 Millionen Euro einsparen – unter anderem durch den Ausbau der elektronischen Patientenakte (ePA) und die schrittweise Einführung der digitalen Arztüberweisung.

Akzeptanzhürden: Viele wollen, wenige können

Trotz aller Technik zeigt eine Bitkom-Umfrage Probleme in der Praxis. Zwar signalisieren 54 Prozent der Deutschen Interesse an der digitalen Wallet. Doch die Voraussetzungen fehlen oft: Nur 18 Prozent haben die Online-Funktion ihres Personalausweises aktiviert und kennen ihre PIN. Weitere 21 Prozent haben die Funktion zwar freigeschaltet, wissen die PIN aber nicht mehr.

Neben Ausweisdokumenten soll die künftige Wallet auch qualifizierte elektronische Signaturen und den digitalen Euro integrieren.

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