Digitalwirtschaft, ArbeitsplÀtze

Digitale Wirtschaft ĂŒbertrifft Automobilindustrie deutlich: Studie zeigt 15 Millionen Jobs und starken Mittelstand

Veröffentlicht am: 16.09.2026 um 05:00 Uhr | dpa, AD HOC NEWS

Eine neue Untersuchung des Branchenverbands BVDW und des Instituts ISTARI.AI zeigt: Digitale GeschÀftsmodelle tragen inzwischen mehr zur Wirtschaftsleistung Deutschlands bei als die Automobilindustrie und sichern Millionen ArbeitsplÀtze. Die Studie betont vor allem die Rolle des Mittelstands.

Die Digitalwirtschaft stellt traditionelle Industriezweige mittlerweile deutlich in den Schatten. (Archivbild) - Bild: Matthias Bein/dpa
Die Digitalwirtschaft stellt traditionelle Industriezweige mittlerweile deutlich in den Schatten. (Archivbild) - Bild: Matthias Bein/dpa

Digitale GeschÀftsmodelle tragen inzwischen deutlich stÀrker zur Wirtschaftsleistung in Deutschland bei als die traditionelle Automobilindustrie und sichern Millionen ArbeitsplÀtze.

Studie sieht Digitalwirtschaft als zentralen Wachstumspfeiler

Die Digitalwirtschaft habe sich zu einem der stÀrksten wirtschaftlichen Pfeiler in Deutschland entwickelt und stelle klassische Industriezweige klar in den Schatten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung des Bundesverbands Digitale Wirtschaft (BVDW) und des Mannheimer Forschungsinstituts ISTARI.AI. Demnach erwirtschaftet die Digitalwirtschaft hierzulande eine jÀhrliche Bruttowertschöpfung von 481,5 Milliarden Euro, was einem Anteil von 11,91 Prozent an der gesamten deutschen Wirtschaftsleistung entspricht.

GrĂ¶ĂŸerer Beitrag als die Automobilindustrie

Damit wiegt das digitale Segment volkswirtschaftlich mehr als doppelt so schwer wie die deutsche Leitbranche Automobilbau. Deren Anteil an der Bruttowertschöpfung liegt nach Daten des Statistischen Bundesamtes ĂŒblicherweise bei rund 4,5 bis 5 Prozent. Werden neben den digitalen Kernbereichen auch Unternehmen klassischer Sektoren mit einbezogen, die sich bereits tiefgreifend digital transformiert haben, summiert sich die digital geprĂ€gte Wertschöpfung auf ĂŒber 1,01 Billionen Euro. Das entspricht mehr als einem Viertel der gesamten Wirtschaftsleistung der Bundesrepublik.

Umfassende Analyse von 1,4 Millionen Firmen

FĂŒr den Report analysierten die Forscher die WebprĂ€senzen und GeschĂ€ftsaktivitĂ€ten von rund 1,4 Millionen Unternehmen. Ziel war es, diese unabhĂ€ngig von oftmals veralteten statistischen Branchencodes nach ihrer tatsĂ€chlichen wirtschaftlichen TĂ€tigkeit einzustufen. Die digitale Wirtschaft umfasst nach dieser Methode rund 229.000 Unternehmen. Davon zĂ€hlen 63.000 Betriebe mit rein digitalen Produkten wie Software oder Plattformen zur digitalen Kernwirtschaft, die rund 192 Milliarden Euro Bruttowertschöpfung erzielen.

Digitale GeschÀftsmodelle und transformierte Branchen

Weitere 166.000 Unternehmen mit digital getriebenen GeschĂ€ftsmodellen, etwa im reinen Online-Handel, steuern knapp 289 Milliarden Euro bei. Werden zusĂ€tzlich 124.000 digitalisierte Betriebe aus klassischen Branchen berĂŒcksichtigt, betreibt fast jedes vierte Unternehmen in Deutschland digitale Wertschöpfung. Auf diese Weise zeigt die Studie, wie tief digitale Prozesse und Produkte inzwischen in die Breite der Unternehmenslandschaft vorgedrungen sind.

