Einsamkeit im Alter: 90.000 ĂŒber 85-JĂ€hrige in der Schweiz betroffen
Veröffentlicht am: 23.09.2026 um 21:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Einsamkeit im Alter ist zu einem Handlungsfeld geworden, dem sich StĂ€dte, Landkreise, WohlfahrtsverbĂ€nde und Volkshochschulen mit unterschiedlichsten AnsĂ€tzen widmen. Von Nachbarschaftstreffs ĂŒber digitale UnterstĂŒtzungsangebote bis zu Wohnprojekten reicht das Spektrum der Initiativen, die soziale Teilhabe Ă€lterer Menschen fördern sollen.
AusmaĂ des Problems
Pro Senectute geht laut ihrem Altersmonitor davon aus, dass in der Schweiz rund 37 Prozent der ĂŒber 85-JĂ€hrigen von Einsamkeit betroffen sind â das entspreche etwa 90.000 Personen.
Nach Angaben der Organisation leiden Betroffene hĂ€ufiger unter Bluthochdruck und Depressionen, bewegen sich weniger und sind erhöhtem Stress ausgesetzt. Pro Senectute GraubĂŒnden reagiert darauf mit Begleitdiensten, UnterstĂŒtzungs- und Beratungsangeboten fĂŒr Ă€ltere Menschen.
Kommunale und ehrenamtliche Projekte
In Deutschland setzen mehrere Kommunen auf niedrigschwellige Begegnungsformate. Die Stadt OsnabrĂŒck wurde als Pilotkommune fĂŒr ein Projekt ausgezeichnet, bei dem Ehrenamtliche Seniorinnen und Senioren im Umgang mit Smartphones und digitalen GerĂ€ten unterstĂŒtzen â die Treffen sollen neben digitaler Teilhabe auch persönliche Kontakte fördern und so Isolation vorbeugen.
Im Berliner Bezirk Reinickendorf wurde im HOWOGE-Kiezort Brusi in der BrusebergstraĂe 24 der zehnte Stammtisch gegen Einsamkeit eröffnet. Das offene Angebot erfordert keine Anmeldung und findet kĂŒnftig donnerstags in ungeraden Kalenderwochen von 15.30 bis 17.30 Uhr statt, nĂ€chster Termin ist der 24. September 2026. Der Stammtisch ist Teil der Einsamkeitsstrategie des Bezirks.
Im Saarland bestehen die Seniorenpatenschaften des Caritasverbands Saar-Hochwald und des Landkreises Merzig-Wadern bereits seit zehn Jahren. Derzeit engagieren sich 33 Seniorenpaten, darunter 31 Frauen und zwei MÀnner, wÀhrend 14 Àltere Menschen auf eine Vermittlung warten. Das Angebot umfasst persönliche Besuche, gemeinsame AktivitÀten sowie monatliche Treffen und Informationsveranstaltungen.
Das Programm âĂlter werden in der Gemeinschaftâ (Agathe) stellte im Wartburgkreis sein kostenfreies Beratungsangebot vor. Mit einer Wanderplauderbank war es von 14.30 bis 16.30 Uhr im CafĂ© Thinka in Eisenach prĂ€sent und sollte anschlieĂend im Nicolaitreff in Creuzburg Halt machen. Ziel des freiwilligen und vertraulichen Beratungsangebots ist es, Einsamkeit und Isolation vorzubeugen und Teilhabe zu stĂ€rken.
In Oberkirch stellte die Stadt das Projekt âRadeln ohne Alterâ vor: Geschulte ehrenamtliche Rikscha-Piloten bieten Pflegeheimbewohnern kostenlose AusflĂŒge an. Mit UnterstĂŒtzung einer Stiftung und des Vereins Altenpflegeheime wurde eine zweite Rikscha angeschafft; mittwochs werden bereits zwei Fahrten angeboten, ein weiterer Ausbau ist geplant. Die Ausfahrten dauern in der Regel zwischen 30 Minuten und zwei Stunden.
Kommunale Förderung und Finanzierungsdebatten
In Freiburg umfasst der Massnahmenplan Senior+ fĂŒr die Jahre 2026 bis 2030 insgesamt 28 Massnahmen mit einem Gesamtvolumen von 5,088 Millionen Franken â rund 695.000 Franken mehr als im vorherigen Plan. Davon sind 100.000 Franken fĂŒr generationenĂŒbergreifende Projekte vorgesehen.
