Digitalkompetenz, Deutschen

Digitalkompetenz: 75% der Deutschen haben Probleme mit Online-Informationen

27.06.2026 - 15:50:45 | boerse-global.de

Studien belegen große Defizite bei digitalen Fähigkeiten in Bevölkerung und Unternehmen. Investitionen in Software bleiben international zurück.

Digitaltag 2026: Deutschland kämpft mit massiven IT-Kompetenzlücken
Digitalkompetenz - Menschen verschiedenen Alters nutzen gemeinsam digitale Geräte in heller, moderner Umgebung, Symbol für digitale Teilhabe und Lernen. 27.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Mehr als 2.500 Aktionen bundesweit sollten digitale Teilhabe fördern – doch Studien zeigen: Deutschland hat ein massives Kompetenzproblem.

Der siebte bundesweite Digitaltag am 26. Juni 2026 präsentierte lokale und regionale Fortschritte bei digitalen Dienstleistungen. Doch zeitgleich veröffentlichte Untersuchungen offenbaren erhebliche Defizite: sowohl bei der digitalen Kompetenz der Bevölkerung als auch bei den IT-Fähigkeiten in Unternehmen.

Fast drei Viertel der Deutschen haben Probleme mit Online-Informationen

Nach Daten des Digitalverbands Bitkom tun sich knapp drei Viertel der Deutschen schwer, wenn es um den Umgang mit Informationen im Netz geht. Der Verband betont: Solche Initiativen wie der Digitaltag bleiben unverzichtbar, um die digitale Grundbildung zu fördern.

Ein wichtiger Schritt für die digitale Governance erfolgte bereits am Vortag: Der Bundestag wählte Prof. Dr. Moritz Hennemann zum neuen Bundesbeauftragten für den Datenschutz und die Informationsfreiheit (BfDI). Er tritt die Nachfolge von Prof. Dr. Louisa Specht-Riemenschneider an, die aus gesundheitlichen Gründen ihr Amt bis zum 30. September 2026 niederlegt. Die Wirtschaft reagierte prompt: Branchenvertreter forderten einen innovationsfreundlichen Datenschutz. 63 Prozent der Unternehmen sehen die aktuellen Regeln als Hindernis für die Entwicklung Künstlicher Intelligenz.

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Große Lücken in Industrie und Bildung

Die Kluft zwischen technologischem Fortschritt und tatsächlicher Qualifikation wächst. Eine TÜV-Studie aus dem Jahr 2026 belegt: 56 Prozent aller deutschen Unternehmen klagen über erhebliche IT-Defizite bei ihren Mitarbeitern. Besonders betroffen sind große Firmen mit mehr als 250 Beschäftigten – hier geben 74 Prozent gravierende Qualifikationslücken zu. Den größten Schulungsbedarf gibt es in den Bereichen IT-Sicherheit und Künstliche Intelligenz.

Ähnlich sieht es im Bildungssektor aus. Der Microsoft AI in Education Report zeigt: 92 Prozent der Schüler und Bildungsexperten nutzen KI für schulische Aufgaben, doch eine formale Ausbildung fehlt. Rund 77 Prozent der Schüler und 53 Prozent der Lehrkräfte gaben an, keinerlei Unterweisung im Umgang mit diesen Technologien erhalten zu haben. Immerhin: 58 Prozent der Schulen bauen derzeit ihre KI-Kapazitäten aus oder planen dies. Neue KI-Tools für Bildungsplattformen sollen im dritten Quartal 2026 auf den Markt kommen.

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Regionale Leuchttürme: Vom Chatbot bis zur Ahnenforschung

Der Digitaltag zeigte auch, wo es bereits funktioniert:

  • St. Ingbert: Die Stadt war erstmals dabei und präsentierte digitale Verwaltungsleistungen – einen KI-Chatbot, Online-Anträge und digitale Identifikationsfunktionen.
  • Schwerin: Die WEMAG Group gewährte per Livestream Einblicke in ihr Rechenzentrum und thematisierte sichere Infrastruktur und regionale Anbindung.
  • Essen: Das Stadtarchiv stellte seine digitale Familienforschungsdatenbank vor. Rund 3.000 Anfragen gehen dort jährlich ein, 90 Prozent davon zur Ahnenforschung.
  • Dortmund: An der TU Dortmund startete ein Workshop den Auftakt zu einem Forschungsprojekt über die digitale Transformation in der Sozialwirtschaft.

Milliarden-Lücke bei Software-Investitionen

Neben den Qualifikationsdefiziten bereiten Ökonomen die geringen Investitionen Sorgen. Robin Winkler, Chefvolkswirt der Deutschen Bank, stellt fest: Deutschland investiert weniger als ein Prozent seiner Wirtschaftsleistung in Software. Zum Vergleich: Führende OECD-Staaten wie Schweden geben rund vier Prozent aus.

Die Bundesregierung reagiert offenbar mit einer groß angelegten KI-Offensive. Geplant ist die Anschaffung von 100.000 Grafikprozessoren (GPUs), um die nationale Rechenleistung massiv zu steigern. Experten halten solche Investitionen für überlebensnotwendig – nur so könne Deutschland Produktivitätsgewinne sichern und den Anschluss an die globale Digitalwirtschaft nicht verlieren.

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