Mittelstand prÀgt die digitale Wirtschaft

Zugleich widerspricht die Untersuchung dem verbreiteten Bild, die Digitalwirtschaft bestehe vor allem aus marktbeherrschenden US-Konzernen. Rund 95 Prozent der erfassten Firmen seien kleine und mittlere Unternehmen, womit der Sektor stark mittelstÀndisch geprÀgt sei. Zudem sicherten der digitale Kern und digital getriebene GeschÀftsmodelle rund neun Millionen ArbeitsplÀtze; unter Einbezug der transformierten Branchen seien es sogar mehr als 15 Millionen Jobs.

Forderung nach neuer digitaler Wirtschaftspolitik

Vor dem Hintergrund der Ergebnisse fordert BVDW-PrĂ€sident Dirk Freytag eine politische Neuausrichtung. Digitalpolitik mĂŒsse als Wirtschaftspolitik verstanden werden, da digitale Wertschöpfung die Basis kĂŒnftiger WettbewerbsfĂ€higkeit bilde. Deutschland brauche aus seiner Sicht bessere Rahmenbedingungen fĂŒr Datennutzung, Skalierung und Investitionen, um das Potenzial des digitalen Sektors vollstĂ€ndig ausschöpfen zu können.

Digitalwirtschaft als neuer Wachstumstreiber

Die Zahlen des Branchenverbands BVDW und des Forschungsinstituts ISTARI.AI markieren einen deutlichen Strukturwandel in der deutschen Wirtschaft. Wenn digitale GeschĂ€ftsmodelle bereits knapp zwölf Prozent der gesamten Bruttowertschöpfung stellen und die Automobilindustrie damit mehr als doppelt ĂŒbertreffen, verschiebt sich das Zentrum der wirtschaftlichen StĂ€rke weg von klassischen Industrieclustern hin zu Software, Plattformen und datengetriebenen Diensten. FĂŒr ein Land, das lange am industriellen Exportmodell hing, ist dies eine strategische ZĂ€sur.

Vom NischenphÀnomen zur Breitenanwendung

Bemerkenswert ist vor allem die Breite des digitalen Aufschwungs. Die Untersuchung erfasst nicht nur reine Tech-Firmen, sondern auch digital getriebene GeschÀftsmodelle und tiefgreifend transformierte Unternehmen in traditionellen Branchen. Dadurch wird sichtbar, wie stark E-Commerce, Cloud-Services, industrielle Plattformen und datenbasierte Services inzwischen in den Alltag von Unternehmen eingezogen sind. Die Feststellung, dass fast jedes vierte Unternehmen digitale Wertschöpfung betreibt, unterstreicht, dass Digitalisierung lÀngst kein Randthema mehr ist, sondern zum neuen Normal der deutschen Unternehmenslandschaft geworden ist.

Politische Konsequenzen und WettbewerbsfÀhigkeit

Vor diesem Hintergrund gewinnt die Forderung des BVDW nach einer Digitalpolitik als Wirtschaftspolitik an Gewicht. Wenn ĂŒber 15 Millionen ArbeitsplĂ€tze an digitalen GeschĂ€ftsmodellen hĂ€ngen, stehen Fragen der Regulierung von Daten, der Förderung von Skalierung und der Finanzierung von Wachstumsunternehmen nicht mehr nur im Kontext von „Innovation“, sondern im Kern der BeschĂ€ftigungs- und Standortpolitik. Die starke PrĂ€gung durch kleine und mittlere Unternehmen zeigt zugleich, dass Investitionszugang, digitale Infrastruktur und Qualifizierung im Mittelstand darĂŒber entscheiden dĂŒrften, ob Deutschland diese neue StĂ€rke festigen oder im globalen Wettbewerb verliert.

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