Einsamkeit: 22,5% der Sozialleistungsempfänger stark betroffen
Veröffentlicht am: 18.09.2026 um 21:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Einsamkeit betrifft weite Teile der Bevölkerung und weist dabei erhebliche regionale sowie demografische Unterschiede auf. Gemeinsame Schätzungen des niederländischen Instituts für öffentliche Gesundheit und Umwelt (RIVM), des Statistikamts CBS und der kommunalen Gesundheitsdienste (GGD) verdeutlichen dies am Beispiel von Rotterdam: Während sich in Teilen der Stadt einer von vier Erwachsenen einsam fühlt, ist stadtweit einer von sechs Einwohnern Rotterdams stark einsam. Im Stadtteil Carnisse trifft dies sogar auf einen von vier Bewohnern zu.
Lokale Brennpunkte und Altersunterschiede
Die Erhebungen von RIVM, CBS und GGD zeigen für Rotterdam zudem deutliche Differenzen zwischen den Altersgruppen. Unter den Personen ab 65 Jahren gilt einer von sieben als stark einsam, im Stadtteil Feijenoord ist es einer von fünf. Bei den jungen Erwachsenen im Alter von 16 bis 25 Jahren ist stadtweit einer von vier stark einsam.
Ähnliche Muster lassen sich auch in anderen Regionen beobachten:
- In Zoeterwoude liegt die Schätzung von RIVM, CBS und GGD bei einem von zehn Einwohnern mit starker Einsamkeit, im Blankaartpark bei einem von sieben.
Unter den 65-Plussers ist es einer von zwölf, im De Goede Herder einer von acht.
- Für Hilversum weisen RIVM, CBS und GGD einen Wert von einem von sieben Einwohnern aus, im Van Riebeeckkwartier beträgt der Anteil einen von fünf.
Unter den Älteren ab 65 Jahren ist dort einer von zehn betroffen (im Van Riebeeckkwartier einer von sechs), während bei den 16- bis 25-Jährigen einer von fünf als stark einsam gilt.
- Laut Schätzungen des RIVM fühlt sich in Teilen von Zaanstad einer von vier Erwachsenen einsam, in Teilen von Leiden einer von fünf, in Teilen der Krimpenerwaard einer von sechs und in Teilen von Het Hogeland einer von sieben.
Die Hilfsorganisation Luisterlijn verzeichnete im Vorjahr zudem ruim 330.000 Gespräche.
Bundesweite Trends und sozioökonomische Faktoren
Nach Erhebungen des CBS fühlten sich im Jahr 2025 insgesamt 10% der Personen ab 15 Jahren stark einsam, 30% einigermaßen und 60% nicht. Das Amt verweist dabei auf ein seit 2021 stabiles Niveau, während der Vergleichswert 2019 bei 8,7% lag.
Die Zahlen sind eindeutig: 22,5 Prozent der Bezieher von Sozialleistungen sind stark einsam, bei Alleinerziehenden sind es 19 Prozent. Wer in Beratung, Pflege oder Kommune arbeitet, trifft diese Menschen täglich — braucht aber ein Gesprächsformat, das Einsamkeit anspricht, ohne zu beschämen. Der kostenlose Praxisleitfaden zeigt in 5 Schritten, wie Sie Risikogruppen im Quartier erkennen und ins Gespräch kommen. Praxisleitfaden jetzt kostenlos anfordern
In einer weiteren Auswertung bezifferte das CBS den Anteil für 2025 auf 10,1% stark einsam, 29,7% einigermaßen und 60,2% nicht einsam. Aufgeschlüsselt nach Formen lag die starke soziale Einsamkeit bei 15,1% und die emotionale Einsamkeit bei 9,9%.
Hinsichtlich des Alters erfasste das CBS bei den 35- bis 45-Jährigen mit 13% und bei den 45- bis 55-Jährigen mit 12% die höchsten Anteile starker Einsamkeit, während der Wert ab 55 Jahren unter 9% liegt. Bei Alleinwohnenden beträgt der Anteil stark Einsamer 15,8%, bei Alleinerziehenden 19%.
Besonders stark ausgeprägt ist das Phänomen bei Beziehern von Sozialleistungen: Das CBS ermittelte hier einen Anteil von 22,5% stark Einsamer, gegenüber 9,2% bei arbeitenden, studierenden oder rentenbeziehenden Personen. Dieser Unterschied bleibt auch nach statistischer Korrektur für Einkommen und Erwerbstätigkeit bestehen.
Zudem waren 2025 in der niedrigsten Einkommensgruppe 17% stark einsam, verglichen mit 7% in der höchsten Einkommensklasse. Bei Armen und Fast-Armen tritt (starke) Einsamkeit mit 18% bis 19% rund doppelt so häufig auf wie bei Nicht-Armen (9%).
Auch die soziale Einbindung und Herkunft spielen laut CBS eine Rolle: 43% der Menschen ohne regelmäßigen Kontakt zu Nahestehenden sind stark sozial einsam. Unter denjenigen, die sich ausgeschlossen fühlen, liegt der Anteil stark Einsamer bei 33%, während er bei nicht Ausgeschlossenen 6% beträgt. Ohne Freiwilligenarbeit sind 12% stark einsam.
Bei Personen mit Geburtsort außerhalb Europas liegt die starke Einsamkeit bei 17,5%. Stark sozial einsam sind nach CBS-Daten 26,7% (bzw. 27% laut weiterer Auswertung, nach 17% im Jahr 2019) der in Europa außerhalb der Niederlande Geborenen sowie 24,1% (beziehungsweise 24%) der außerhalb Europas Geborenen, verglichen mit 13% bei Personen mit niederländischer Herkunft.
Die Daten des CBS basieren auf der SSW-Untersuchung, die seit 2012 jährlich rund 7.500 Personen ab 15 Jahren umfasst und im Zeitraum 2012 bis 2025 fast 100.000 Befragte erreichte.
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Einsamkeit wird darin seit 2019 mittels der verkürzten De Jong-Gierveld-Skala anhand von sechs Aussagen erfasst; im Jahr 2020 fand keine Messung statt.
Ergänzend zeigen Daten für Utrecht, dass 13% der Erwachsenen und 19% der jungen Erwachsenen ernsthaft einsam sind. Insgesamt fühlen sich dort 45% manchmal einsam und 29% sozial einsam. Vom 24. bis 30. September findet in Utrecht die Woche gegen Einsamkeit mit circa 60 Aktivitäten statt.
