Labor-Kreatur, Grauwolf

Labor-Kreatur: Grauwolf mit ein paar Schattenwolf-Genen

08.04.2025 - 14:01:14

Ein US-Unternehmen will ausgestorbene Tiere nachbauen. KĂŒrzlich stellte es MĂ€use mit mammutĂ€hnlichem Fell vor. Nun werden vermeintlich auferstandene Schattenwölfe prĂ€sentiert.

Drei Jungwölfe mit hellem Fell werden von einer US-Firma als wiederbelebte Schattenwölfe beworben. TatsĂ€chlich sind es gentechnisch verĂ€nderte Grauwölfe, die einige Gene jener vor etwa 12.000 Jahren ausgestorbenen Art - englisch dire wolf, Schrecklicher Wolf genannt - tragen. Das auf derartige Projekte spezialisierte US-Unternehmen Colossal Biosciences mit Sitz in Dallas hat die Hybriden nun der Öffentlichkeit vorgestellt: die bereits Anfang Oktober geborenen RĂŒden Romus und Remulus sowie das Ende Januar zur Welt gekommene Weibchen Khaleesi.

Das Unternehmen spricht von den ersten Schattenwölfen seit der Zeit des PleistozĂ€ns, das vor etwa 10.000 Jahren endete. Ihren ausgestorbenen «Vorfahren» der Art Aenocyon dirus, die einst in Nordamerika lebte, Ă€hneln die drei Jungtiere nach Angaben des Unternehmens mit dem dichten hellen Fell, einer grĂ¶ĂŸeren Statur und angeblich auch mit einem speziellen Heulen. 

FĂŒr Aufsehen gesorgt hatte Colossal Biosciences schon Anfang MĂ€rz einmal - mit der «Wollhaarmaus», gentechnisch verĂ€nderten MĂ€usen, deren Fellstruktur der von Wollhaarmammuts Ă€hneln soll. FĂŒr die nun prĂ€sentierten Wölfe hatte das Unternehmen Genomreste von zwei Schattenwölfen sequenziert, die vor 13.000 Jahren und vor 72.0000 Jahren im Gebiet der heutigen USA lebten. Durch Vergleiche mit heutigen Wölfen ermittelte das Team nach eigenen Angaben, welche genetischen Eigenschaften typisch fĂŒr die ausgestorbene Art waren.

Schließlich verĂ€nderten sie das Erbgut von Grauwölfen (Canis lupus) an 20 Stellen in 14 Genen entsprechend. Insgesamt enthĂ€lt das Erbgut von Grauwölfen etwa 19.000 Gene. Die entstandenen Mischlinge, Hybriden genannt, sind also weitaus enger mit dem Grauwolf als dem Schattenwolf verwandt.

Die verĂ€nderten Zellkerne wurden in entkernte Eizellen gepackt, zunĂ€chst entwickelten sich nach Angaben des Unternehmens 45 Embryonen. Diese wurden HundemĂŒttern eingepflanzt. Die am Ende noch resultierenden drei Jungwölfe leben den Angaben zufolge in einem Gehege, dessen Standort nicht mitgeteilt wurde. 

Experten reagieren skeptisch

UnabhÀngige Fachleute kommentieren die PrÀsentation der Tiere kritisch. Es handle sich nur um Hybrid-Grauwölfe mit einigen womöglich schattenwolfÀhnlichen Eigenschaften, erklÀrte Nic Rawlence von der neuseelÀndischen UniversitÀt Otago. Dass die speziellen Eigenheiten tatsÀchlich von Schattenwölfen stammten, sei lediglich eine Vermutung, betonte der Zoologe. 

«Um etwas wirklich wieder aufleben zu lassen, mĂŒsste man es klonen, sagte Rawlence. «Das Problem ist, dass wir ausgestorbene Tiere nicht klonen können, weil die DNA nicht gut genug erhalten ist.» Selbst wenn man das Genom sequenziere, lasse sich die DNA nicht in ausreichend großen StĂŒcken extrahieren, wie das bei einem lebenden Tier möglich sei.

Viel sinnvoller als der Ansatz des Unternehmens sei es, Technologien und Wege dafĂŒr zu entwickeln, die das Aussterben von Arten verhindern. Also das zu erhalten, was wir noch haben. 

Philip Seddon, ebenfalls von der UniversitĂ€t Otago, spricht zwar von erstaunlichen technologischen Fortschritten, aber: «Die sĂŒĂŸen Welpen Romulus, Remus und Khaleesi sind keine Schattenwölfe - sie sind genetisch verĂ€nderte Grauwölfe.» Beide Arten seien nicht einmal nahe verwandt, der letzte gemeinsame Ahne habe wahrscheinlich vor rund sechs Millionen Jahren gelebt. 

Unternehmen will mammutÀhnliche Elefanten herstellen

Colossal Biosciences wurde mitgegrĂŒndet vom Harvard-Forscher George Church, der international berĂŒhmt wurde durch seine AnkĂŒndigung, einen kĂ€lteresistenten Elefanten erschaffen zu wollen, der wie ein Mammut aussieht und sich möglichst auch Ă€hnlich verhĂ€lt. Ein Schritt hin zu diesem Ziel sollten die vor einem Monat vorgestellten WollhaarmĂ€use mit ihrem goldgelben Zottelfell sein. Bei den MĂ€usen waren Gene so verĂ€ndert worden, dass ihre Haartextur und Farbe etwas der von Mammuts Ă€hneln.

@ dpa.de