Eisenmangel, ASH

Eisenmangel: ASH hebt Ferritin-Grenzwert für Erwachsene auf 30 ng/ mL an

Veröffentlicht am: 17.10.2026 um 08:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neue Empfehlungen differenzieren Eisenmangel-Grenzwerte nach Personengruppe und Entzündung; weitere Behandlungsstandards sind für 2027 vorgesehen.
Leere, sterile Reagenzgläser in einem modernen medizinischen Labor, die für diagnostische Untersuchungen stehen. Illustration mit AI erstellt.

Die American Society of Hematology bereitet für das Jahr 2027 die Veröffentlichung einer weiteren Behandlungsleitlinie sowie eines umfassenden Strategiepapiers zur Bekämpfung von Eisenmangel vor.

Die Initiative folgt auf die am 16. September 2026 im Fachjournal Blood Advances publizierten Empfehlungen der Fachgesellschaft, welche die diagnostischen Schwellenwerte für Serumferritin grundlegend neu definiert haben.

Nach Angaben von ASH-Präsident Robert S. Negrin sind weltweit geschätzt zwei Milliarden Menschen von Eisenmangel betroffen, wobei ein erheblicher Teil der Fälle unentdeckt bleibt.

Angehobene Ferritin-Grenzwerte für die klinische Praxis

Die aktualisierten Richtlinien zielen darauf ab, bestehende diagnostische Lücken zu schließen. Die Leitlinienvorsitzende Jacquelyn M. Powers vom Baylor College of Medicine und dem Texas Children's Hospital in Houston betonte, dass die angepassten Grenzwerte dort klare Orientierung böten, wo es zuvor an einem einheitlichen Konsens gefehlt habe.

Für Kinder im Alter von 9 Monaten bis 4 Jahren ohne bekannte oder vermutete Entzündungen empfiehlt die Richtlinie nun einen Ferritin-Grenzwert von höchstens 20 ng/mL anstelle der bisherigen Marke von höchstens 12 ng/mL. Bei Erwachsenen ohne Menstruation oder Schwangerschaft wurde der Schwellenwert von höchstens 15 ng/mL auf höchstens 30 ng/mL angehoben.

Der gleiche Grenzwert von höchstens 30 ng/mL gilt gemäß den Empfehlungen für menstruierende Personen sowie für Schwangere, nachdem zuvor ebenfalls 15 ng/mL angesetzt worden waren. Liegt eine starke Menstruation oder eine abnormale uterine Blutung vor, stuft die Leitlinie bereits Werte von höchstens 50 ng/mL als Indikator für einen Mangel ein.

Diagnostische Differenzierung bei Entzündungen

Ein wesentlicher Schwerpunkt der fachlichen Debatte liegt auf Begleiterkrankungen. Da Ferritin ein Akutphase-Protein darstellt, kann der Wert bei Infektionen, Entzündungen und chronischen Leiden trotz eines bestehenden Mangels normal oder erhöht ausfallen.

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Bei einer Anämie infolge von Entzündungen empfiehlt die Leitlinie daher die kombinierte Bestimmung von Ferritin und Transferrinsättigung. Als kritisch gelten dabei ein Ferritinwert von unter 100 ng/mL oder eine Transferrinsättigung von unter 20 %.

Fachmediziner betonen in diesem Zusammenhang, dass ein normales Hämoglobin oder Ferritin einen Eisenmangel nicht grundsätzlich ausschließt, da die Eisenspeicher bereits entleert sein können, bevor das Hämoglobin absinkt.

Der Hämatologe Özkan Sayan wies darauf hin, dass ein Wert von 20 ng/mL in vielen Laborreferenzen noch als unauffällig ausgewiesen werde, nach aktuellen Kriterien jedoch bereits einen Mangel darstelle.

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Auch auf internationaler Ebene wird über die Schwellen diskutiert: Während typische Referenzwerte finnischer Labore bei Frauen bei etwa 13 bis 15 µg/l und bei Männern bei 20 bis 30 µg/l liegen, stufte Tuija Männistö von der Universität Ostfinnland einen Grenzwert von 30 µg/l als begründet ein, während Gabriele Sved für Risikogruppen bis zu 50 µg/l forderte.

Kriterien für die Therapie und Ausblick auf 2027

Für die orale Eisentherapie formuliert die Richtlinie klare Kontrollparameter. Ein Therapieansprechen zeigt sich demnach durch einen Anstieg der Retikulozyten nach 8 Tagen oder ein Plus beim Hämoglobin von 1 g/dL nach 4 Wochen.

Nach erfolgter Normalisierung des Hämoglobinwerts sollte die Supplementierung über 4 bis 6 Monate fortgeführt werden, um die Speicher aufzufüllen. Zudem beeinflussen Ernährungskomponenten die Aufnahme: Während Vitamin C die Resorption fördert, hemmen Polyphenole aus Kaffee und Tee die Aufnahme.

Von einer eigenmächtigen oder unkontrollierten Eiseneinnahme raten Fachleute ab, da stets die zugrunde liegende Ursache ermittelt werden muss. Die für 2027 angekündigte Behandlungsleitlinie sowie der strategische Rahmenplan der Fachgesellschaft sollen die therapeutischen Standards weiter konkretisieren.

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