Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein

Von Sichtung bis Tod: Chronologie zum Ostsee-Buckelwal

16.05.2026 - 17:31:24 | dpa.de

Ein Buckelwal verirrt sich in der Ostsee. Über mehr als zwei Monate hĂ€lt das Schicksal des großen Tieres die Menschen in Atem. Ein Happy End bleibt aus.

  • Die Reise des Buckelwals endete im flachen Wasser vor der dĂ€nischen Insel Anholt. - Foto: Marcus Golejewski/dpa
    Die Reise des Buckelwals endete im flachen Wasser vor der dÀnischen Insel Anholt. - Foto: Marcus Golejewski/dpa
  • Nach Wochen der vergeblichen Versuche sollte der Wal in die Nordsee gebracht werden. - Foto: Philip Dulian/dpa
    Nach Wochen der vergeblichen Versuche sollte der Wal in die Nordsee gebracht werden. - Foto: Philip Dulian/dpa
  • Backhaus' Umweltministerium duldete die Rettungsversuche. - Foto: Jens BĂŒttner/dpa
    Backhaus' Umweltministerium duldete die Rettungsversuche. - Foto: Jens BĂŒttner/dpa
  • Von einer Sandbank vor Timmendorfer Strand hatten Helfer das Tier noch befreien können.  - Foto: Ulrich Perrey/dpa
    Von einer Sandbank vor Timmendorfer Strand hatten Helfer das Tier noch befreien können. - Foto: Ulrich Perrey/dpa
Die Reise des Buckelwals endete im flachen Wasser vor der dĂ€nischen Insel Anholt. - Foto: Marcus Golejewski/dpa Nach Wochen der vergeblichen Versuche sollte der Wal in die Nordsee gebracht werden. - Foto: Philip Dulian/dpa Backhaus' Umweltministerium duldete die Rettungsversuche. - Foto: Jens BĂŒttner/dpa Von einer Sandbank vor Timmendorfer Strand hatten Helfer das Tier noch befreien können.  - Foto: Ulrich Perrey/dpa

Erste Sichtungen hat es Anfang MÀrz gegeben. Seitdem beschÀftigt die Geschichte des Buckelwals viele Menschen. Eine Auswahl der Ereignisse:

Sichtung im Hafen von Wismar

3. MÀrz: Der Buckelwal taucht im Hafen von Wismar auf und lockt Schaulustige an die Kaikante. EinsatzkrÀfte entfernen Netzreste vom Tier, allerdings nicht komplett. Auch die Meeresschutzorganisation Sea Shepherd ist mit einem Schiff vor Ort. Gegen Abend schwimmt der Wal wieder Richtung Ostsee. Das Deutsche Meeresmuseum geht zunÀchst noch von einem Finnwal aus.

4. MĂ€rz: Der Wal wird wieder in der LĂŒbecker Bucht vor Brook westlich von Wismar gesichtet. Sea Shepherd versucht, noch verbleibende Leinenreste zu entfernen. Das gelingt vom grĂ¶ĂŸeren Schiff «Triton» aus aber nicht.

7. MĂ€rz: Nach einer Sichtung vor Scharbeutz sucht Sea Shepherd in der LĂŒbecker Bucht erneut nach dem Wal und findet ihn gegen Abend vor Boltenhagen. Von einem Schlauchboot aus gelingt es, Netzreste zu entfernen.

10. MĂ€rz: Vor der KĂŒste bei Steinbeck in Nordwestmecklenburg verfĂ€ngt sich der Wal laut Wasserschutzpolizei in einem Fischernetz. Ein örtlicher Fischer holt das Netz ein, wobei es durchtrennt wird. Anschließend schwimmt das Tier wieder seewĂ€rts.

19. MĂ€rz: Am Abend beobachtet Sea Shepherd von der «Triton» aus, wie der Wal vor TravemĂŒnde in die Trave schwimmt.

20. MĂ€rz: Nach einer Sichtung in der LĂŒbecker Bucht bei Haffkrug und Scharbeutz wird Sea Shepherd von der Wasserschutzpolizei verstĂ€ndigt. Der Organisation gelingt es von einem Schlauchboot aus, einen Teil der am Tier verbleibenden Leine mit einem Spezialwerkzeug zu entfernen. SpĂ€ter schwimmt der Wal weiter mit Netzresten am Körper Richtung offenes Meer.

1. Strandung vor Timmendorfer Strand

23. MĂ€rz: Der Wal wird auf einer Sandbank vor Timmendorfer Strand entdeckt. Er sitzt im flachen Wasser fest. Danach besteht Konsens, dass es sich um einen Buckelwal handelt. Tagelange Rettungsversuche laufen an, unter anderem graben Bagger eine Rinne.

27. MĂ€rz: Der Wal schwimmt weg. Nachdem er sich am Abend des 26. MĂ€rz bereits ein StĂŒck bewegt hat, liegt er am frĂŒhen Morgen des 27. MĂ€rz nicht mehr im Uferbereich vor Timmendorfer Strand. Stattdessen schwimmt er in der LĂŒbecker Bucht.

2. Strandung in der Wismarbucht

28. MĂ€rz: Der Wal verharrt auf einer Sandbank in der Wismarbucht sĂŒdlich der Insel Walfisch.

3. Strandung in der Wismarbucht

29. MĂ€rz: Bei steigendem Wasserstand schwimmt der Wal in der Nacht kurzzeitig erneut los, bleibt aber wenige Meter weiter in der Wismarbucht wieder liegen.

