KĂŒnstliche Intelligenz, MINT-Berufe

KI verdrÀngt MINT-FachkrÀfte: 38,4 Prozent melden TeamabgÀnge

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 05:30 Uhr | dpa, AD HOC NEWS
Eine YouGov-Befragung im Auftrag von SThree zeigt, wie stark KI TĂ€tigkeiten, Belastung und Entwicklungschancen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen verĂ€ndert. Gleichzeitig berichten viele BeschĂ€ftigte von höherer ProduktivitĂ€t und verbinden mit der Technologie ĂŒberwiegend positive GefĂŒhle.

Folgen fĂŒr MINT-Teams

  • 38,4 Prozent der befragten MINT-FachkrĂ€fte berichten von KI-bezogenen AbgĂ€ngen im eigenen Team binnen zwölf Monaten.
  • 52,2 Prozent nennen stark verĂ€nderte TĂ€tigkeiten als Hauptgrund fĂŒr solche AbgĂ€nge.
  • 66,8 Prozent der KI-Nutzer sehen heute eine höhere TeamproduktivitĂ€t als vor zwei Jahren.
KĂŒnstliche Intelligenz Ă€ndert den Arbeitsalltag auch in den sogenannten MINT-Berufen erheblich. (Symbolbild) - Bild: Fabian Strauch/dpa/dpa-tmn

In Deutschland berichten 38,4 Prozent der MINT-FachkrĂ€fte, dass in den vergangenen zwölf Monaten Kollegen aus ihrem Team aus KI-bezogenen GrĂŒnden das Unternehmen verlassen haben. Das zeigt eine Befragung von 817 MINT-ErwerbstĂ€tigen, die YouGov im Sommer im Auftrag der britischen Personalberatung SThree durchgefĂŒhrt hat.

Als hĂ€ufigste GrĂŒnde nennen Betroffene stark verĂ€nderte TĂ€tigkeiten, fehlende Entwicklungsperspektiven und eine nicht mehr tragbare Arbeitslast.

Aufgaben verÀndern sich grundlegend

52,2 Prozent der Befragten fĂŒhren die AbgĂ€nge darauf zurĂŒck, dass sich die eigene Arbeit „bis zur Unkenntlichkeit“ verĂ€ndert habe. 46,5 Prozent sehen fehlende Entwicklungsperspektiven als Ursache, bei 36,9 Prozent war die Arbeitslast nach eigener EinschĂ€tzung nicht mehr tragbar.

Besonders ausgeprÀgt ist die Entwicklung im Bereich Life Sciences. Dort berichten 56,8 Prozent von KI-bedingten TeamabgÀngen. In der IT liegt der Anteil bei 28,9 Prozent, im Ingenieurwesen bei 29,6 Prozent.

Mehr ProduktivitÀt trotz Belastungen

Die Befragten bewerten KI dennoch ĂŒberwiegend positiv. 66,8 Prozent der KI-Nutzer sagen, dass die ProduktivitĂ€t ihres Teams heute höher ist als vor zwei Jahren.

Die gewonnene Zeit fließt vor allem in strategisches Denken, das 38,0 Prozent nennen, in Weiterbildung mit 29,0 Prozent oder in zusĂ€tzliche Aufgaben mit 29,4 Prozent. Mit KI verbinden die BeschĂ€ftigten hĂ€ufiger Begriffe wie „anregend“ mit 38,0 Prozent, „Neugier“ mit 37,0 Prozent und „spannend“ mit 32,7 Prozent als „Druck“ mit 11,7 Prozent oder „Angst“ mit 9,3 Prozent.

BeschÀftigte fordern klare Regeln

In offenen Antworten sprechen sich die Befragten vor allem fĂŒr gezielte Weiterbildungsangebote, klare Regeln beim KI-Einsatz und eine frĂŒhzeitige Einbindung durch das Management aus. Unternehmen stehen damit vor der Aufgabe, ProduktivitĂ€tsgewinne mit verlĂ€sslichen Entwicklungsmöglichkeiten und einer tragbaren Arbeitsorganisation zu verbinden.

Die Befragung beschreibt einen Zielkonflikt, der fĂŒr wissensintensive Berufe besonders relevant ist: KI kann Teams produktiver machen, zugleich aber TĂ€tigkeiten, ZustĂ€ndigkeiten und Anforderungen so stark verĂ€ndern, dass BeschĂ€ftigte ihre berufliche Perspektive verlieren. Die genannten GrĂŒnde fĂŒr AbgĂ€nge verbinden daher technologische VerĂ€nderung mit klassischen Faktoren der Mitarbeiterbindung – Arbeitsorganisation, Entwicklungsmöglichkeiten und Belastung.

Die Ergebnisse fallen je nach Fachbereich unterschiedlich aus. Der höhere Anteil im Bereich Life Sciences deutet darauf hin, dass die EinfĂŒhrung von KI dort besonders eng mit Forschungs-, Analyse- und Dokumentationsprozessen verbunden sein kann. In IT und Engineering ist der Einsatz ebenfalls weit fortgeschritten, die gemeldeten TeamabgĂ€nge liegen in der Befragung jedoch niedriger.

ProduktivitÀt braucht Gestaltung

FĂŒr Unternehmen folgt daraus, dass ProduktivitĂ€tsgewinne allein nicht ausreichen. Wenn eingesparte Zeit vor allem in zusĂ€tzliche Aufgaben fließt, ohne dass PrioritĂ€ten, Qualifikationen und Verantwortlichkeiten angepasst werden, kann der Nutzen der Technologie die Belastung sogar erhöhen. Weiterbildungen, nachvollziehbare Einsatzregeln und eine frĂŒhe Beteiligung der BeschĂ€ftigten zielen deshalb auf dieselbe Herausforderung: technologische VerĂ€nderung muss mit einer belastbaren beruflichen Perspektive verbunden werden.

Der breitere KI-Diskurs zeigt zugleich, dass die Technologie zunehmend vom Experiment zum Bestandteil des Arbeitsalltags wird. Damit verschiebt sich die zentrale Frage fĂŒr FachkrĂ€fte und Arbeitgeber von der grundsĂ€tzlichen EinfĂŒhrung hin zur konkreten Ausgestaltung von Arbeit, Verantwortung und Entwicklung.

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