Digitale Gewalt: Kaspersky warnt vor Stalkerware bei 34.000 Nutzern
18.06.2026 - 15:07:27 | boerse-global.de
Das zeigt eine neue Studie des Cybersicherheitsunternehmens Kaspersky. Indien trÀgt dabei die schwerste Last im asiatisch-pazifischen Raum.
Laut der Untersuchung von 7.600 Befragten aus 19 LĂ€ndern â darunter 400 aus Indien â wurden allein in Indien 2.370 eindeutige GerĂ€te identifiziert, die mit Stalkerware infiziert waren. 2.148 dieser FĂ€lle stammen aus dem Jahr 2024, weitere 264 wurden in den ersten Monaten 2025 registriert. Mit durchschnittlich 3,4 verschiedenen Formen digitaler Ăbergriffe pro Person weist Indien den höchsten Wert in der gesamten Region auf.
Die hÀufigsten Formen digitaler Gewalt
Anzeige: Fast die HĂ€lfte aller Erwachsenen hat digitale Gewalt erlebt, doch nur wenige erkennen Stalkerware auf dem eigenen GerĂ€t. Mit diesem kostenlosen Guide finden Sie in 5 Minuten heraus, ob Sie betroffen sind â und wie Sie sich schĂŒtzen. Schutz-Guide jetzt kostenlos anfordern
Die Bandbreite der Ăbergriffe ist erschreckend. 34 Prozent der indischen Befragten berichten von Streitigkeiten in Gruppenchats, 27 Prozent von beleidigenden Nachrichten. Besonders auffĂ€llig: Digitales Stalking betrifft in Indien 21 Prozent der Teilnehmer â mehr als doppelt so viele wie im globalen Durchschnitt von neun Prozent.
Doch damit nicht genug: Deepfakes, Doxxing und Rachepornos betreffen jeweils zwischen 12 und 14 Prozent der befragten Inder. Weltweit identifizierten Kaspersky-Forscher mehr als 34.000 Nutzer, die zwischen 2024 und 2025 von Stalkerware betroffen waren. Ăber fĂŒnf Jahre summiert sich die Zahl auf rund 127.000 Betroffene in mehr als 160 LĂ€ndern. Neben Indien sind Russland und Brasilien besonders stark betroffen.
GefĂŒhl der Unsicherheit wĂ€chst
Die Studie offenbart eine gefĂ€hrliche Kluft zwischen Bekanntheit und VerstĂ€ndnis des Problems. Zwar sind 88 Prozent der indischen Befragten mit dem Begriff âtech-enabled abuse" vertraut, doch nur 32 Prozent verstehen weltweit tatsĂ€chlich, was dahintersteckt. Die Folge: 52 Prozent der Inder fĂŒhlen sich online unsicher â bei Frauen steigt der Wert auf 62 Prozent.
Die Folgen digitaler Gewalt beschrĂ€nken sich selten auf den virtuellen Raum. Rund 34 Prozent der Opfer berichten von realen Konsequenzen wie sozialem RĂŒckzug, Jobverlust oder dem Verlassen von Bildungseinrichtungen. 79 Prozent der Betroffenen erkannten psychische SchĂ€den wie Traumata oder Depressionen, 51 Prozent sehen ein Risiko der physischen Eskalation.
Besonders alarmierend: Fast die HĂ€lfte der TĂ€ter stammt aus dem unmittelbaren sozialen Umfeld der Opfer. Dennoch ergriffen 22 Prozent der Betroffenen keinerlei MaĂnahmen nach einem Vorfall.
KI treibt Eskalation voran
Die zunehmende Integration kĂŒnstlicher Intelligenz verschĂ€rft die Lage dramatisch. Eine separate Studie mit 16.000 Teilnehmern aus zehn LĂ€ndern ergab, dass 14,5 Prozent der Erwachsenen bereits Opfer von Sextortion wurden. KI-gestĂŒtzte Werkzeuge wie Deepfake-Generatoren und spezielle âNudify"-Software machen diese Methoden fĂŒr TĂ€ter immer zugĂ€nglicher.
Ein aktueller Bericht von INTERPOL fĂŒr den asiatisch-pazifischen Raum untermauert diesen Trend: Die Diskussionen ĂŒber Deepfakes in Cybercrime-Foren stiegen zwischen Februar und Juni 2024 um 600 Prozent. In mehreren LĂ€ndern der Region macht CyberkriminalitĂ€t inzwischen bis zu 30 Prozent aller gemeldeten Straftaten aus.
Parallel dazu nehmen auch professionelle Cyberbedrohungen zu. Die Analyse von fĂŒnf Millionen Log-Dateien aus dem Darknet zeigt: Infostealer-Infektionen stiegen 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 59 Prozent. Zudem wurde ein massiver Angriff auf rund 75.000 Fortinet-Firewall- und VPN-GerĂ€te gemeldet, von dem die USA, Taiwan und Indien am stĂ€rksten betroffen sind.
Anzeige: KI-gestĂŒtzte Deepfakes und Sextortion nehmen rasant zu â 14,5 % der Erwachsenen sind bereits Opfer. Unser Notfallplan zeigt Ihnen, was Sie sofort tun können, wenn digitale Gewalt Ihr Leben bedroht. Notfallplan bei digitaler Gewalt sichern
Gesetzgeber reagieren
Die Politik beginnt zu handeln. Erst Anfang dieser Woche wies der indische Innenminister die Modernisierung der nationalen Cybercrime-Hotline an â inklusive KI-Integration. Ziel ist die automatische Bearbeitung unbeantworteter Beschwerden und die Verbesserung eines GeldrĂŒckholmechanismus, von dem bereits rund 100.000 BĂŒrger profitiert haben.
Auch in Europa tut sich etwas: Das deutsche Bundesjustizministerium hat kĂŒrzlich einen Gesetzesentwurf vorgelegt, der den Schutz vor digitaler Gewalt stĂ€rken soll. Die geplante Regelung setzt die EU-Richtlinie 2024/1385 um und fĂŒhrt neue StraftatbestĂ€nde fĂŒr bildbasierte sexuelle Nötigung, tĂ€uschende Inhalte und unbefugte Ăberwachung ein. Opfer sollen zudem das Recht erhalten, gerichtlich die Offenlegung der IdentitĂ€t von TĂ€tern und die Sperrung von Konten bei in Deutschland tĂ€tigen Dienstanbietern zu erwirken.
