US-Gesetz, Tiktok-Verkauf

US-Gesetz zu Tiktok-Verkauf nimmt Fahrt auf

21.04.2024 - 06:02:49 | dpa.de

Doppelt hĂ€lt besser: Erneut stimmen Demokraten und Republikaner fĂŒr ein Gesetz, das zur Verbannung von Tiktok in den USA fĂŒhren könnte. Nun hat es eine bessere Chance, schnell den Senat zu passieren.

  • Logo der TikTok-App. - Foto: Kiichiro Sato/AP/dpa
  • Tiktok droht eine Verbannung aus amerikanischen App Stores. - Foto: Robert Michael/dpa
Logo der TikTok-App. - Foto: Kiichiro Sato/AP/dpa Tiktok droht eine Verbannung aus amerikanischen App Stores. - Foto: Robert Michael/dpa

FĂŒr Tiktok wird es ernst: Ein US-Gesetz, das einen EigentĂŒmerwechsel bei der populĂ€ren Kurzvideo-App erzwingen soll, könnte in wenigen Tagen in Kraft treten. Tiktok droht dann eine Verbannung aus amerikanischen App Stores, wenn die App ein Jahr spĂ€ter weiter dem aktuellen Besitzer Bytedance gehören sollte.

Das US-Abgeordnetenhaus stimmte am Samstag erneut fĂŒr das bereits im MĂ€rz angenommene Gesetz. Diesmal ist es aber mit anderen Maßnahmen gebĂŒndelt, vor allem mit den Milliardenhilfen fĂŒr die Ukraine, Israel und Taiwan. Dies dĂŒrfte dafĂŒr sorgen, dass das gesamte Gesetzespaket schnell durch den Senat als zweite Kongresskammer kommt und PrĂ€sident Joe Biden es danach unterzeichnet. Mit einer Abstimmung im Senat wird ab Dienstag gerechnet. Unklar ist allerdings, ob wie in frĂŒheren FĂ€llen US-Gerichte die PlĂ€ne torpedieren könnten.

Bytedance wird in den USA parteiĂŒbergreifend als chinesisches Unternehmen gesehen, das sich entsprechend dem Willen der Kommunistischen Partei Chinas beugen mĂŒsse. Deshalb wird gewarnt, chinesische Behörden könnten sich in großem Stil Zugriff auf Daten amerikanischer Nutzer verschaffen - und die Plattform auch fĂŒr politische Einflussnahme nutzen. Tiktok bestreitet dies seit Jahren, findet in der US-Politik aber kein Gehör.

Nach der ersten Version hĂ€tte Bytedance sechs Monate, sich von Tiktok zu trennen. Das wurde zum Teil als zu kurz kritisiert. Der neue Entwurf sieht eine Frist von neun Monaten fĂŒr einen Verkauf vor. Biden kann diese noch um drei Monate erweitern. Die VerlĂ€ngerung wĂŒrde den Showdown zumindest hinter die PrĂ€sidentenwahl Anfang November verlegen.

Demokraten in der ZwickmĂŒhle

Bidens Demokraten bringt das Gesetz in eine ZwickmĂŒhle: Denn zum einen will der PrĂ€sident eine harte Position gegenĂŒber China einnehmen, zum anderen ist die App bei jungen Nutzern populĂ€r, deren Stimmen er fĂŒr eine Wiederwahl im November braucht. Bidens Wahlkampf-Team eröffnete erst in diesem Jahr selbst einen Tiktok-Account.

«Es ist bedauerlich, dass das US-ReprĂ€sentantenhaus den Deckmantel wichtiger auslĂ€ndischer und humanitĂ€rer Hilfe nutzt, um wieder einmal ein Verbotsgesetz durchzudrĂŒcken, das die Rechte auf freie MeinungsĂ€ußerung von 170 Millionen Amerikanern mit FĂŒĂŸen tritt, 7 Millionen Unternehmen ruiniert und eine Plattform stilllegen wĂŒrde, die jĂ€hrlich 24 Milliarden Dollar zur US-Wirtschaft beitrĂ€gt», kritisierte eine Tiktok-Sprecherin die Entscheidung am Wochenende.

