Eisenmangel: ASH hebt Ferritin-Grenzwerte für Schwangere auf 30 ng/ mL
Veröffentlicht am: 30.10.2026 um 01:53 Uhr | Redaktion boerse-global.deEisenmangel zählt weltweit zu den häufigsten ernährungsbezogenen Defiziten, bleibt jedoch bei vielen Betroffenen lange unbemerkt. Die American Society of Hematology (ASH) veröffentlichte am 16. September 2026 in der Fachzeitschrift Blood Advances erste evidenzbasierte Leitlinien zur Diagnostik.
Zentrales Element der Veröffentlichung ist eine deutliche Anhebung der diagnostischen Ferritin-Schwellenwerte, um Versorgungs- und Erkennungslücken zu schließen. Über die neuen Vorgaben berichtete unter anderem die Fachzeitschrift JAMA am 23. Oktober 2026.
Deutliche Anhebung der Grenzwerte für Risikogruppen
Ferritin gilt als wichtigster Marker zur Erfassung der Eisenspeicher im Körper. Ein routinemäßiges Blutbild reicht oft nicht aus, da ein Mangel bereits vorliegen kann, bevor der Hämoglobinwert sinkt. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) orientiert sich bei Schulkindern und Erwachsenen an einem Grenzwert von unter 15 ng/mL. Demgegenüber empfiehlt die Fachgesellschaft nun höhere Grenzwerte:
- Kinder von 9 Monaten bis 4 Jahren: Ein Wert von ?20 ng/mL gilt als Schwelle für einen Mangel (zuvor ?12 ng/mL).
- Erwachsene, Menstruierende und Schwangere: Der Richtwert wird auf ?30 ng/mL angehoben (zuvor ?15 ng/mL). Für Schwangere soll die bisherige Schwelle von 15 ng/mL ausdrücklich nicht mehr herangezogen werden.
- Hochrisikogruppen: Bei Personen mit starker Menstruation oder Schwangeren mit bereits bestehender Anämie liegt die Schwelle bei ?50 ng/mL.
- Erwachsene mit chronischen Entzündungen: Hier gilt ein Grenzwert von <100 ng/mL oder eine Transferrinsättigung von unter 20 %. Da Ferritin bei Entzündungen als Akute-Phase-Protein ansteigen kann, verlangt dieser Kontext eine differenzierte Betrachtung.
Die ASH weist darauf hin, dass ein Unterschreiten dieser Grenzwerte keine automatische Indikation für eine Therapie darstellt. Zudem basieren die aktuellen Empfehlungen auf Daten niedriger bis sehr niedriger Sicherheit. Spezifische Leitlinien zur Behandlung hat die Fachgesellschaft für das Jahr 2027 angekündigt.
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Hohe Dunkelziffer und diffuse Symptome
Weltweit sind schätzungsweise zwei Milliarden Menschen von Eisenmangel betroffen, was etwa einer von drei Personen entspricht. In den USA betrifft der Mangel rund zehn Millionen Erwachsene. Nach Angaben der ASH bleiben bis zu 70 % der Hochrisikofälle undiagnostiziert.
Zu den wesentlichen Risikogruppen zählen Kleinkinder, Jugendliche in Wachstumsphasen, Schwangere, Personen mit eisenrestriktiver Ernährung sowie Menschen mit chronischen Entzündungen oder Blutverlusten durch Menstruation oder gastrointestinale Ursachen.
Während sich der Eisenbedarf in der Schwangerschaft verdoppelt, werden Beschwerden in der Peri- und Menopause häufig fälschlicherweise Hormonschwankungen zugeschrieben.
Dr. Jacquelyn Powers, Vorsitzende des Leitlinienpanels der ASH vom Baylor College of Medicine und dem Texas Children's Hospital, bezeichnete den Ferritin-Test als verlässlichsten Maßstab zur Bestimmung der Reserven.
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Die Symptome eines Mangels sind oft unspezifisch: Chronische Erschöpfung, Haarausfall, Kälteempfindlichkeit, Konzentrationsprobleme oder Atemnot werden häufig als gewöhnlicher Schlafmangel abgetan. Da diese Beschwerden bereits bei normalen Hämoglobin- und Serumeisenwerten auftreten können, soll bei entsprechendem Verdacht nicht erst auf einen Hämoglobinabfall gewartet werden.
Risiken von Selbstdiagnosen und unkontrollierter Einnahme
Fachleute warnen davor, die Diagnose anhand äußerer Merkmale wie blasser Haut oder dunkler Augenringe zu stellen oder Selbsttests auf Basis von Fotos vorzunehmen.
Vor einer Einnahme von Eisenpräparaten ist eine laborchemische Abklärung zwingend erforderlich, um eine Überdosierung oder Fehldiagnosen zu vermeiden. Die neuen diagnostischen Schwellenwerte sollen die ärztliche Einordnung verbessern und gewährleisten, dass Betroffene frühzeitig und gezielt erfasst werden.
