EES-Chaos, FluggÀste

EES-Chaos: FluggĂ€ste verpassen fĂŒnfmal hĂ€ufiger ihren Flug

Veröffentlicht am: 04.07.2026 um 17:37 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Das neue EU-Grenzkontrollsystem EES verursacht massive Wartezeiten und technische AusfÀlle an FlughÀfen. LuftfahrtverbÀnde fordern eine Sommer-Aussetzung.

EU-Grenzkontrollsystem EES: Technik-Chaos vor Hauptreisezeit
Frustrierte Reisende in einem belebten Flughafenterminal, die auf Anzeigetafeln schauen und gestikulieren, um verpasste FlĂŒge darzustellen. Illustration mit AI erstellt.

Das neue digitale Grenzkontrollsystem der EU steckt in der Krise. Technische Pannen und stundenlange Wartezeiten bringen FlughĂ€fen an ihre Grenzen – ausgerechnet vor dem Start der Hauptreisezeit.

Seit der vollstĂ€ndigen EinfĂŒhrung im April 2026 sorgt das Entry/Exit System (EES) fĂŒr massive Probleme an den Schengen-Außengrenzen. Was Reisende beschleunigen sollte, bremst sie aus: Statt des schnellen Passstempels gibt es nun biometrische Checks mit Gesichtserkennung und Fingerabdruck. Die Folge sind Wartezeiten von bis zu fĂŒnf Stunden an mehreren großen Drehkreuzen.

EU-KommissionsprĂ€sidentin Ursula von der Leyen rĂ€umte unter der Woche ein: „Das System hat technische Probleme. Es bleibt noch viel zu tun."

FluggĂ€ste verpassen fĂŒnfmal hĂ€ufiger ihren Flug

Die Zahlen sind alarmierend. Eine Umfrage unter 85 FlughĂ€fen zeigt: Reisende verpassen ihren Abflug inzwischen fĂŒnfmal so oft wie vor der EES-EinfĂŒhrung. Der Grund liegt auf der Hand: WĂ€hrend die manuelle Kontrolle Sekunden dauerte, benötigt die Ersterfassung im neuen System im Schnitt ĂŒber eine Minute pro Person.

Dazu kommen handfeste technische Defekte. Fingerabdruck-Kioske ĂŒberhitzten und fielen aus. Softwarefehler legten GerĂ€te am Londoner Bahnhof St. Pancras lahm. Die Kosten fĂŒr das System explodierten derweil: von ursprĂŒnglich 142 Millionen Euro auf inzwischen 212 Millionen Euro – verursacht durch Nachbesserungen an der Software und LieferengpĂ€sse bei der Hardware.

LuftfahrtverbĂ€nde: „System nicht reif fĂŒr den Sommer"

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Die Branche schlĂ€gt Alarm. ACI Europe, der internationale Luftfahrtverband IATA und die Lobbyorganisation Airlines for Europe fordern von der EU-Kommission die Erlaubnis, den EES-Betrieb im Juli und August auszusetzen. Ihre BegrĂŒndung: Das System sei nicht reif fĂŒr die erwarteten 40 Millionen zusĂ€tzlichen Passagiere in den Sommermonaten.

Ryanair-Betriebschef Neal McMahon spricht von einem „stĂŒmperhaften System" und verlangt eine Verschiebung der verpflichtenden Nutzung auf September. EasyJet-CEO Kenton Jarvis bezeichnet die aktuellen Verzögerungen als „inakzeptabel".

44.000 Einreisen verweigert – aber zu welchem Preis?

Die EU-Behörden verweisen auf Erfolge: Seit dem Probestart im Oktober 2025 habe das System rund 1.100 Sicherheitsbedrohungen identifiziert und 108 Millionen Ein- und Ausreisen verarbeitet. Rund 44.000 Menschen wurde die Einreise in den Schengen-Raum verweigert.

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Doch die Kehrseite ist gewaltig. Besonders betroffen sind UrlaubsflughĂ€fen im Mittelmeerraum und Osteuropa. Ryanair nennt sieben Hotspots: Teneriffa SĂŒd, Palma, Alicante, MĂĄlaga, Mailand-Bergamo, Krakau und Paris-Beauvais.

Auch FÀhrhÀfen unter Druck

Der Ärger beschrĂ€nkt sich nicht auf die Luftfahrt. Im Hafen von Dover – bereits im Mai wegen 4,5-stĂŒndiger Wartezeiten zum Notfall erklĂ€rt – bereitet man sich auf tĂ€glich ĂŒber 12.000 Fahrzeuge vor. Der Hafen investierte umgerechnet rund 46 Millionen Euro in EES-fĂ€hige Infrastruktur. Doch ein Großteil der Anlagen steht wegen defekter Kiosk-Technik still. Die britische Regierung stellte zusĂ€tzlich rund 12 Millionen Euro bereit, doch Experten warnen: DreistĂŒndige Wartezeiten könnten NormalitĂ€t werden und Touristen abschrecken.

EU-Kommissionssprecher Markus Lammert rĂ€umte die EngpĂ€sse ein, spielte ihre Gesamtbedeutung jedoch herunter. FĂŒr den 7. Juli ist ein Spitzentreffen zwischen der EU-Kommission und der Luftfahrtbranche angesetzt. Thema: Notfallmaßnahmen – und die mögliche vorĂŒbergehende Aussetzung der biometrischen Pflicht.

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