Digitale, Kluft

Digitale Kluft: Nur 7,4% der Senioren erhalten formale Schulung

Veröffentlicht am: 27.07.2026 um 21:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nur 7,4 Prozent der Senioren im asiatisch-pazifischen Raum haben eine formale digitale Schulung. KI und spezielle Hardware sollen die Lücke schließen.

UN-Bericht: Digitale Bildung für Senioren in Asien bleibt Mangelware
Eine ältere Person nutzt ein Tablet in einer hellen, modernen Wohnumgebung. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Ein aktueller Bericht der UN ESCAP verdeutlicht die Herausforderungen bei der Integration älterer Menschen in die digitale Gesellschaft. Den am 27. Juli 2026 veröffentlichten Daten zufolge verfügten lediglich 7,4 % der Senioren im asiatisch-pazifischen Raum über eine formale digitale Schulung. Die große Mehrheit der älteren Bevölkerung ist bei der Aneignung technologischer Kompetenzen auf informelle Hilfe angewiesen; zwei Drittel der Befragten gaben an, digitale Fähigkeiten innerhalb der Familie erlernt zu haben.

Regionale Strategien und die Rolle der künstlichen Intelligenz

Um die digitale Kluft zu überbrücken, setzen verschiedene Länder auf gezielte Förderprogramme und technologische Anpassungen. In Vietnam plant die Regierung bis zum Jahr 2035 den Aufbau von 12.000 sogenannten „Intergenerational Self-Help Clubs“, während China verstärkt auf die Modifizierung von Apps setzt, um diese seniorenfreundlicher zu gestalten. Dass diese Maßnahmen Wirkung zeigen, belegen Einzelbeispiele wie das der 90-jährigen Ratnam Periowsamy aus Singapur, die ihre über die Tsao Foundation erworbenen digitalen Kenntnisse aktiv im Alltag nutzt.

In Vietnam zeigt sich zudem ein verstärkter Einsatz von künstlicher Intelligenz (KI) durch Privatpersonen. Berichten zufolge nutzt die 70-jährige Nguyen Thi Hue die KI-Anwendung Gemini zur Erstellung von Diätplänen bei Diabetes, während der 73-jährige Pham Dinh Trinh mithilfe von ChatGPT den Umgang mit seinem Smartphone erlernt. Auch für Menschen mit Sehbehinderungen bietet die Technologie Unterstützung: So greift die ebenfalls 73-jährige Nguyen Thi Ngoc Lan auf KI-Tools zurück, um Texte zu lesen.

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Innovative Hardware-Lösungen für den Pflegealltag

Neben Software-Lösungen rücken spezialisierte Hardware-Entwicklungen in den Fokus. Der Schüler Kai Gould von der australischen Sunshine Coast entwickelte die „MedClock“-Smartwatch, die den Anstieg der Wartelisten in der Altenpflege adressiert. Im Mai 2026 wurde dort ein Zuwachs der Anträge um 35 % verzeichnet. Die Uhr erinnert an die Medikamenteneinnahme und sendet eine Nachricht an eine Kontaktperson, falls eine Bestätigung ausbleibt. Ein Seniorenheim erwarb bereits 11 Einheiten für einen Testlauf.

Ein weiteres Beispiel für technologische Hilfsmittel ist ein mit KI ausgestatteter intelligenter Gehstock des Unternehmens Lgenie, der eine Reaktionslatenz von etwa 400 Millisekunden aufweist und Sprachinteraktionen im Freien ermöglicht. Xiao Dong Feng von der Firma Agora betonte, dass KI Pflegekräfte ergänzen solle, insbesondere da auf den Philippinen bis 2030 ein Anstieg des Anteils der über 60-Jährigen auf mehr als 10 % der Bevölkerung erwartet wird.

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Kommunale Initiativen und institutionelle Pflege

In Südkorea startete die Provinz Nord-Gyeongsang in Chilgok-gun ein IKT-basiertes System, das 77 Seniorenzentren vernetzt. Bürgermeister Kim Jae-wook erklärte, das System verbinde Kerngebiete mit ländlichen Dörfern und ermögliche Fern-Gesundheitsdienste sowie Sicherheitserziehung. In Großbritannien genehmigte der West Northamptonshire Council eine fünfjährige Strategie für technologiegestützte Pflege, die unter anderem Sturzsensoren und GPS-Tracking umfasst. Councillor Laura Couse unterstrich dabei, dass Technologie die Pflege verbessere, die menschliche Zuwendung jedoch nicht ersetzen könne.

Die indische Plattform Anvayaa Kin Care, die ihr zehnjähriges Bestehen feiert, unterstützt mittlerweile 1,5 Lakh Senioren in 38 Städten. Das Unternehmen leistete mehr als 80 Lakh Stunden häusliche Pflege und meldete eine Lebensrettungsrate von 97 % bei über 5.000 Notfällen. Parallel dazu startete das LA Department of Aging am 25. Juli 2026 ein Pilotprojekt für rund 200 Senioren, bei dem Freiwillige zweiwöchentlich Hilfe bei Videoanrufen und Behördengängen leisten.

Trotz des Fortschritts bleiben Hürden bestehen. In Pretoria (Südafrika) berichten Senioren weiterhin von Schwierigkeiten mit komplexen Websites und Passwortverwaltungen, was die Abhängigkeit von Angehörigen verstärkt. Zudem warnen Experten wie der Suchtspezialist Munidasa Winslow vor den Risiken einer unerkannten Bildschirmsucht bei Senioren, die reale soziale Kontakte verdrängen könne.

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