Doomscrolling, Handy

Doomscrolling: 81% checken stündlich ihr Handy – Folgen für die Psyche

26.05.2026 - 09:30:34 | boerse-global.de

Ständiger Konsum von Krisenmeldungen fördert Ängste und Konzentrationsprobleme. Experten raten zu digitalen Auszeiten.

Doomscrolling: 81% checken stündlich ihr Handy – Folgen für die Psyche - Foto: über boerse-global.de
Doomscrolling: 81% checken stündlich ihr Handy – Folgen für die Psyche - Foto: über boerse-global.de

Das Phänomen „Doomscrolling“ rückt zunehmend in den Fokus von Wissenschaft und klinischer Praxis.

Die Kombination aus Algorithmen, menschlicher Biologie und globaler Krisendichte erzeugt eine Negativspirale mit massiven Folgen fĂĽr die psychische Gesundheit. Experten wie Prof. Christian Montag von der University of Macau analysieren die Mechanismen hinter diesem Verhalten.

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Warum wir uns von Negativnachrichten nicht lösen können

Unser Gehirn reagiert besonders sensibel auf Bedrohungen. Das lenkt die Aufmerksamkeit automatisch auf Gefahrenmeldungen, erklärt Montag. Plattformbetreiber nutzen das aus: Negative Inhalte erzielen höhere Interaktionsraten und werden bevorzugt angezeigt.

Das „Endless Scrolling“ sorgt dafür, dass der Konsum kein natürliches Ende findet. Eine Studie aus dem Iran und den USA belegt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Doomscrolling und existenziellen Ängsten.

Die Folgen sind messbar: Bereits zwei Wochen Verzicht auf mobiles Internet verbessern die Aufmerksamkeit spürbar. Die ständige Informationsflut beansprucht kognitive Ressourcen und schwächt die Konzentrationsfähigkeit.

Smartphone-Nutzung: Fast jeder checkt stĂĽndlich sein Handy

Eine Umfrage der IU Internationalen Hochschule unter 2.000 Befragten zeigt die digitale Durchdringung des Alltags. 81 Prozent kontrollieren stündlich ihr Smartphone oder Tablet. Bei den 16- bis 30-Jährigen sind es über 90 Prozent.

Fast jeder Zweite in dieser Altersgruppe leidet unter „Fear of Missing Out“ (FOMO) – der Angst, etwas zu verpassen. Der Druck ist enorm: 56,2 Prozent fühlen sich verpflichtet, auf Nachrichten zeitnah zu reagieren.

37 Prozent der Befragten verlieren durch digitale Unterbrechungen regelmäßig den Faden bei ihrer Arbeit. 44,3 Prozent fühlen sich durch die ständige Interaktion überfordert. Trotzdem wünscht sich mehr als die Hälfte, häufiger offline zu sein.

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Doomjobbing: Die neue Sucht am Arbeitsmarkt

Das zwanghafte Scrollen hat den Arbeitsmarkt erreicht. „Doomjobbing“ nennen Karriere-Coaches wie Phoebe Gavin das stundenlange Durchkämmen von Stellenanzeigen – getrieben von der Angst vor Arbeitsplatzverlust.

Statt gezielter Bewerbungen führt dieses Verhalten zu einem Gefühl der Machtlosigkeit. Die Zahlen belegen den Druck: In den USA entfielen Mitte 2025 durchschnittlich 250 Bewerbungen auf eine offene Stelle – dreimal mehr als 2017.

Eine Umfrage der Plattform Monster vom März 2026 zeigt: Fast die Hälfte der Arbeitssuchenden setzt auf Quantität statt Qualität. Das verstärkt die Frustration auf beiden Seiten.

Psychische Langzeitfolgen: Die Zahlen sind alarmierend

Die digitale Abhängigkeit korreliert mit einer Verschlechterung der globalen mentalen Gesundheit. Laut einer Studie im Fachmagazin Lancet hat sich die Zahl der Menschen mit psychischer Diagnose seit 1990 fast verdoppelt. 2023 waren es 1,2 Milliarden.

Seit 2019 stiegen Angststörungen um 47 Prozent, schwere Depressionen um 24 Prozent. Nur jeder elfte Patient mit schwerer Depression erhält eine minimal angemessene Therapie.

Besonders betroffen sind junge Menschen. Das Klinikum Nürnberg bietet seit April 2023 eine Sprechstunde für Mediensucht an und behandelte rund 80 Patienten. Laut Psychologe Philipp Martzog sind vor allem 14- bis 15-jährige Jungen betroffen, häufig mit Begleiterkrankungen wie ADHS oder Depressionen.

In der Rehaklinik Schönsicht in Berchtesgaden werden sechswöchige Programme für Jugendliche zwischen 12 und 17 Jahren angeboten. In Stichproben hatten zwei Drittel der betroffenen Jugendlichen den Schulbesuch bereits eingestellt.

Was gegen die digitale Erschöpfung hilft

Experten empfehlen einen bewussteren Umgang mit digitalen Medien. Der Nachrichtenkonsum sollte auf feste Zeiten begrenzt werden. Aktive Suche nach positiven Erlebnissen in der physischen Welt kann den Negativitätsbias des Gehirns ausgleichen.

Weniger Bildschirmzeit, besonders abends, verbessert die Schlafqualität und senkt das Stresslevel.

Unternehmen und Bildungseinrichtungen sind ebenfalls gefragt. Die Daten zeigen: Rein individuelle Lösungen reichen nicht. Digitale Auszeiten und Sensibilisierung für die Mechanismen der Aufmerksamkeitsökonomie sind notwendige Schritte.

Die Herausforderung wird sein, die Vorteile der digitalen Vernetzung zu erhalten – ohne die psychische Gesundheit der Nutzer zu gefährden.

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