Digitales Stalking: Hilfsanfragen in UK um 62 Prozent gestiegen
Veröffentlicht: 07.07.2026 um 17:55 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Günstige Ortungsgeräte und smarte Wearables werden systematisch für Überwachung missbraucht – und der Gesetzgeber kommt kaum hinterher.
Die stille Gefahr im Kinderrucksack
Hilfsorganisationen schlagen Alarm: Immer häufiger nutzen Täter kostengünstige GPS-Tracker, um ihre Opfer zu verfolgen. Die Geräte sind erschreckend billig – ein Set mit vier Stück kostet umgerechnet weniger als zwei Euro. Sie werden in Schuhen, Schulranzen oder Spielzeugen versteckt, manchmal sogar in die Innenfutter von Taschen eingenäht.
Doch nicht nur Hardware kommt zum Einsatz. Auch Spionagesoftware auf Smartphones und geteilte Online-Konten dienen der Kontrolle. Die Sicherheit von Frauenhäusern und Schutzwohnungen steht auf dem Spiel, warnen Kriseninterventionsdienste. Die Polizei sieht bislang zwar keinen sprunghaften Anstieg – doch die Dunkelziffer dürfte hoch sein.
Wenn die Brille zur Kamera wird
Mit der Markteinführung günstigerer Datenbrillen Ende Juni 2026 wachsen die Sorgen. Während Apple-Produkte wie AirTags zumindest Warnfunktionen bei unerwünschter Ortung bieten, fehlen solche Schutzmechanismen bei vielen neuen KI-gestützten Wearables.
Die Aufnahmefunktionen sind diskret, die LED-Anzeigen kaum sichtbar. Zwar reicht der Akku derzeit nur für weniger als eine Stunde Daueraufnahme – doch das Potenzial für Missbrauch ist enorm. Experten fordern „Safety-by-Design“: hörbare Auslösegeräusche oder Kameras, die sich physisch abnehmen lassen.
Die Zahl der Hilfsanfragen wegen digitalen Stalkings ist in UK um 62 Prozent gestiegen – und Täter nutzen immer häufiger günstige GPS-Tracker und Spionagesoftware. Mit unserer Checkliste erkennen Sie versteckte Tracker und prüfen Ihr Smartphone auf Spyware. Jetzt kostenlose Sicherheits-Checkliste anfordern
Wenn der Staat selbst überwacht
Der Missbrauch von Ortungstechnik beschränkt sich nicht auf Privatpersonen. Anfang Juli wurde in South Carolina ein ehemaliges Gemeindeoberhaupt angeklagt: Er soll mit Gemeindegeldern GPS-Tracker gekauft und illegal an Privatfahrzeugen angebracht haben.
Noch brisanter: Ein Bundesrichter in Maine kippte ein Urteil, nachdem herauskam, dass die Polizei über drei Jahre hinweg das Haus eines Verdächtigen über die Kamera eines Nachbarn überwachte – ohne richterliche Anordnung. Die Staatsanwaltschaft hatte dies verschwiegen. Nun drohen Verfahrensfehler und Verfassungsverstöße.
Internationale Gegenwehr formiert sich
Die Dimension des Problems zwingt zum Handeln. In Großbritannien verzeichnete die Organisation Refuge einen Anstieg der Hilfsanfragen um 62 Prozent binnen eines Jahres. Kritiker bemängeln, dass es an einem nationalen Koordinationsplan gegen digitale Stalking-Formen fehlt.
Neue Wearables wie Datenbrillen werden ab Juni 2026 zur Gefahr – denn diskrete Aufnahmefunktionen fehlen Schutzmechanismen. Erfahren Sie, wie Sie sich mit Safety-by-Design-Prinzipien schützen. Schutz-Guide für Wearables jetzt sichern
Erste Schutzmaßnahmen laufen an:
- Georgia (USA) startete ein Programm, das Opfern von Stalking eine Ersatz-Postadresse und verschlüsselte Wählerregistrierung bietet.
- Malaysia prüft die Einführung eines Registers für Gewalttäter.
- In der EU fordern Bürgerrechtler Aufklärung über den Einsatz von Spyware wie Pegasus, mit der Abgeordnete infiziert worden sein sollen.
Ein aktueller Mordprozess in San Diego zeigt die tödliche Realität: Die Anklage wirft dem Angeklagten vor, seine Frau vor ihrem Verschwinden mit Finanzkontrolle und Ortungstechnik systematisch terrorisiert zu haben.
