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Digitaler Nachlass: Hamburger Gabenzaun plant App-Test an zwei Standorten

Veröffentlicht am: 27.09.2026 um 15:00 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine mehrsprachige App und NFC-Armbänder sollen persönliche Dokumente und Notfallkontakte wohnungsloser Menschen sichern.

Hamburger Gabenzaun entwickelt digitale Nachlasshilfe für Obdachlose
Ein heller, minimalistischer Gemeinschaftsraum mit Holzbänken und sanftem Lichteinfall in einer sozialen Einrichtung. Illustration mit AI erstellt.

Die Frage, welche persönlichen und digitalen Spuren ein Leben auf der Straße hinterlässt, rückt zunehmend in den Fokus sozialer Arbeit. Ein aktuelles Projekt des Vereins Hamburger Gabenzaun untersucht in diesem Zusammenhang, wie der digitale Nachlass von obdachlosen Menschen strukturiert und gesichert werden kann.

Ziel ist es, Betroffenen die Möglichkeit zu geben, wichtige Dokumente und persönliche Informationen für den Ernstfall oder die Hinterbliebenen zugänglich zu machen.

Technologische Umsetzung und digitale Infrastruktur

Für die Organisation des digitalen Erbes kommt eine spezialisierte App zum Einsatz, deren technische Umsetzung durch ein Unternehmen aus Lüneburg realisiert wurde. Die Anwendung ist mehrsprachig konzipiert, um der Diversität der Nutzer gerecht zu werden. Ein wesentliches Merkmal des Konzepts ist die Niedrigschwelligkeit: Die Nutzer benötigen kein eigenes Smartphone. Die Dateneingabe erfolgt direkt in einer Anlaufstelle für Obdachlose vor Ort.

Innerhalb der App können Dokumente sicher abgelegt werden. Ergänzt wird dieses System durch ein NFC-Armband. Auf diesem Speichermedium werden minimale Datensätze hinterlegt, die im Notfall für die Polizei oder Rettungskräfte von Bedeutung sind.

Dazu gehört insbesondere der Kontakt einer Vertrauensperson. Laut Berichten vom September 2026 dient diese Lösung dazu, in Krisensituationen schnell handlungsfähig zu sein und den Willen der Betroffenen zu wahren.

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Soziale Relevanz und individuelle Beweggründe

Die Notwendigkeit solcher Angebote spiegelt sich in der Frequentierung der sozialen Einrichtungen wider. Die betreffende Anlaufstelle verzeichnet wöchentlich zwischen 40 und 50 Gäste.

Während die Zahl früher stabil bei etwa 40 Personen lag, beobachten die Verantwortlichen nun regelmäßig eine Auslastung von über 50 Personen pro Woche. Der Sozialarbeiter Michael Finnern, der seit gut zwei Jahren für den über Spenden finanzierten Verein tätig ist, betreut die Umsetzung des Projekts.

Einzelschicksale verdeutlichen die Motivation hinter der digitalen Vorsorge. So möchte etwa der 53-jährige Klaus, der seit dem Jahr 2024 wohnungslos ist, seinen Nachlass mithilfe der neuen Technologie für seine Kinder regeln.

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Das Projekt ermöglicht es Menschen in prekären Lebensverhältnissen, über den Tod hinaus Kontrolle über ihre Biografie und ihre persönlichen Dokumente zu behalten, was in der klassischen Obdachlosenhilfe bisher oft unberücksichtigt blieb.

Testphase und geplante bundesweite Ausweitung

Das System befindet sich derzeit in einer Erprobungsphase. Wie aus Medienberichten hervorgeht, ist der offizielle Start für den Spätherbst an zwei Standorten in Hamburg geplant. Dort soll die Anwendung unter Realbedingungen getestet werden, bevor weitere Schritte eingeleitet werden.

Die Ambitionen des Projekts reichen jedoch über die Grenzen der Hansestadt hinaus. Mittelfristig verfolgen die Initiatoren das Ziel, eine bundesweite Nutzung der App und der dazugehörigen Infrastruktur zu ermöglichen. Damit könnte ein einheitlicher Standard für den Umgang mit dem digitalen Nachlass in der Wohnungslosenhilfe geschaffen werden, der sowohl den Datenschutz als auch die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen berücksichtigt.

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