Durchblutungsstörung: Fast 320 Millionen Menschen weltweit von pAVK betroffen
Veröffentlicht am: 23.10.2026 um 18:09 Uhr | Redaktion boerse-global.deTaubheitsgefĂŒhle und Schmerzen in den Beinen beim Gehen werden von vielen Betroffenen fĂ€lschlicherweise als gewöhnliche Alterserscheinung abgetan. Mediziner warnen jedoch vor dieser FehleinschĂ€tzung, da hinter den Beschwerden ernsthafte arterielle Durchblutungsstörungen stecken können.
Weltweit sind fast 320 Millionen Menschen von der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) betroffen. Bleibt die Erkrankung unbehandelt, drohen schwere Komplikationen bis hin zu Amputationen.
Warnsignale und typische Symptome der Schaufensterkrankheit
Ein zentrales Merkmal der pAVK ist die sogenannte intermittierende Claudicatio. Dabei treten krampfartige Schmerzen, SchweregefĂŒhle oder ErmĂŒdung in Waden, Oberschenkeln oder im GesÀà nach einer bestimmten Gehstrecke auf, die in Ruhephasen wieder nachlassen.
Nach Angaben des US-amerikanischen National Heart, Lung, and Blood Institute (NHLBI) gehören Beinschmerzen und KrÀmpfe beim Gehen oder Treppensteigen zu den typischen Beschwerden, wenngleich manche Patienten lediglich unter Fatigue leiden oder gÀnzlich symptomlos bleiben.
Zu den weiteren klinischen Anzeichen zĂ€hlen kalte FĂŒĂe, VerĂ€nderungen der Hautfarbe, Kribbeln sowie TaubheitsgefĂŒhle, die durch mangelnde Durchblutung und geschĂ€digte Nervenbahnen ausgelöst werden. Auch blaue oder violette VerfĂ€rbungen der Zehen deuten auf eine IschĂ€mie der unteren ExtremitĂ€ten hin.
Treten Bein- und Knöchelödeme vor allem abends auf, bedĂŒrfen sie einer genauen Ă€rztlichen AbklĂ€rung, da sie neben GefĂ€Ăproblemen auch auf Herzinsuffizienz, Leberzirrhose, Nierenprobleme, Thrombosen oder chronisch venöse Insuffizienz hinweisen können.
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In fortgeschrittenen Stadien, die gehĂ€uft nach dem 55. Lebensjahr auftreten, stellen sich schmerzen bereits im Ruhezustand ein, insbesondere nachts. Bei akut auftretenden Warnzeichen wie einem kalten, blassen FuĂ, der mit Empfindungs- oder Bewegungsverlust einhergeht, ist eine umgehende Behandlung in der Notaufnahme erforderlich.
Ursachen, Risikofaktoren und diagnostische HĂŒrden
Hauptursache der Durchblutungsstörungen ist die Arteriosklerose. Zu den wesentlichen Risikofaktoren zÀhlen Rauchen, Diabetes mellitus, Bluthochdruck sowie erhöhte Cholesterinwerte. Wunden an den Beinen, die sich nach zwei bis vier Wochen nicht bessern oder nach zwei Monaten noch nicht geschlossen sind, gelten als deutlicher Hinweis auf ein fortgeschrittenes Geschehen.
Die Deutsche Gesellschaft fĂŒr Angiologie weist darauf hin, dass die pAVK hĂ€ufig erst spĂ€t erkannt wird, was nicht nur das Amputationsrisiko erhöht, sondern auch die Gefahr fĂŒr Herzinfarkte und SchlaganfĂ€lle steigert.
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Ein zentrales Instrument der FrĂŒhdiagnose stellt der Knöchel-Arm-Index (ABI) dar; ein Wert von 0,90 oder darunter im Ruhezustand spricht fĂŒr das Vorliegen einer pAVK. ErgĂ€nzend kommen Doppler- und Duplexsonographien zum Einsatz.
Allerdings weisen Berichte darauf hin, dass der Zugang zu entsprechenden diagnostischen Verfahren geografisch und sozioökonomisch ungleich verteilt ist und in der medizinischen Ausbildung ein Lehrdefizit zur Erkrankung von lediglich rund 15 Minuten besteht.
Geschlechtsspezifische Unterschiede und TherapieansÀtze
GefĂ€Ăerkrankungen zeigen zudem deutliche geschlechtsspezifische Unterschiede. Laut einer wissenschaftlichen Ăbersichtsarbeit verlaufen GefĂ€Ăerkrankungen bei Frauen anders und werden hĂ€ufig spĂ€ter festgestellt.
Demnach liegt der Anteil symptomlos erkrankter Frauen mit pAVK bei 12,6 Prozent, verglichen mit 9,4 Prozent bei MÀnnern. Gleichzeitig leiden vor Behandlungsbeginn 16 Prozent der Frauen unter Ruheschmerzen, wÀhrend dies nur bei 11 Prozent der MÀnner der Fall ist.
Zudem fĂ€llt der GefĂ€Ădurchmesser bei Frauen um 6 bis 10 Prozent geringer aus. Obwohl Leitlinien dies vorsehen, erhalten Frauen seltener Statine, weshalb Fachgesellschaften wie die Deutsche Gesellschaft fĂŒr GefĂ€Ăchirurgie mehr Aufmerksamkeit fĂŒr weibliche KrankheitsverlĂ€ufe fordern.
Therapeutisch stehen zunĂ€chst ein konsequenter Rauchstopp, die Kontrolle von Blutdruck, Blutzucker und Blutfettwerten sowie Medikamente und ĂŒberwachtes Gehtraining im Vordergrund.
Reichen diese MaĂnahmen nicht aus oder ist die Erkrankung weit fortgeschritten, kommen revaskularisierende Verfahren wie die Ballondilatation, Stentimplantationen, Atherektomien oder gefĂ€Ăchirurgische Eingriffe zum Einsatz.
Um das öffentliche Bewusstsein fĂŒr die Erkrankung zu schĂ€rfen, bieten unter anderem die Niels-Stensen-Kliniken am 4. November eine Informationsveranstaltung mit FachĂ€rzten des Marienhospitals OsnabrĂŒck im OsnabrĂŒcker Medienzentrum an, die auch per Livestream ĂŒbertragen wird.
