Digitale, Gesundheitswende

Digitale Gesundheitswende: Deutschland und Ă–sterreich treiben Vernetzung voran

19.05.2026 - 01:33:36 | boerse-global.de

Bundesregierung plant Medizinregistergesetz, AOK kritisiert vage Digitalisierungsvorgaben. Ă–sterreichs E-Rezepte boomen, Strategie fehlt.

Digitale Gesundheitswende: Deutschland und Ă–sterreich treiben Vernetzung voran - Foto: ĂĽber boerse-global.de
Digitale Gesundheitswende: Deutschland und Ă–sterreich treiben Vernetzung voran - Foto: ĂĽber boerse-global.de

Während die Bundesregierung mit einem neuen Medizinregistergesetz die Forschungsdatenlandschaft revolutionieren will, kämpfen Krankenkassen um klare Regeln für die digitale Praxis. In Österreich zeigt der Rekord bei E-Rezepten: Die Technik funktioniert – doch die Strategie hinkt hinterher.

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Neues Gesetz: Deutschlands zersplitterte Medizindaten sollen gebĂĽndelt werden

Die Bundesregierung hat Anfang dieser Woche den Entwurf für ein Medizinregistergesetz (Drucksache 21/5922) vorgelegt. Das Ziel: Schluss mit dem Flickenteppich. Über 350 verschiedene medizinische Register existieren derzeit in Deutschland – jedes mit eigenen rechtlichen und technischen Standards. Für die Forschung war das lange ein Bremsklotz.

Der Gesetzesentwurf sieht die Gründung eines Zentrums für Medizinregister (ZMR) vor, angesiedelt beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Die Behörde soll einheitliche Standards schaffen, Datenverknüpfungen ermöglichen und gleichzeitig den Datenschutz wahren.

Besonders brisant: Für qualifizierte Register ist ein vereinfachtes Opt-out-Verfahren geplant. Patienten müssen dann nicht mehr aktiv zustimmen, sondern können der Nutzung ihrer Daten einfach widersprechen. Das könnte die Datenbasis für Forscher massiv vergrößern – ohne die Rechte der Patienten zu untergraben.

AOK kritisiert: Digitalisierungsgesetz bleibt zu vage

Doch während die Regierung nach vorne prescht, bremst die größte Krankenkassengruppe des Landes. Der AOK-Bundesverband hat am 18. Mai offiziell zum Entwurf des Gesundheitsdigitalisierungsgesetzes (GeDIG) Stellung genommen. Dr. Carola Reimann, Vorständin des Verbandes, lobt zwar die Grundrichtung – fordert aber Nachbesserungen an entscheidenden Stellen.

Der Knackpunkt: Paragraph 360b, der die digitale Bedarfsermittlung regelt. Aus Sicht der AOK bleibt die Formulierung viel zu schwammig. „Es fehlen konkrete Umsetzungsschritte und verbindliche Vorgaben", so der Tenor. Ohne klare Leitplanken drohe ein Flickwerk – je nach Region oder Kasse.

Auch die Rolle der gematik, der nationalen Digitalagentur des Gesundheitswesens, sorgt für Diskussionen. Die AOK sieht die geplante Aufgabenerweiterung kritisch. Mehr Macht für die Behörde? Nur mit klarerem Auftrag und mehr Transparenz, fordert der Verband. Sonst drohe ein bürokratische Monstrum statt schlanker Digitalisierung.

Österreich: 100 Millionen elektronische Aufträge pro Jahr – aber keine Strategie

Österreich zeigt, wie die digitale Gesundheitsversorgung im Massenbetrieb aussieht. Die Plattform für Digitale Gesundheit (PDG) präsentierte Mitte Mai auf ihrem eHealth-Frühstück beeindruckende Zahlen: Rund 100 Millionen elektronische Aufträge und 6 Millionen E-Rezepte werden jährlich verarbeitet.

Doch die Branche ist unzufrieden. Der Vorwurf: Es fehlt an zentraler Steuerung. Die PDG fordert eine Art „Krankenhaus-Zukunftsgesetz für alle" – einheitliche Regeln, die digitale Projekte über Ländergrenzen und Krankenhausträger hinweg synchronisieren. Ohne eine solche „Roadmap" drohten digitale Insellösungen, die den Effizienzgewinn der E-Rezepte wieder zunichte machen.

Digitale Plattformen für medizinisches Cannabis – und die Schattenseiten

Der digitale Wandel schafft auch Nischenmärkte. Seit dem 18. Mai mehren sich Berichte über spezialisierte Plattformen für medizinisches Cannabis auf Rezept. Die Dienste versprechen schnellere Termine, kürzere Wartezeiten und mehr Diskretion – ein Geschäftsmodell, das von strengen Datenschutz- und Prüfprotokollen lebt.

Doch die Kehrseite der Digitalisierung wird ebenfalls sichtbar. Am selben Tag veranstaltete WHO/Europa ein Webinar zur Chancengleichheit in der digitalen Gesundheit. Die Ergebnisse sind ernĂĽchternd: Menschen mit Sprachbarrieren oder komplexen chronischen Erkrankungen fallen oft durchs Raster.

Die WHO warnt: Digitale Gesundheit dürfe nicht zur neuen Quelle sozialer Ungleichheit werden. Ihr Aktionsplan 2023–2030 fordert strengere Regeln und regelmäßige Prüfungen digitaler Tools – damit sie für alle funktionieren, unabhängig von Sprachkenntnissen oder digitaler Kompetenz.

Was die Entwicklung fĂĽr den Markt bedeutet

Die Ereignisse Mitte Mai 2026 zeigen ein zwiespältiges Bild. Die technische Basis – E-Rezepte, digitale Patientenakten – läuft inzwischen im Millionenmaßstab. Doch der ordnungspolitische Rahmen hinkt hinterher.

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Der Streit zwischen Bundesregierung und AOK zeigt: Schnelle Gesetze allein reichen nicht. Es braucht praxistaugliche Regeln, die Ärzte, Kassen und Patienten gleichermaßen mitnehmen. Das Medizinregistergesetz könnte hier zum Lackmustest werden: Gelingt der Spagat zwischen Forschungsinteresse und Datenschutz?

Für die kommenden Monate zeichnet sich ab: Die reine Technik-Umsetzung ist Geschichte. Jetzt geht es um strategisches Management digitaler Ökosysteme. Ob in Deutschland mit der gematik oder in Österreich mit einer nationalen E-Health-Roadmap – die Frage ist nicht mehr, ob digitalisiert wird, sondern wie.

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