30. MĂ€rz: Am spĂ€ten Abend schwimmt der Wal wieder. Zuvor hatten Experten versucht, das Tier mit LĂ€rm zu animieren. Der Wal schwamm anschließend laut Schweriner Umweltministerium aber in die falsche Richtung. Er wird am Hafen von Wismar gesehen, ist spĂ€ter seewĂ€rts Richtung SeebrĂŒcke unterwegs.

4. Strandung vor der Insel Poel

31. MÀrz: Der Buckelwal wird erneut vor Wismar gesichtet. SpÀter verharrt er erneut in flachem Wasser, diesmal im Kirchsee, einem Teil der Wismarbucht, vor der Insel Poel.

1. April: Die Verantwortlichen geben die Einstellung weiterer Rettungsversuche bekannt, um dem laut Experten geschwÀchten Wal Ruhe zu gönnen.

2. April: Ein Vermessungsboot beginnt damit, die Umgebung des Wals zu erkunden, um eine spÀtere Bergung des Tierkörpers vorzubereiten.

Ergebnisse eines Gutachtens werden vorgestellt

7. April: Die Experten stellen gemeinsam mit Mecklenburg-Vorpommerns Umweltminister Till Backhaus (SPD) Erkenntnisse eines Gutachtens zum Zustand des Wals vor. Das Tier sei «schwerstkrank», sagt er. Die Experten verweisen auf den sich verschlechternden Hautzustand und gehen wegen des Aufliegens auch von OrganschÀden aus. Das Tier könne bei einer möglichen Rettungsaktion am Stress sterben.

11. April: Es wird doch ein weiterer Versuch unternommen, den Wal noch einmal zu mobilisieren. Unter Wasser werden WalgesÀnge abgespielt. Dies bleibt aber ohne Erfolg.

Behörden geben grĂŒnes Licht fĂŒr privaten Rettungsversuch

15. April: Überraschend informiert Backhaus auf einer Pressekonferenz, dass die Behörden das Transportkonzept einer privaten Initiative dulden werden. Demnach soll das Tier lebend in die Nordsee und gegebenenfalls den Atlantik gebracht werden. Das Konzept sieht zunĂ€chst eine Anhebung mit Luftkissen und einen Transport auf einer Plane zwischen Pontons vor.

FrĂŒhere PlĂ€ne fĂŒr Rettungsaktionen hatte die Behörde noch abgelehnt, weil sie Fachleuten zufolge noch mehr Stress und Leid fĂŒr den Wal bedeutet hĂ€tten. Die Experten empfahlen, den Wal in Ruhe sterben zu lassen.

Die Vorbereitungen fĂŒr den Rettungsversuch laufen

16. April: Die von der Unternehmerin Karin Walter-Mommert und dem Mediamarkt-GrĂŒnder Walter Gunz finanzierte Aktion startet. Ein Lkw-Konvoi mit MobilkrĂ€nen, Schwimmpontons und Rohren trifft am Hafen von Kirchdorf ein.

17. April: Ein Bagger auf einer schwimmenden Plattform fÀhrt Richtung Wal. Nach der AnnÀherung durch einen Taucher reagiert der Buckelwal heftig mit starken Bewegungen.

18. April: TĂŒcher auf dem Wal, schwimmende Arbeitsplattform und wohl erste ProbespĂŒlungen in der NĂ€he des Tieres. DarĂŒber hinaus ist noch nicht viel zu sehen. Helfer versuchen erneut, in das Maul des Buckelwals zu schauen, um mögliche Netzreste zu entfernen – ohne Erfolg.

Wal schwimmt plötzlich los - und setzt wieder auf

20. April: Nach drei Wochen schwimmt das Tier morgens von selbst los. Teammitglieder versuchen, es von Booten aus Richtung offene Ostsee zu treiben. Nach zwei Stunden und viel Hin und Her verharrt der Wal aufs Neue im Flachwasser, diesmal am Übergang des Kirchsees zur Wismarbucht. 

27. April: Eine sogenannte Barge trifft in Wismar ein. Übers Wochenende war der 50 Meter lange und 13 Meter breite Lastkahn ĂŒber den Nord-Ostsee-Kanal in Richtung Wismarbucht gebracht worden. Der Wal soll in dem Becken Richtung Nordsee gebracht werden. Das Ponton-Konzept war zwischenzeitlich verworfen worden.

28. April: Ein Schlepper hat die Barge mit dem Buckelwal ĂŒbernommen. Der MeeressĂ€uger war zuvor durch eine eigens gebaggerte Rinne zu der Barge bugsiert worden. Der motorlose Lastkahn mit dem Wal soll nun nach Angaben von Vertretern der privaten Rettungsaktion auf dem Weg zur Nordsee von dem Schlepper gezogen und dabei von einem weiteren Schiff begleitet werden.

30. April: Die Barge mit dem Wal ist auf dem Weg Richtung Nordsee. Experten des Meeresmuseums Stralsund warnen davor, das Tier im Meer abzulassen. Es könnte unmittelbar ertrinken.

Der Wal wird ins Meer freigelassen

2. Mai: Der Buckelwal ist von der Barge in die Nordsee gelassen worden.

3. Mai: Es gibt keine Daten vom Sender, der an dem Tier befestigt worden war. Der Verbleib des Buckelwals ist unklar.

Toter Wal vor dÀnischer Insel

15. Mai: Ein toter Wal wird vor der dÀnischen Insel Anholt entdeckt.

16. Mai: Die Seriennummer des Senders bestÀtigt: Das tote Tier ist der Buckelwal, um dessen Rettung Helfer seit MÀrz gerungen hatten.

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