Eisen-, B12-Mangel

Eisen- und B12-Mangel: Gastritis kann die Aufnahme trotz PrÀparaten stören

Veröffentlicht am: 24.10.2026 um 12:06 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Chronische MagenschleimhautentzĂŒndungen können die Aufnahme von Eisen und Vitamin B12 behindern; Untersuchungen klĂ€ren Ursachen und Behandlung.
Mikroskopische Nahaufnahme des menschlichen Gewebes der Darmschleimhaut mit Fokus auf die feine Zellstruktur. Illustration mit AI erstellt.

Wenn der Körper trotz regelmĂ€ĂŸiger Einnahme von NahrungsergĂ€nzungsmitteln wiederholt Defizite an Eisen oder Vitamin B12 aufweist, liegt der Grund hĂ€ufig nicht an einer unzureichenden Zufuhr.

Fachberichte weisen darauf hin, dass hartnĂ€ckige Mangelerscheinungen vielfach auf zugrunde liegende Erkrankungen des Magen-Darm-Trakts zurĂŒckgehen, insbesondere auf chronische SchleimhautentzĂŒndungen wie die Gastritis. In solchen FĂ€llen ist der Verdauungstrakt nicht mehr in der Lage, die zugefĂŒhrten MikronĂ€hrstoffe ĂŒber die Schleimhaut aufzunehmen.

Gestörte Resorptionsmechanismen im Magen-Darm-Trakt

Ein zentraler Auslöser fĂŒr Resorptionsprobleme ist die atrophische Gastritis, die mit einem chronischen Verlust von DrĂŒsengewebe einhergeht. Dabei werden die Belegzellen des Magens geschĂ€digt, was gravierende Folgen fĂŒr den NĂ€hrstoffhaushalt hat: Diese Zellen produzieren sowohl die SalzsĂ€ure als auch den Intrinsic Factor.

Fehlt dieser sogenannte Castle-Faktor, kann Vitamin B12 im terminalen Ileum nicht mehr gebunden und resorbiert werden. Da die Leber ĂŒber erhebliche B12-Reserven verfĂŒgt, die den Bedarf ĂŒber mehrere Jahre decken können, treten klinische Mangelsymptome oft erst mit erheblicher zeitlicher Verzögerung zutage.

Gleichzeitig hemmt ein Mangel an SalzsĂ€ure die Eisenaufnahme im Zwölffingerdarm. Die MagensĂ€ure ist erforderlich, um dreiwertiges Nicht-HĂ€m-Eisen (Fe3+) in das fĂŒr den Körper verwertbare zweiwertige Eisen (Fe2+) umzuwandeln. Ein SĂ€uredefizit verhindert diesen Prozess und begĂŒnstigt somit das Entstehen einer EisenmangelanĂ€mie.

Ursachen, Risikofaktoren und Symptome

Zu den Hauptursachen einer atrophischen SchleimhautentzĂŒndung zĂ€hlen Autoimmunprozesse, bei denen das Immunsystem die eigene Magenschleimhaut angreift. Diese Form tritt hĂ€ufig in Begleitung anderer Autoimmunerkrankungen wie Hashimoto-Thyreoiditis, Typ-1-Diabetes oder Vitiligo auf und kann zur Addison-Biermer-AnĂ€mie fĂŒhren.

Ein weiterer verbreiteter Faktor ist eine Besiedlung mit dem Bakterium Helicobacter pylori, von der Frauen und Personen ĂŒber 50 Jahren verstĂ€rkt betroffen sind.

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Auch Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Aspirin, Alkoholmissbrauch sowie Lachgaskonsum können den Magen schĂ€digen. Eine Studie aus Peking aus dem Jahr 2020 mit 526 Patienten zeigte zudem, dass unregelmĂ€ĂŸige Essenszeiten und schnelles Essen stark mit Magenschmerzen einhergehen.

DarĂŒber hinaus hemmen bestimmte Medikamente wie Protonenpumpenhemmer, H2-Rezeptorblocker oder das Antidiabetikum Metformin die NĂ€hrstoffaufnahme. Neben Resorptionsstörungen durch Zöliakie, Morbus Crohn oder Magen-Darm-Operationen kann ein Defizit aber auch ernĂ€hrungsbedingt entstehen, etwa bei veganer oder vegetarischer Kost. Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung empfiehlt Veganern daher PrĂ€parate sowie regelmĂ€ĂŸige Blutkontrollen.

Klinisch Ă€ußert sich ein B12-Mangel anfangs durch MĂŒdigkeit, BlĂ€sse, Schwindel, Kopfschmerzen und Atemnot bei Belastung. Bei fortschreitendem Mangel drohen neurologische und psychische Komplikationen wie TaubheitsgefĂŒhle, Kribbeln in den Gliedmaßen, Gangunsicherheit, brennende Zunge, Sehstörungen, Verwirrtheit und GedĂ€chtnisstörungen.

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Diagnostische AbklÀrung und Therapiestrategien

Die UrsachenabklÀrung erfordert differenzierte Untersuchungen. Ein Blutbild unterscheidet zwischen einer makrozytÀren AnÀmie bei B12-Defizit und einer mikrozytÀren AnÀmie bei Eisenmangel.

Bei B12-Verdacht gilt ein Gesamt-B12-Wert unter 400 Nanogramm pro Liter als Hinweis auf ein Defizit; aussagekrÀftiger sind Holotranscobalamin (Holo-TC) oder der MethylmalonsÀure-Wert, wobei letzterer auch bei Nierenfunktionsstörungen ansteigen kann.

Zur weiteren AbklÀrung werden Ferritin, Gastrin, Pepsinogen I sowie Parietalzell- (PCA) und Intrinsic-Factor-Antikörper analysiert. Als diagnostischer Standard zur BestÀtigung einer Gastritis gilt eine Gastroskopie samt Biopsie inklusive Test auf Helicobacter pylori.

Therapeutisch muss bei Aufnahmestörungen die Verabreichungsform angepasst werden. B12 kann intramuskulĂ€r oder in hoher oraler Dosierung von etwa 1000 Mikrogramm pro Tag zugefĂŒhrt werden, da bei dieser Menge ein Teil ĂŒber passive Diffusion aufgenommen wird.

Eine Cochrane-Übersichtsarbeit aus dem Jahr 2018 bestĂ€tigte, dass hochdosierte Tabletten Ă€hnlich wirksam wie Injektionen sein können; bei Autoimmungastritis ist die Substitution meist lebenslang erforderlich. Eisen wird oral oder intravenös substituiert.

Liegt eine Helicobacter-pylori-Infektion vor, wird eine Eradikation mittels Antibiotika angestrebt. Je nach Beschwerdebild kommen ergĂ€nzend Antazida, SĂ€ureblocker, Prokinetika wie Mosaprid oder Itoprid sowie Verdauungsenzyme zum Einsatz. Bei atrophischer Gastritis raten Fachleute zudem zu regelmĂ€ĂŸigen endoskopischen Kontrollen im Abstand von einigen Jahren, da ein erhöhtes Risiko fĂŒr Magenkrebs und neuroendokrine Tumoren besteht.

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