ECHO-Implantat, Blutzucker

ECHO-Implantat: Blutzucker bei MĂ€usen binnen einer Stunde normalisiert

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 21:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Das ECHO-System senkte Glukosewerte in Versuchen mit MĂ€usen; klinische Studien am Menschen sind noch nicht terminiert.
Ein steriler, hochmoderner Laborarbeitsplatz mit feinmechanischen Versuchsaufbauten und GlasgerÀten in einer klinischen Umgebung. Illustration mit AI erstellt.

Forschende der ETH ZĂŒrich um Martin Fussenegger haben ein experimentelles Implantat entwickelt, das ĂŒberschĂŒssigen Zucker im Blut auf elektrochemischem Weg abbaut.

Das System namens ECHO (Electrocatalytic Closed-Loop Health Optimization) wandelt Glukose mittels einer elektrisch angetriebenen Reaktion in Gluconat um, welches anschließend ĂŒber die Nieren ausgeschieden wird. Die wissenschaftlichen Ergebnisse zu dem System wurden am 22. Oktober 2026 im Fachjournal Science veröffentlicht.

Technische Funktionsweise und drahtlose Steuerung

Das Implantat misst rund 30 mal 17,5 mal 10 Millimeter und befindet sich in einem 3D-gedruckten GehĂ€use aus Polyamid. Im Inneren setzt die ETH ZĂŒrich auf einen porösen Graphitfilz, der mit Gold-Nanostrukturen sowie Platinpartikeln versehen ist. Die Konstruktion kommt ohne biologische Zellen oder Enzyme aus und gilt nach Angaben der Forschenden als biokompatibel.

Die Steuerung des Systems erfolgt automatisiert im geschlossenen Regelkreis. Ein handelsĂŒblicher kontinuierlicher Glukosesensor am Oberarm ĂŒbermittelt die Messdaten via Bluetooth an ein Smartphone oder eine Smartwatch.

Übersteigt der Blutzucker einen definierten Schwellenwert, aktiviert das System die Energieversorgung, die drahtlos und induktiv bei einer Frequenz von 13,56 Megahertz mit einer Leistung von 7,5 Milliwatt arbeitet. FĂ€llt der Blutzucker wieder unter den Zielwert, schaltet sich die Stromzufuhr automatisch ab, da die chemische Umwandlung ausschließlich bei aktiver Stromversorgung ablĂ€uft.

Fussenegger hob hervor, dass die elektrische Spannung sehr niedrig sei und keine SchĂ€den am Gewebe durch thermische oder elektrische Effekte entstĂŒnden. Die wesentliche Neuerung liege in der elektronischen Steuerung.

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Ergebnisse aus Labor und Tierversuchen

In In-vitro-Versuchen hielt das System die Glukosekonzentration bei etwa 5 Millimol pro Liter (rund 90 Milligramm pro Deziliter). Bei einer ElektrodenflÀche von 5 mal 5 Zentimetern sank der Glukosewert innerhalb von circa 3 Stunden auf etwa 5 Millimol pro Liter.

Erfolgreich getestet wurde das Verfahren zudem in einem Laborkreislauf mit bis zu 5 Litern Glukoselösung, was in etwa dem Blutvolumen eines erwachsenen Menschen entspricht. Die getesteten ElektrodenflÀchen lagen zwischen 1 und 25 Quadratzentimetern.

Im Tierversuch an ĂŒbergewichtigen MĂ€usen mit Typ-2-Diabetes normalisierte sich der Blutzucker unter Einsatz des Implantats innerhalb einer Stunde. WĂ€hrend unbehandelte Tiere Werte zwischen 28 und 33,3 Millimol pro Liter aufwiesen, erreichten die behandelten MĂ€use rasch den Zielbereich; bei weiblichen MĂ€usen verringerte sich der Blutzucker binnen 120 Minuten von etwa 30 auf 12 Millimol pro Liter.

Über eine sechswöchige Behandlungsphase mit tĂ€glicher Stimulation von 60 Minuten bei 0,75 Volt und 10 Milliampere verloren die Tiere in Hauptgruppen von je acht MĂ€usen bis zu 10 Prozent ihres Körpergewichts. Dabei sanken die Triglyceride, wĂ€hrend freie FettsĂ€uren und Ketonkörper anstiegen.

Unterzuckerungen wurden wĂ€hrend der Versuche nicht nachgewiesen. Im Vergleich zu Therapien mit Insulin oder GLP-1 zeigte sich in diesem spezifischen Tierversuch eine stabilere Regulation. Die automatische Regelung mit Aktivierungsintervallen von 5 Minuten wurde ĂŒber einen Zeitraum von 12 Tagen erprobt, begrenzt durch die Nutzungsdauer des Sensors.

Bei Sicherheitstests blieben die Elektroden nach drei Monaten unter der Haut weiterhin aktiv; bei 0,75 Volt bildeten sich weder Chlor noch intrazellulÀre reaktive Sauerstoffspezies, und es traten keine Anreicherungen von Gold oder Platin in Organen wie Leber, Niere, Herz oder Milz auf.

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HĂŒrden vor einem möglichen Einsatz am Menschen

Weltweit sind laut der Studie etwa 790 Millionen Menschen von Typ-2-Diabetes und mehr als eine Milliarde von Adipositas betroffen. Das Forschungsteam der ETH ZĂŒrich plant die Weiterentwicklung zu einem Medizinprodukt, konkrete Termine fĂŒr klinische Studien stehen jedoch noch nicht fest. Bislang liegen keine Daten aus Humanstudien vor.

Als nĂ€chste Schritte gelten Untersuchungen an grĂ¶ĂŸeren Tiermodellen. Fussenegger sieht eine zentrale HĂŒrde darin, eine ausreichende Umwandlungsleistung beim Menschen bei langfristiger Sicherheit und katalytischer Effizienz nachzuweisen, und stellte klar, dass das GerĂ€t nicht als Ersatz fĂŒr Bewegung und eine gesunde ErnĂ€hrung diene.

Externe Wissenschaftler verweisen auf offene Fragen bei der klinischen Umsetzung. Andreas Birkenfeld vom UniversitĂ€tsklinikum TĂŒbingen merkte an, dass die Übertragbarkeit wegen des deutlich grĂ¶ĂŸeren Blutvolumens beim Menschen kritisch zu prĂŒfen sei.

Unklar bleibe, ob eine oder mehrere Einheiten benötigt wĂŒrden, zudem seien Risiken bezĂŒglich Ketonkörpern, Haltbarkeit, Infektionen und möglicher Steuerungsfehler zu klĂ€ren. Siegfried Ussar vom Helmholtz Zentrum MĂŒnchen ordnete die Technologie so ein, dass sie Insulin zwar nicht ersetzen, körpereigene insulinproduzierende Zellen jedoch entlasten könne.

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