Stiko empfiehlt RSV-Schutz fĂŒr SĂ€uglinge
27.06.2024 - 14:49:14FĂŒr Neugeborene und SĂ€uglinge empfiehlt die StĂ€ndige Impfkommission (Stiko) ab sofort einen Antikörper-Wirkstoff zum Schutz vor dem Respiratorischen Synzytial-Virus (RSV).
«Eine schwere Atemwegserkrankung mit RSV ist der hĂ€ufigste Hospitalisierungsgrund fĂŒr Kinder im ersten Lebensjahr», sagte KinderĂ€rztin und Stiko-Mitglied Julia Tabatabai im Vorfeld der Veröffentlichung. WĂ€hrend des ersten Lebensjahres mĂŒsse jedes vierte Kind mit einer RSV-Infektion medizinisch behandelt werden. Vor allem bei jungen SĂ€uglingen könne eine Infektion zu einer schweren Atemwegserkrankung fĂŒhren, deswegen sei ein frĂŒher Schutz wichtig.
Die vom Robert Koch-Institut (RKI) veröffentlichte Empfehlung sieht eine Impfung fĂŒr alle Neugeborenen und SĂ€uglinge vor, unabhĂ€ngig von möglichen Risikofaktoren. Gespritzt werden soll der Wirkstoff in der ersten RSV-Saison, die auf die Geburt folgt. Die Saison geht ĂŒblicherweise von Oktober bis MĂ€rz. SĂ€uglinge, die zwischen April und September geboren werden, sollen das Mittel laut Stiko zwischen September und November erhalten. FĂŒr Neugeborene, die wĂ€hrend einer RSV-Saison auf die Welt kommen, empfiehlt die Stiko die Gabe möglichst rasch nach der Geburt noch vor Entlassung aus der Geburtseinrichtung.
Passive Immunisierung - sofortiger Schutz
Empfohlen wird eine Injektion des Antikörpers Nirsevimab. Das MolekĂŒl bindet an ein Virusprotein und verhindert so das Eindringen des Erregers in Körperzellen. Es handelt sich um eine sogenannte passive Immunisierung: Verabreicht werden bereits gebildete Antikörper, diese werden also nicht aktiv vom eigenen Immunsystem produziert.
Das bietet sofortigen Schutz, ist aber nur zeitweise wirksam, da die Antikörper nach einer gewissen Zeit abgebaut werden. Bei Nirsevimab hĂ€lt der Schutz etwa sechs Monate, wie Johannes Liese, Leiter der pĂ€diatrischen Infektiologie und Immunologie am UniversitĂ€tsklinikum WĂŒrzburg, erklĂ€rte.
Keine explizite Empfehlung fĂŒr Schwangere
In der EU sind seit vergangenem Jahr zwei Impfstoffe gegen RSV verfĂŒgbar, einer fĂŒr Schwangere und Menschen ab 60 (Abrysvo) und einer nur fĂŒr Menschen ĂŒber 60 (Arexvy). Deren Einsatz empfiehlt die Stiko bislang nicht. Die Experten begrĂŒndeten das zum Teil mit bisher unzureichenden Studiendaten.
RSV verursacht bei Kindern wie Erwachsenen Infektionen der Atemwege. GrundsĂ€tzlich kann man in jedem Alter daran erkranken und sich wiederholt infizieren. Gerade bei SĂ€uglingen kann der Erreger Bronchitis und LungenentzĂŒndungen verursachen.
TodesfÀlle sind selten
Als Risikogruppen fĂŒr schwere VerlĂ€ufe gelten zum Beispiel FrĂŒhgeborene, Kinder mit Lungen-Vorerkrankung oder mit Herzfehler, Erwachsene ĂŒber 65 und Menschen mit beeintrĂ€chtigtem Immunsystem. Auch TodesfĂ€lle kommen vor, wenn auch selten, wie Tabatabai sagte.
Eine Immunisierung soll nicht nur Betroffene schĂŒtzen, sondern auch das Gesundheitssystem entlasten. Die jĂ€hrliche Saison sei fĂŒr Kliniken und Praxen eine «riesige Herausforderung», sagte Liese. Nach der Corona-Pandemie hatte es in vielen LĂ€ndern heftige RSV-Wellen gegeben.


