Elefanten, Mount

Elefanten am Mount Elgon: Acht Pflanzenarten sprechen für Selbstmedikation

Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 08:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Eine Erhebung erfasst 39 genutzte Ressourcen; acht Pflanzenarten erfüllen Kriterien für Selbstmedikation, die Weitergabe an Kälber bleibt unbewiesen.

Afrikanische Elefanten nutzen am Mount Elgon gezielt Heilpflanzen
Üppige, neblige Berglandschaft am Mount Elgon in Kenia mit verschiedenen Heilpflanzen und dichtem Bewuchs in der Abendsonne. Illustration mit AI erstellt.

Eine in der Fachzeitschrift Scientific Reports veröffentlichte Untersuchung dokumentiert Hinweise auf eine gezielte Selbstmedikation bei Afrikanischen Elefanten am Mount Elgon in Kenia.

Unter Beteiligung von Forschenden des Bernhard-Nocht-Instituts für Tropenmedizin (BNITM) um Erstautor Dr. Fabien Schultz sowie Dr. Elodie Freymann von der Brown University untersuchte das Team die Nutzung natürlicher Ressourcen durch die Tiere. An der Forschungsarbeit wirkten zudem die Mount Elgon Foundation, die Hochschule Neubrandenburg, EAWLS-MEEP und die Nationalmuseen Kenias mit.

Grundlage der Erhebung bildeten strukturierte Befragungen von acht lokalen Experten der Sabaot-Gemeinschaft – darunter Wildhüter, Ranger und Älteste mit jeweils mehr als 20 Jahren Beobachtungserfahrung –, die zwischen Oktober 2023 und September 2024 stattfanden.

Gezielte Pflanzennutzung und Überschneidungen mit traditioneller Heilkunde

Die befragten Experten beschrieben insgesamt 39 natürliche Ressourcen, die von den Elefanten in Anspruch genommen werden. Diese setzen sich aus 35 Pflanzenarten aus 23 Familien sowie vier Arten von Böden, Mineralien und Ton zusammen.

Auffallend ist die hohe Übereinstimmung mit der menschlichen Volksmedizin: In 34 Fällen, was einem Anteil von 87 Prozent entspricht, nutzt die lokale Bevölkerung dieselben Ressourcen zu medizinischen Zwecken. 25 dieser Pflanzen wurden von den Experten ausdrücklich als Heilpflanzen beziehungsweise als Medizin für Elefanten eingestuft. Aus früheren Untersuchungen ist bekannt, dass bei fast 20 dieser Arten pharmakologisch wirksame Inhaltsstoffe vorliegen.

Acht Pflanzenarten erfüllten in den Auswertungen die Kriterien für eine gezielte Selbstmedikation, den sogenannten Modus 4. Dazu zählen unter anderem Aloe arborescens, Bersama abyssinica und Ficus natalensis. Nach Angaben von Beobachtern legen kranke Tiere mitunter weite Strecken zurück und ignorieren gewöhnliche Nahrungspflanzen, um gezielt auf diese Gewächse zuzugreifen.

Mitglieder der Sabaot-Gemeinschaft berichteten zudem, dass traditionelle Heiler in der Vergangenheit wiederholt Heilpflanzen durch die aufmerksame Beobachtung von Elefanten entdeckt hätten. Das Phänomen, dass Tiere Pflanzen zur Selbstbehandlung nutzen – in der Fachwelt als Zoopharmakognosie bezeichnet –, ist der Wissenschaft unter anderem von Schimpansen seit den 1970er Jahren bekannt.

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Berichte über Allomedikation und Mineraliensuche in Höhlen

Besondere Aufmerksamkeit widmeten die Forschenden Berichten über eine mögliche Übertragung von Arzneistoffen an Jungtiere. Demnach wurden fünf Ressourcen im Kontext von Fürsorgeverhalten zwischen Muttertieren und Kälbern genannt.

Beobachter schilderten wiederholt, dass Elefantenmütter zerkleinerte Blätter, Rinden und Wurzeln – wie etwa von der Pflanze Angurweet, die gegen Bauchschmerzen angewendet wird – kauen, mit ihrer Milch vermengen und anschließend an ihre Kälber verfüttern.

Dieses Verhalten wurde als mögliche Form der Immunisierung oder Allomedikation beschrieben, ist bislang jedoch wissenschaftlich noch nicht zweifelsfrei belegt.

Ein weiteres charakteristisches Verhalten am Mount Elgon ist das Aufsuchen von Höhlen. Mindestens 55 Höhlen sind in dem Gebiet dokumentiert, von denen einige mehr als 160 Meter tief in den Berg hineinreichen. Die Forschenden stufen dieses Verhalten jedoch nicht als Selbstmedikation ein, sondern als gezielten Salz- und Mineralstoffabbau. Analysen belegen dort hohe Konzentrationen von Natrium, Eisen sowie essenziellen Spurenelementen.

Wissenschaftliche Einordnung und offene Forschungsfragen

Fachleute mahnen zur Vorsicht bei der Interpretation der Befragungsdaten. Prof. Michael Huffman von der Universität Nagasaki bezeichnete die Berichte über Mütter, die Pflanzen mit Milch an Kälber weitergeben, zwar als faszinierend, forderte jedoch weitergehende Beweise ein.

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Viele Menschen suchen nach natürlichen Alternativen, stehen aber vor einem unübersichtlichen Feld widersprüchlicher Angaben. Die Beobachtungen am Mount Elgon zeigen, wie präzise Tiere und lokale Gemeinschaften dieselben Pflanzen auswählen — und wo die Wissenschaft noch vorsichtig bleibt. Traditionelle Heilkunde verständlich aufbereitet — Report anfordern

Das Forschungsteam setzt vor Ort auf laufende Feldaufnahmen, Kamerafallen sowie ergänzende biochemische Pflanzenanalysen, um das beobachtete Verhalten der Dickhäuter künftig auch im Bild festzuhalten und die Wirkmechanismen exakt zu überprüfen.

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