Einsamkeit, MĂ€nnern

Einsamkeit bei MĂ€nnern: Anteil seit 2002 verdoppelt, Junge besonders betroffen

Veröffentlicht am: 16.08.2026 um 08:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Kanadische Studie belegt riskante Reaktionen auf MĂ€nnlichkeitsbedrohung. Zudem zeigen Statistiken wachsende Einsamkeit und strukturelle Belastungen bei MĂ€nnern.

MĂ€nnergesundheit: Studie zeigt riskante Kompensationsmechanismen bei MĂ€nnlichkeitsbedrohung
Ein Mann praktiziert Yoga in einem ruhigen, sonnendurchfluteten Raum zur Förderung der psychischen Gesundheit. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die psychische Gesundheit von MĂ€nnern rĂŒckt verstĂ€rkt in den Fokus gesundheitspolitischer und gesellschaftlicher Debatten. Experten wie Josefine Reiermann betonen in diesem Zusammenhang, dass MĂ€nner Angebote zur SelbstfĂŒrsorge und PrĂ€vention, wie etwa Yoga, konsequenter wahrnehmen sollten, um das Risiko fĂŒr psychische Erkrankungen zu senken.

Aktuelle Forschungsergebnisse und statistische Erhebungen verdeutlichen dabei die komplexen Herausforderungen, denen MĂ€nner in Bezug auf Rollenbilder, Arbeitsbelastung und soziale Isolation gegenĂŒberstehen.

Kompensationsverhalten bei Bedrohung der MĂ€nnlichkeit

Wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass traditionelle MÀnnlichkeitsbilder einen erheblichen Einfluss auf das Gesundheitsverhalten haben können.

Eine kanadische Übersichtsstudie der University of British Columbia, die 38 Experimente aus 25 Publikationen der Jahre 2010 bis 2025 auswertete, untersuchte die Reaktionen auf eine empfundene Bedrohung der MĂ€nnlichkeit. Die Ergebnisse zeigen, dass betroffene MĂ€nner hĂ€ufig mit Kompensationsmechanismen reagieren.

Dazu zÀhlen laut der Studie ein gesteigerter Konsum von Fleisch, Alkohol und Energydrinks sowie eine höhere Schmerztoleranz und ein riskanteres Verhalten, beispielsweise der Verzicht auf Kondome. Auf physiologischer Ebene wurden erhöhte Cortisolwerte festgestellt.

Psychologisch Ă€ußere sich die Bedrohung der MĂ€nnlichkeit oft in Scham, Wut, einer verringerten Empathie und aggressivem Verhalten. Die Autoren der Studie wiesen jedoch darauf hin, dass 26 der untersuchten Experimente aus den USA stammten und methodische SchwĂ€chen bestĂŒnden, was die allgemeine Übertragbarkeit einschrĂ€nken könne.

Strukturelle Belastungen und Rollenverteilung

Neben psychologischen Faktoren spielen sozioökonomische Rahmenbedingungen eine wesentliche Rolle fĂŒr das Wohlbefinden. Daten des Statistischen Bundesamtes fĂŒr das Jahr 2024 zeigen eine deutliche Diskrepanz in der Erwerbsstruktur: WĂ€hrend 91,3 % der erwerbstĂ€tigen VĂ€ter mit Kindern unter sechs Jahren in Vollzeit arbeiteten, lag dieser Anteil bei den MĂŒttern lediglich bei 25,6 %.

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Auch bei der Inanspruchnahme von Familienleistungen zeigen sich Unterschiede. Im Jahr 2025 bezogen 417.000 MĂ€nner Elterngeld, wobei die durchschnittliche Bezugsdauer 3,8 Monate betrug. Im Gegensatz dazu nahmen Frauen diese Leistung fĂŒr durchschnittlich 14,9 Monate in Anspruch.

BezĂŒglich der unbezahlten Arbeit ergab eine Erhebung fĂŒr das Jahr 2022, dass MĂ€nner pro Woche 20,5 Stunden leisteten, wĂ€hrend Frauen auf 29,5 Stunden kamen. Die Gesamtarbeitszeit beider Gruppen lag bei 57,5 Stunden pro Woche.

Einsamkeit als steigender Risikofaktor

Ein wachsendes Problem stellt die soziale Isolation dar. In der Schweiz fĂŒhlt sich laut Berichten jede dritte Person einsam. WĂ€hrend 7,1 % der Frauen und 5,7 % der MĂ€nner von schweren EinsamkeitsgefĂŒhlen berichten, hat sich der Anteil bei den MĂ€nnern seit 2002 verdoppelt.

Besonders betroffen ist die jĂŒngere Generation: 8 % der mĂ€nnlichen 15- bis 34-JĂ€hrigen geben an, hĂ€ufig einsam zu sein. Dies entspricht einer Vervierfachung des Wertes im Vergleich zu Daten von vor 20 Jahren.

AnsÀtze in der PrÀvention und Beratung

Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, werden vermehrt spezifische Programme und Veranstaltungen initiiert. Im September 2026 findet beispielsweise in Essen ein Aktionstag unter dem Motto „Mann, was begrenzt dich?“ statt. Die von der regionalen Gleichstellungsstelle, der MĂ€nnerberatung Ruhr und weiteren Partnern organisierte Veranstaltung bietet unter anderem ein Impulsreferat von Andreas Moorkamp an.

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Zudem etablieren sich digitale PrĂ€ventionsangebote. Die RoMed Kliniken, die jĂ€hrlich rund 200.000 Patienten versorgen, fĂŒhren das digitale System „Sundi“ ein. Das Angebot wurde vom Bosch Health Campus und der CharitĂ© in Kooperation mit dem Karolinska Institutet entwickelt und bietet KI-gestĂŒtzte Gesundheitsinformationen in 80 Sprachen an.

Auch VR- und MR-Anwendungen gewinnen im betrieblichen Gesundheitsmanagement an Bedeutung. Das Unternehmen viality Health bĂŒndelt entsprechende Module zur Aktivierung und Entspannung.

Eine im Jahr 2026 im Zentralblatt fĂŒr Arbeitsmedizin veröffentlichte Übersichtsarbeit, die 21 Studien berĂŒcksichtigte, stellte hierbei ĂŒberwiegend positive Effekte auf das subjektive Stresserleben fest, betonte jedoch den Bedarf an weiterer Forschung.

FĂŒr MĂ€nner in akuten beruflichen Belastungssituationen bieten Anlaufstellen wie die Perspektive Arbeit & Gesundheit (PAG) vertrauliche und anonyme Sprechstunden an, um frĂŒhzeitig UnterstĂŒtzung bei psychischen Herausforderungen im Arbeitskontext zu ermöglichen.

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