Einsamkeit, Arbeitsplatz

Einsamkeit am Arbeitsplatz: 18 Prozent der Erwerbsfähigen leiden

22.06.2026 - 20:24:06 | boerse-global.de

Psychische Erkrankungen sind mit 42 Prozent die häufigste Ursache für Erwerbsminderungsrenten. Callcenter und Pflege besonders betroffen.

Psychische Störungen: Hauptgrund für Erwerbsminderungsrenten
Einsamkeit - Menschen arbeiten und interagieren in einem modernen Büro, das eine unterstützende Umgebung für berufliche Rehabilitation suggeriert. 22.06.2026 - Bild: über boerse-global.de

Rund 1,8 Millionen Menschen in Deutschland beziehen eine Erwerbsminderungsrente – bei 42 Prozent sind psychische Störungen der Grund. Besonders betroffen: Beschäftigte im Callcenter und in der Pflege.

Die Zahlen sind alarmierend. Laut einer Antwort der Bundesregierung aus dem Jahr 2020 lag der Anteil psychischer Erkrankungen bei Neuzugängen zur Erwerbsminderungsrente bei Frauen mit 48 Prozent deutlich höher als bei Männern mit 35,6 Prozent. Insgesamt bezogen 2019 rund 1,79 Millionen Menschen eine entsprechende Rente.

Branchen im Vergleich: Wo die Psyche leidet

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Aktuelle Daten von Krankenkassen aus dem Jahr 2023 zeigen klare Gewinner und Verlierer. Im Dialogmarketing kamen auf 100 Versicherte 37,2 Arbeitsunfähigkeitsfälle durch psychische Störungen. In der Altenpflege waren es 25,1 Fälle, in der Haus- und Familienpflege 24,8. Auch in der Heilerziehungspflege und Kinderbetreuung liegen die Werte über dem Durchschnitt.

Hilfe zur Rückkehr: Berufliche Trainingszentren

Spezialisierte Einrichtungen bieten Betroffenen konkrete Unterstützung. Das Berufliche Trainingszentrum (BTZ) in Leipzig feierte Anfang Juni 2026 sein zehnjähriges Bestehen. Rund 240 Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen nehmen dort aktuell an Wiedereingliederungsmaßnahmen teil. Bei einer Fachtagung zum Jubiläum betonten Expertinnen wie Cornelia Dittmann und Prof. Dr. Katarina Stengler die Bedeutung von Entstigmatisierung.

Das SRH Berufliche Trainingszentrum in Wiesloch bietet ein ähnliches Spektrum: Eignungsabklärung, Berufsfindung und Qualifizierungen in CNC-Technik, Metallverarbeitung, Küche und Hauswirtschaft. Für den 6. und 20. Juli sowie im August sind dort Informationsveranstaltungen geplant.

Ergänzend gibt es Langzeitangebote. Das Paul-Gerlach-Haus in Düsseldorf existiert seit 1996 und bietet dauerhaftes Wohnen und Betreuung. Lokale Initiativen wie das Fair-Kauf-Haus der Caritas in Geldern nutzen praktische Arbeitsfelder – vom Gartenbau bis zum Einzelhandel – für die Integration.

Was Arbeitgeber beachten müssen

Die rechtlichen Anforderungen werden klarer. Die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) konkretisierte im Juni 2026 im Handbuch Gefährdungsbeurteilung die Vorgaben. Psychische Belastung ist definiert nach DIN EN ISO 10075-1. Das Arbeitsschutzgesetz und die Arbeitsstättenverordnung verpflichten Unternehmen, psychische Faktoren bei Arbeitsaufgaben und sozialen Beziehungen zu berücksichtigen.

Doch Arbeitnehmer sollten vorsichtig sein: Das Landessozialgericht Nordrhein-Westfalen bestätigte im Februar 2026 eine dreimonatige Sperrzeit beim Arbeitslosengeld. Ein Arbeitnehmer hatte ohne konkrete Anschlussbeschäftigung gekündigt – gesundheitliche Gründe waren nicht ausreichend belegt.

Ein positives Signal kommt vom Bundessozialgericht: Im Frühjahr 2025 verpflichtete es eine Krankenkasse zur Übernahme von rund 22.000 Euro für eine stationäre psychiatrische Behandlung. Auch Phasen der Belastungserprobung außerhalb der Klinik schließen die Notwendigkeit einer stationären Behandlung nicht aus.

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Einsamkeit am Arbeitsplatz: 18 Prozent sind betroffen

Neben klinischen Krankheitsbildern rücken soziale Faktoren in den Fokus. Eine im Juni 2026 veröffentlichte Publikation des BKK Dachverbandes zeigt: Rund 18 Prozent der Erwerbsfähigen erleben Einsamkeit im Job. Die Broschüre enthält Hilfestellungen für Betroffene und Unternehmen.

Um die fachliche Betreuung sicherzustellen, gewinnen Ausbildungswege an Bedeutung. Die SRH Höhere Berufsfachschule in Frankfurt am Main bietet zweijährige Ausbildungen zum Sozialassistenten an – inklusive Fachhochschulreife. Eine Investition in die personelle Basis künftiger Unterstützungsstrukturen.

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