Tiktok betont, man sehe sich nicht als Tochter eines chinesischen Unternehmens. Bytedance sei zu 60 Prozent im Besitz westlicher Investoren. Der Firmensitz liege auf den Cayman-Inseln in der Karibik. Kritiker kontern, dass die chinesischen GrĂŒnder bei einem Anteil von 20 Prozent die Kontrolle dank höherer Stimmrechte hielten und Bytedance eine große Zentrale in Peking habe.

Tiktok wollte die US-Regierung mit einem Plan umstimmen, bei dem Daten amerikanischer Nutzer in den USA gelagert und der Zugang dazu sowie der Software-Code der App kontrolliert werden sollen. Doch das «Project Texas» half nicht. In Europa gibt es eine Àhnliche Initiative mit der Datenspeicherung in Irland. Der Dienst ist die einzige global erfolgreiche Online-Plattform, die nicht aus den USA stammt.

170 Millionen Nutzer in den USA

Tiktok hat nach eigenen Angaben 170 Millionen Nutzer in den USA. Schon Donald Trump versuchte wÀhrend seiner Amtszeit als US-PrÀsident, mit Verbotsdrohungen einen Verkauf des US-GeschÀfts von Tiktok an amerikanische Investoren durchzusetzen.

Doch das Vorhaben scheiterte vor allem daran, dass US-Gerichte in den PlĂ€nen fĂŒr ein Tiktok-Verbot einen Verstoß gegen die in der US-Verfassung verankerte Redefreiheit vermuteten. Auch ein aktuelles Gesetz im Bundesstaat Montana, das Tiktok dort aus den App-Stores verbannen sollte, liegt deswegen auf Eis.

Trump ist inzwischen von den Verbotsforderungen abgerĂŒckt. Tiktok sei ein wichtiges Gegengewicht zu Facebook, das er als einen «Feind des Volkes» betrachte, sagte der Ex-PrĂ€sident in einem Interview.

Tiktok-Chef Shou Chew will sich gegen das US-Gesetz wehren. Das Unternehmen werde alles Mögliche unternehmen und rechtliche Mittel einsetzen, um die Plattform zu verteidigen, sagte er. Tiktok beharrt darauf, dass das Ziel des Gesetzes ein Verbot der App in den USA sei.

Wer könnte Tiktok kaufen?

Wer Tiktok kaufen könnte, ist unklar. Die großen Tech-Konzerne dĂŒrften aus WettbewerbsgrĂŒnden nicht infrage kommen. Der ehemalige US-Finanzminister Steven Mnuchin gab bereits im MĂ€rz bekannt, er organisiere eine Investorengruppe fĂŒr den Kauf von Tiktok. Sein Plan ist, die App in den USA mit US-Technologie neu zu programmieren.

Der am Samstag von ReprĂ€sentantenhaus gebilligte Entwurf enthĂ€lt noch weitere Punkte, darunter auch Iran-Sanktionen. Er sieht außerdem die Beschlagnahme russischer Vermögenswerte vor. Der Text weist Biden an, einen Ukraine-UnterstĂŒtzungsfonds einzurichten. Biden soll demnach mit Partnern zusammenarbeiten, um einen Mechanismus zu entwickeln, der es möglich macht, die eingefrorenen russischen Vermögenswerte zu verwenden. Insgesamt handelt es sich um mehrere hundert Milliarden US-Dollar. Vor allem die USA haben zuletzt immer wieder Druck gemacht, die russischen Vermögen stĂ€rker zu nutzen. Die europĂ€ischen G7-Staaten, darunter Deutschland, sehen das kritisch. Die USA kontrollieren nur einen winzigen Bruchteil des eingefrorenen Vermögens. Der Großteil liegt in der EuropĂ€ischen Union.

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