Einsamkeit: Hirnforscher vergleicht Gesundheitsrisiko mit 15 Zigaretten tÀglich
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 02:34 Uhr | Redaktion boerse-global.deDer Bayerische PrĂ€ventionstag in Neu-Ulm hat die psychische Gesundheit in den Mittelpunkt seiner thematischen Ausrichtung gerĂŒckt. Im Zentrum der regionalen Veranstaltung standen die Wechselwirkungen zwischen sportlicher AktivitĂ€t und seelischem Wohlbefinden sowie der Einfluss, den Trainerinnen, Trainer und Ăbungsleitende auf Teilnehmende von Sportkursen â insbesondere Kinder â ausĂŒben.
Organisiert wurde der PrĂ€ventionstag von den Gesundheitsregionen der Landkreise Neu-Ulm und GĂŒnzburg in Kooperation mit der AOK Direktion GĂŒnzburg und der Volkshochschule Landkreis Neu-Ulm.
Marc Löchner, GeschÀftsstellenleiter der Gesundheitsregion plus Neu-Ulm, verwies im Rahmen der Veranstaltung darauf, dass psychische Erkrankungen zugenommen hÀtten, was sich zunehmend auch bei Kindern beobachten lasse.
Der PrĂ€ventionstag ist fester Bestandteil des Masterplans PrĂ€vention des Bayerischen Gesundheitsministeriums. Nachdem die Initiative im Jahr 2025 zunĂ€chst an bayerischen Schulen angelaufen war, stand das Angebot im Jahr 2026 erstmals allen interessierten BĂŒrgerinnen und BĂŒrgern offen.
Belastungen durch Isolation und Mediennutzung
Die wachsende Bedeutung seelischer Schutzfaktoren spiegelt sich auch in weiteren regionalen Fachveranstaltungen im sĂŒddeutschen Raum wider. Am 16. Oktober 2026 veranstaltete das Gesundheitsamt Konstanz im Radolfzeller Milchwerk die Zusammenkunft unter dem Titel Gemeinsam statt einsam mit rund 450 Teilnehmenden, organisiert in Zusammenarbeit mit dem Land Vorarlberg, dem Jugendkreisrat und dem Kreisseniorenrat des Landkreises Konstanz sowie der Senioren Plattform Bodensee und dem Zentrum fĂŒr Psychiatrie Reichenau.
Der Psychiater und Hirnforscher Manfred Spitzer stellte dort Einsamkeit als ernstes Gesundheitsrisiko dar und verglich deren SchĂ€dlichkeit mit dem tĂ€glichen Konsum von 15 Zigaretten. GestĂŒtzt auf eine Untersuchung mit drei Millionen Teilnehmenden bezeichnete er Einsamkeit als das gröĂte Gesundheitsrisiko, gravierender noch als Alkohol, Rauchen oder Ăbergewicht.
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Laut Spitzer sind 19-jÀhrige Frauen am stÀrksten betroffen. Zudem wies er darauf hin, dass 16- bis 18-JÀhrige in Deutschland im Schnitt 72 Stunden pro Woche Medien konsumieren, was einer tÀglichen Dauer von zehn Stunden entspricht.
Die Sozialwissenschaftlerin Eva HĂ€fele ergĂ€nzte per Liveschaltung Daten zu 300 Teilnehmenden aus Vorarlberg: Ein Viertel bis ein Drittel der Befragten erlebe regelmĂ€Ăig Einsamkeit, wobei die Gruppe der 16- bis 29-JĂ€hrigen am hĂ€ufigsten betroffen sei. Lediglich drei Prozent der Jugendlichen griffen bei psychischen Problemen auf professionelle Beratung zurĂŒck.
Kommunale Strategien und praktische PrÀventionsangebote
Um negativen Begleiterscheinungen eines hohen Medienkonsums entgegenzuwirken, setzen Kommunen auf gezielte AufklÀrung. Am 28. Oktober 2026 bieten die Volkshochschule, das Gesundheitsamt und die Psychosoziale Beratungsstelle Memmingen einen Vortrag zu exzessivem Medienverhalten im Maximilian-Kolbe-Haus und im Internet an.
Die SozialpĂ€dagoginnen Anna Maria Breher vom Gesundheitsamt und Nadine Ochmann von der Psychosozialen Beratungsstelle informieren darin ĂŒber aktuelle Trends, Warnsignale und konkrete Handlungsmöglichkeiten. Die Auswirkungen von Smartphones auf das Gehirn beleuchtet zudem Hirnforscher Martin Korte am 26. Oktober 2026 beim Frankenberger Winterabend.
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In Nordrhein-Westfalen fĂŒhren die Volkshochschule Detmold-Lemgo und das Projekt digital.interkommunal Kalletal.Lemgo im November 2026 mehrere FachvortrĂ€ge durch. Neben Themen wie dem Einsatz von Gesundheits-Apps am 5. November 2026 und kĂŒnstlicher Intelligenz in der Radiologie am 10. November 2026 spricht MedienpĂ€dagoge Tom Roschig am 20. November 2026 im Haus Wippermann in Lemgo ĂŒber mentale Gesundheit im Zeitalter digitaler Bildschirme.
Neben VortrÀgen entstehen auch verhaltensbezogene Interventionen im Schulbereich: Das Gesundheitsamt des Kreises Heinsberg veranstaltet im November 2026 an regionalen Grundschulen die Aktion Einfach mal abschalten.
Das Vorhaben sieht vor, dass Kinder ihre unterrichtsfreie Zeit ohne interaktive Bildschirmmedien wie Smartphones oder Tablets verbringen, wÀhrend angemessenes Fernsehen sowie reine Hörangebote erlaubt bleiben. Eltern bestÀtigen die bildschirmfreien Phasen schriftlich, und engagierte Schulklassen werden prÀmiert.