Von 14 im Juni 2025 eingereichten Projekten wurden acht ausgewĂ€hlt, darunter âCafĂ©s-rĂ©citsâ und âGenerationen am Herdâ; neue AntrĂ€ge können bis zum 13. November 2026 eingereicht werden.
In Bremen protestierten Begegnungszentren gegen aus ihrer Sicht unzureichende Förderung und sammelten dafĂŒr rund 1.000 Unterschriften. Laut einer Sprecherin gibt es 28 Zentren fĂŒr mehr als 160.000 Bremerinnen und Bremer ĂŒber 60 Jahre. Die stĂ€dtische Förderung liegt je nach Kategorie zwischen 17.000 und 46.000 Euro jĂ€hrlich pro Zentrum.
Das Sozialressort erklĂ€rte laut einem Bericht von buten un binnen vom 22. September 2026, die Förderung 2026 um 5 Prozent auf 1,16 Millionen Euro erhöht zu haben, nachdem sie im Haushalt 2024/2025 bereits um 7 Prozent gestiegen sei. Die TrĂ€ger widersprachen dieser Darstellung und wiesen darauf hin, dass nicht alle Zentren die zusĂ€tzlichen Mittel ĂŒberhaupt hĂ€tten beantragen können.
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Demenz als weiteres Handlungsfeld
Sozialministerin Stefanie Drese aus Mecklenburg-Vorpommern rief anlÀsslich des Welt-Alzheimertags in Schwerin dazu auf, Menschen mit Demenz und ihre Angehörigen stÀrker einzubeziehen.
In dem Bundesland leben demnach bereits mehr als 40.000 Menschen mit Demenz, wobei die Zahl aufgrund des demografischen Wandels laut Ministerium weiter steigen dĂŒrfte. Der im August vorgestellte erste Demenzplan des Landes umfasst zehn Handlungsfelder; die Woche der Demenz lief vom 21. bis 27. September 2026.
Fachveranstaltungen und Wohnprojekte
Auch auf fachlicher Ebene wird das Thema aufgegriffen: Der Landkreis WolfenbĂŒttel veranstaltet am 16. Oktober 2026 eine Seniorenkreisleitungstagung im Bildungszentrum WolfenbĂŒttel zu Einsamkeit im Alter und zur Weiterentwicklung der offenen Seniorenarbeit.
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Claudia Kaiser von der Ostfalia stellt dabei die Studie âWenSenâ vor, ein weiterer Programmpunkt widmet sich Musik fĂŒr Senioren. Die Teilnahme kostet 10 Euro inklusive Verpflegung, Anmeldeschluss ist der 9. Oktober 2026.
Im Sommer 2026 richtete die Augsburger Volkshochschule bereits am 25. Juni einen fachtag zum Thema âAlter gemeinsam gestalten: Seniorinnen und Senioren mit Migrationsgeschichte im Fokusâ aus, der Teil des EU-geförderten Projekts DIWA 4.0 ist und Themen wie digitale Assistenz, interkulturelle Kompetenz und Demenz und Migration behandelte.
Niedrigschwellige GesprĂ€chsangebote entstehen zudem in Aglasterhausen, wo die VHS Mosbach ab dem 12. Oktober 2026 einen offenen Treff zu Themen wie Digitalisierung und Klima anbietet, ohne Anmeldepflicht und barrierefrei. In Hamburg feiert der Verein Wege aus der Einsamkeit e.V. den Weltseniorentag am 1. Oktober 2026 mit Singen, Kennenlernspielen und Tanz â nach eigenen Angaben bereits zum zwölften Mal seit 2014, mit bis zu 200 erwarteten GĂ€sten.
Auch Wohnkonzepte spielen eine Rolle: In Bad Erlach errichtet die WETgruppe 21 geförderte, barrierefreie Seniorenwohnungen mit rund 43 bis 60 Quadratmetern WohnflĂ€che, die soziale Betreuung ĂŒbernimmt Mater Salvatoris. Das Projekt gehört zu elf Pilotprojekten in Niederösterreich und verbindet selbststĂ€ndiges Wohnen mit bedarfsgerechter UnterstĂŒtzung durch Gemeinschaftsraum, Tagesbetreuung und Therapieraum.
Die Vielzahl der Initiativen zeigt, dass Einsamkeit im Alter inzwischen als vielschichtiges Problem behandelt wird, das digitale, finanzielle, bauliche und gemeinschaftliche Antworten gleichermaĂen erfordert.
