Einzelhandel-Krise: 43 BayWa-Märkte und 19 Kodi-Filialen schließen
Veröffentlicht am: 10.09.2026 um 07:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die aktuelle wirtschaftliche Lage im deutschen Einzelhandel ist im September 2026 durch eine signifikante Zunahme von Standortschließungen und Restrukturierungsmaßnahmen geprägt.
Berichte über großflächige Räumungsverkäufe sowie eine verstärkte Nachfrage nach professionellen Entsorgungs- und Demontagedienstleistungen deuten auf tiefgreifende Veränderungen in verschiedenen Segmenten hin, die vom Baumarktsektor über den Fachhandel bis hin zu Discountern reichen.
Sanierungsverfahren und Standortschließungen im Baumarktsektor
Besonders betroffen zeigt sich derzeit der Bereich der Bau- und Gartenmärkte. Die BayWa Bau- und Gartenmärkte, die insgesamt 43 Standorte in Süddeutschland betreiben und rund 60.000 Produkte im Sortiment führen, befinden sich gemeinsam mit dem Unternehmen HELLWEG seit Mitte Juni in einem Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung. Während das Verfahren am 31. August offiziell eröffnet wurde, konnten bereits für 17 BayWa-Märkte Übernahmelösungen gefunden werden.
Für andere Standorte bleibt die Situation kritisch. In Bad Hersfeld startete am 7. September 2026 ein Räumungsverkauf des gesamten Sortiments, da dem Markt ohne einen Investor bis Ende November 2026 die Schließung droht. Ähnliche Entwicklungen werden aus Gaildorf, Dinkelsbühl und Rothenburg gemeldet, wo bereits Kündigungen ausgesprochen wurden.
Einen anderen Verlauf nimmt die Entwicklung in Nördlingen: Dort begann ebenfalls am 7. September 2026 ein Räumungsverkauf, allerdings hat nach Unternehmensangaben bereits ein anderes Baumarkt-Unternehmen den Zuschlag für den Standort erhalten, womit eine Neueröffnung für das Jahr 2027 geplant sei.
Auch HELLWEG setzt Sanierungsmaßnahmen um. An den niedersächsischen Standorten Wolfenbüttel, Langenhagen und Bad Nenndorf begannen am 7. September 2026 Räumungsverkäufe. Der Markt in Wolfenbüttel solle jedoch bis auf Weiteres geöffnet bleiben.
Umstrukturierung bei Kodi und Rückzug im Fachhandel
Der Haushaltsdiscounter Kodi steht vor einer umfassenden Verkleinerung seines Filialnetzes. Nach einem Insolvenzantrag im Juli 2026 beim Amtsgericht Halle (Saale) — der zweiten Insolvenz nach einem Schutzschirmverfahren im November 2024 — werden 19 der 144 Geschäfte in Nordrhein-Westfalen aufgegeben.
43 BayWa-Standorte, 19 Kodi-Filialen, Räumungsverkäufe in Bad Hersfeld, Wolfenbüttel und Langenhagen: Die laufende Insolvenzwelle im deutschen Einzelhandel zwingt Filialentscheider, Standortportfolios neu zu bewerten. Wer früh strukturiert, statt auf ein Investorenangebot zu warten, behält Handlungsspielraum. Kostenlosen Leitfaden zur Filial-Restrukturierung anfordern
Betroffen sind unter anderem Standorte in Bochum, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Gelsenkirchen und Wuppertal. Während für 69 Filialen der Fortbestand gesichert scheint, bleibt die Zukunft von 56 weiteren Geschäften offen.
Mit der erwarteten Verfahrenseröffnung am 1. Oktober 2026 durch das zuständige Amtsgericht ist mit Kündigungen für die betroffenen der knapp 1.200 Beschäftigten zu rechnen. Das Insolvenzgeld für die Mitarbeiter sei bis zum 30. September 2026 gesichert. Bereits im vorangegangenen Schutzschirmverfahren war die Filialanzahl von etwa 240 auf 150 reduziert worden.
Auch im Fachhandel und im Möbelbereich zeigen sich deutliche Einschnitte:
* MEDIMAX Berlin-Hellersdorf: Der Standort im SpreeCenter wird aufgegeben.
Ein Räumungsverkauf mit Preisnachlässen von 30 Prozent auf Zubehör wurde für den 11. September 2026 angekündigt. Dabei werden Technikartikel wie ein LG OLED Fernseher für 688 Euro statt 1.799 Euro oder Akkusauger von Severin für 77 Euro angeboten.
* Möbelhaus Krüger in Kritzkow: Das Haus schließt zum Jahresende 2026. Seit dem 2. September und noch bis zum 24. Oktober 2026 findet ein Räumungsverkauf von rund 6.500 Artikeln statt, bei dem Nachlässe von bis zu 50 Prozent auf Ausstellungsstücke gewährt werden.
* Tedi Hildesheim: Die größte Filiale des Unternehmens in Hildesheim, gelegen im Erdgeschoss eines ehemaligen Kaufhauses, wird seit dem 7. September 2026 geräumt.
Steigende Nachfrage nach Entsorgungs- und Liquidationsdienstleistungen
Die hohe Zahl an Geschäftsaufgaben zieht eine verstärkte Tätigkeit von Entsorgungs- und Entrümpelungsdienstleistern nach sich. Öffentliche Ausschreibungen und Angebote für die professionelle Demontage von Einrichtungsgegenständen nehmen zu. Dienstleister wie Eni Umzüge in Stuttgart bieten spezialisierte Services für Haushaltsauflösungen, Entrümpelungen und die besenreine Übergabe inklusive Renovierungsvorbereitungen an.
Für 56 der 144 Kodi-Geschäfte ist die Zukunft noch offen, und in Gaildorf, Dinkelsbühl und Rothenburg wurden bereits Kündigungen ausgesprochen. Wer in dieser Lage liquidieren muss, braucht einen belastbaren Ablauf für Räumungsverkauf, Demontage und Übergabe — nicht Improvisation. Checkliste Räumungsverkauf jetzt sichern
Auch im privaten Bereich ist eine rege Aktivität bei Haushaltsliquidationsdiensten zu beobachten. In Städten wie Heidelberg und Worms werden komplette Entrümpelungen von Häusern, Kellern und Gärten für Pauschalbeträge von verhandelbaren 1.200 Euro angeboten.
In Offenburg-Oststadt ist für den 26. September eine größere Haushaltsauflösung angekündigt, bei der von Möbeln und Antiquitäten bis hin zu Elektrogeräten und Kleidung diverse Bestände auf Verhandlungsbasis veräußert werden sollen.
Mehr zum Thema bei Süddeutsche Zeitung: „Stationärer Einzelhandel - Diese Kodi-Filialen schließen – weitere könnten folgen - Wirtschaft“
