Digitaler Nachlass: Wie Apple und Google Erben Zugriff gewähren
27.06.2026 - 02:10:00 | boerse-global.de
Sie bestehen fort – und laufende Abonnements können für Hinterbliebene zur finanziellen Falle werden. Wer nicht vorsorgt, zwingt seine Erben zu monatelangen Behördengängen.
Rechtliche Grundlagen: Was gilt in Österreich und Deutschland?
In Österreich treten Erben gemäß § 547 ABGB automatisch in die Rechtsstellung des Verstorbenen ein. Das umfasst auch den digitalen Nachlass – also Zugänge zu iCloud, Google Drive oder sozialen Netzwerken. Doch ohne explizite Vorsorge wird der Zugriff zur Geduldsprobe.
Fachleute beziffern die Bearbeitungszeit für Anfragen bei großen Plattformen wie Google auf sechs bis zwölf Wochen. Voraussetzung: ein Antrag mit Sterbeurkunde. Fehlt eine Vorsorgefunktion, kann sogar ein Gerichtsbeschluss nötig sein – besonders bei verschlüsselten Daten.
Ein Urteil des österreichischen Bundesverwaltungsgerichts vom 30. Januar 2026 sorgt hier für Klarheit. Demnach können Auskunftsansprüche nach der DSGVO auch über Self-Service-Portale erfüllt werden – sofern die Daten in einem gängigen Format wie PDF bereitstehen. Die Entscheidung gilt als richtungsweisend für die gesamte EU.
Vorsorge bei Apple, Google & Co.: Diese Funktionen gibt es
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Apple bietet seit iOS 15.2 die Einrichtung eines Nachlasskontakts. Mit einem speziellen Zugangscode und der Sterbeurkunde erhalten Vertrauenspersonen Zugriff auf iCloud-Daten. Ausgenommen: der Passwort-Schlüsselbund des Verstorbenen.
Google stellt den „Inactive Account Manager“ bereit. Nach drei bis 18 Monaten Inaktivität gibt das Tool automatisch Daten an Vertrauenspersonen frei oder leitet die Löschung ein. Ohne Vorsorge beantragen Erben einen Datenexport via Google Takeout.
Facebook und Instagram bieten zwei Optionen: dauerhafte Löschung oder Umwandlung in einen Gedenkzustand. Microsoft hingegen hat keinen automatisierten Prozess – der Support muss unter Vorlage der Sterbeurkunde kontaktiert werden.
Steuerliche Fallstricke: Was Erben beachten sollten
Neben dem Datenzugriff spielen steuerliche Kosten eine Rolle. Der Bundesfinanzhof traf im Frühjahr 2026 zwei relevante Entscheidungen. Am 22. Mai urteilte das Gericht: Rechtsanwaltskosten aus Erbauseinandersetzungen können als Nachlassverbindlichkeiten steuerlich abziehbar sein. Eine weitere Entscheidung vom 18. Juni befasste sich mit abweichender Steuerfestsetzung aus Billigkeitsgründen.
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Die Erbschaftsteuer-Freibeträge in Deutschland bleiben 2026 stabil: Kinder erben bis zu 400.000 Euro steuerfrei, Enkelkinder bis zu 200.000 Euro. In den USA wurden die Freibeträge für das laufende Jahr angepasst.
Das Finanzgericht Düsseldorf bestätigte im Mai 2026: Bei der Bewertung von Nachlassgegenständen hat der tatsächliche Verkaufswert Vorrang vor einem Gutachten.
Praxistipps: So entlasten Sie Ihre Hinterbliebenen
Passwort-Manager sind der einfachste Weg, Zugangsdaten zentral zu verwalten und für den Notfall freizugeben. Zudem sollten digitale Konten explizit in Vorsorgevollmachten aufgenommen werden.
Bis Dezember 2026 sind alle EU-Mitgliedsstaaten verpflichtet, eine digitale Identität (EUDI-Wallet) auszugeben. Sie soll langfristig die Interaktion mit Behörden und Unternehmen vereinfachen.
Apple testet Ende Juni 2026 verstärkt KI-Funktionen in der Passwortverwaltung, um schwache Kennwörter besser zu identifizieren. Google hat mit Android 17 die Übertragung sensibler Daten wie Passkeys und WLAN-Informationen beim Betriebssystemwechsel vereinfacht.
