Dürre-Katastrophe, Bio-Betriebe

Dürre-Katastrophe: 4.780 Bio-Betriebe dürfen konventionelles Futter kaufen

Veröffentlicht am: 11.08.2026 um 20:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Wegen extremer Trockenheit erlauben Baden-Württemberg und Bayern Öko-Betrieben den Zukauf konventionellen Raufutters. Mais bleibt jedoch ausgeschlossen.

Dürre 2026: Süddeutsche Bio-Bauern dürfen konventionelles Futter zukaufen
Eine ausgetrocknete, gelblich-braune Wiese während einer Dürreperiode vor einem ökologisch bewirtschafteten Bauernhof. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die anhaltende Trockenheit im Sommer 2026 hat in Süddeutschland zu einer kritischen Versorgungslage bei Tierfutter geführt. Um die Existenz ökologisch wirtschaftender Betriebe zu sichern, haben die Bundesländer Baden-Württemberg und Bayern am 11. August 2026 weitreichende Ausnahmeregelungen in Kraft gesetzt. Diese erlauben es Bio-Landwirten, unter strengen Auflagen konventionell erzeugtes Grünfutter zuzukaufen, um Engpässe in der Eigenversorgung auszugleichen.

Lockerung der Fütterungsstandards für Öko-Betriebe

Die am 11. August 2026 getroffenen Entscheidungen sehen vor, dass Bio-Betriebe aufgrund der Dürre konventionelles Raufutter wie Heu und Silage sowie Feldfutter, etwa Ackergras und Klee, beziehen dürfen. Diese Sonderregelung gilt primär für Betriebe, die nach dem EU-Ökosiegel produzieren. Auch die privaten Anbauverbände Demeter und Naturland haben sich diesen Lockerungen angeschlossen und ihre internen Richtlinien für den Zeitraum der Krise angepasst.

Ein wesentlicher Aspekt der Ausnahmeregelung ist der Ausschluss von Mais. Trotz der schwierigen Versorgungslage bleibt der Zukauf von konventionellem Mais für ökologische Betriebe weiterhin untersagt. Die Biolandwirtin Martina Braun signalisierte Unterstützung für diese Maßnahmen, da der Zukauf von externem Grünfutter die einzige Möglichkeit darstelle, den Tierbestand in der aktuellen Situation zu halten.

Katastrophenfall und operative Umsetzung in Baden-Württemberg

Bereits am 7. August 2026 sowie in Folgemeldungen vom 10. August 2026 rief Baden-Württemberg aufgrund der extremen Trockenheit den Katastrophenfall für Bio-Bauern aus. Nach offiziellen Angaben sind davon 4.780 Bio-Betriebe betroffen, was einem Anteil von 14,6 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe im Land (Stand 2023) entspricht.

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Die administrative Abwicklung der Futterzukäufe ist streng reglementiert. Landwirte, die von der Ausnahmeregelung Gebrauch machen wollen, müssen entsprechende Anträge beim Regierungspräsidium Karlsruhe stellen. Hintergrund der Maßnahme sind versiegende Trinkwasserquellen und ausgetrocknete Gewässer, wie etwa der Seebach, die die landwirtschaftliche Produktion massiv erschweren.

Klimatologische Einordnung und wirtschaftliche Folgen

Daten des Deutschen Wetterdienstes (DWD) vom 10. August 2026 belegen die Schwere der klimatischen Bedingungen. Die Bodenfeuchte im Süden Deutschlands liegt in diesem Sommer unter den Vergleichswerten der extremen Dürrejahre 2018 und 2022. Seit März 2026 verzeichnete der DWD unterdurchschnittliche Niederschlagsmengen, die teilweise unter 150 Litern pro Quadratmeter lagen. Zudem wurde an 22 Tagen die Waldbrandgefahrstufe 4 oder höher erreicht, während das langjährige Mittel bei lediglich 10 Tagen liegt.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen sind bereits in der gesamten Branche spürbar:
* In der Kalenderwoche 31 stieg die Zahl der Schlachtungen in Deutschland auf 5.500 Kühe, nachdem sie in der Vorwoche noch bei 4.500 Tieren gelegen hatte.
* In Rheinland-Pfalz erreichen die Erträge bei Silomais teilweise nur 10 bis 15 Prozent des üblichen Niveaus.
* Viele Landwirte sehen sich gezwungen, ihre Winterreserven bereits drei bis vier Monate früher als üblich zu verfüttern.

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Forderungen nach struktureller Unterstützung

Angesichts der Krise forderte der Deutsche Bauernverband am 10. August 2026 zusätzliche finanzielle Unterstützung durch nationale Mittel für EU-Hilfsprogramme sowie eine Verbesserung des Risikomanagements für Agrarbetriebe. Während die Landwirtschaft unter den Ausfällen bei Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln leidet, wiesen Organisationen wie Foodwatch kritisch auf bestehende Subventionen für Diesel und Kunstdünger hin. Auch die Forstwirtschaft ist massiv betroffen; so verzeichnet Nordrhein-Westfalen auf 94 Prozent der Fläche Trockenheit, was seit 2018 zu erheblichen Biomasseverlusten geführt hat. In Städten wie Wuppertal mussten aufgrund der klimatischen Belastungen bereits rund 1.000 Stadtbäume gefällt werden.

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