Digitalisierung, Deutschland

Digitalisierung: Deutschland fĂŒhrt bei 5G, fĂ€llt bei Glasfaser zurĂŒck

18.06.2026 - 04:30:57 | boerse-global.de

Der EU-Digitalisierungsbericht 2026 offenbart Deutschlands Spitzenposition bei 5G, aber große RĂŒckstĂ€nde bei Glasfaser und Verwaltung.

EU-Digitalbericht: Deutschlands 5G-StÀrke und Glasfaser-SchwÀche
Digitalisierung - Eine futuristische digitale Karte Europas mit leuchtenden Netzwerklinien und Datenpunkten, die technologische Infrastruktur und KonnektivitĂ€t visualisiert. 18.06.2026 - Bild: ĂŒber boerse-global.de

Juni 2026 zeigt ein gespaltenes Bild. Deutschland glĂ€nzt bei 5G, fĂ€llt aber bei Glasfaser und digitaler Verwaltung zurĂŒck. Die Schere zwischen technologischer Exzellenz und InfrastrukturlĂŒcken wird immer grĂ¶ĂŸer.

5G-Abdeckung top – Glasfaser Flop

Die 5G-Gesamtabdeckung liegt bei 99,47 Prozent – deutlich ĂŒber dem EU-Schnitt von knapp 97 Prozent. Doch der Schein trĂŒgt. Im leistungsstarken Frequenzband von 3,4 bis 3,8 GHz erreicht Deutschland nur 54,43 Prozent. Der EU-weite Durchschnitt liegt hier bei rund 75 Prozent.

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Noch dĂŒsterer sieht es beim Glasfaserausbau aus. Mit einer FTTP-Quote von 43,98 Prozent landet Deutschland auf dem vorletzten Platz in der EU. Der EU-Schnitt betrĂ€gt 74,13 Prozent. Und nur 25 Prozent der Haushalte nutzen diese AnschlĂŒsse ĂŒberhaupt.

Auch bei der digitalen Verwaltung hakt es. WĂ€hrend die EU bei BĂŒrgerdiensten 84,64 Punkte erreicht, kommt Deutschland auf magere 78,11 Punkte. Besonders krass: Die Online-Ausweisfunktion (eID) nutzen gerade mal 15 Prozent der Deutschen – EU-Schnitt: 52 Prozent.

Digitale SouverÀnitÀt: Deutschland und Frankreich gehen voran

Auf der Fachmesse VivaTech im Juni 2026 prĂ€sentierten Deutschland und Frankreich eine gemeinsame Definition digitaler SouverĂ€nitĂ€t. Ziel ist es, kritische AbhĂ€ngigkeiten von außereuropĂ€ischen Anbietern zu reduzieren.

Die Strategie umfasst sechs Dimensionen: Resilienz von Infrastrukturen, Datenschutz und der verstÀrkte Einsatz von Open-Source-Lösungen. Ein konkretes Beispiel ist die Partnerschaft zwischen SAP und dem KI-Spezialisten Mistral AI.

Die Politik fordert den Aufbau einer eigenen europĂ€ischen KI- und Cloud-Infrastruktur. Hintergrund sind kurzfristige Änderungen der Zugriffsbedingungen bei US-amerikanischen KI-Modellen. Digitalminister Wildberger betonte die Notwendigkeit einer nationalen Rechenzentrumsstrategie. Das Ziel: eine Vervierfachung der KI-KapazitĂ€ten bis 2030.

Milliarden-Investitionen zahlen sich aus

Die Mittel aus der europĂ€ischen Aufbau- und ResilienzfazilitĂ€t fließen zu rund 120,4 Milliarden Euro in digitale Ziele. Laut einer Studie des Joint Research Centre (JRC) vom 17. Juni 2026 rentiert sich das: Jeder investierte Euro soll bis 2030 eine Wertschöpfung von 1,50 Euro generieren.

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Der gesamtwirtschaftliche Effekt wird auf 219,2 Milliarden Euro geschĂ€tzt. Besonders das verarbeitende Gewerbe und IKT-Dienstleister dĂŒrften profitieren.

Parallel dazu treibt die EU die UnabhĂ€ngigkeit im Zahlungsverkehr voran. Der digitale Euro ist fĂŒr 2029 geplant. Damit soll die AbhĂ€ngigkeit von US-Bezahldiensten sinken, die derzeit ĂŒber 60 Prozent der Kartenzahlungen in der Eurozone abwickeln. Die Kosten fĂŒr die EinfĂŒhrung schĂ€tzt die EZB auf rund 1,3 Milliarden Euro. FĂŒr den Bankensektor liegen SchĂ€tzungen zwischen 4 und 30 Milliarden Euro.

FachkrĂ€ftemangel und Überregulierung bremsen den Fortschritt

Die Adoptionsrate von KĂŒnstlicher Intelligenz in EU-Unternehmen stieg 2025 um 48 Prozent auf rund 20 Prozent. Doch strukturelle HĂŒrden bleiben bestehen. Der Anteil von IT-FachkrĂ€ften liegt bei 5 Prozent – das Ziel fĂŒr 2030 ist 10 Prozent. In Deutschland wird zudem die geringe Frauen quote von unter 20 Prozent kritisiert.

Kritik kommt aus dem EuropĂ€ischen Parlament. Die Abgeordnete Svenja Hahn forderte in einem FAZ-Beitrag vom 17. Juni 2026 eine Kehrtwende. Sie kritisierte Überregulierung durch Gesetze wie den AI Act und die DSGVO sowie eine Marktfragmentierung, die Innovationen behindere.

Statt Subventionen und Abschottung seien eine Kapitalmarktunion sowie niedrigere Energie- und Arbeitskosten notwendig. Die Bevölkerung sieht das anders: Laut Eurobarometer betrachten 79 Prozent der EuropÀer die Digitalpolitik als Top-PrioritÀt.

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