Elektronische Patientenakte: Nur 70.000 von 4,5 Millionen nutzen die App
Veröffentlicht am: 06.11.2026 um 01:48 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Einführung der elektronischen Patientenakte (ePA) gilt als zentraler Baustein bei der Digitalisierung des deutschen Gesundheitswesens. Allerdings verläuft die tatsächliche Akzeptanz im Alltag weiterhin schleppend.
Wie ein Bericht vom 04.11.2026 am Beispiel der AOK Baden-Württemberg verdeutlicht, greifen von über 4,5 Mio. Versicherten mit ePA lediglich gut 70.000 über die entsprechende Smartphone-App auf ihre Akte zu. Diese Diskrepanz verdeutlicht die Kluft zwischen der theoretischen Verfügbarkeit digitaler Akten und deren praktischer Einbindung in die Versorgungsroutine.
Diskrepanz zwischen Anspruch und Praxisalltag
In der medizinischen Versorgung zeigt sich ein durchwachsenes Bild bezüglich der Dokumentenpflege. Laut dem Bericht der AOK Baden-Württemberg werden viele Befunde von den behandelnden Ärzten bislang nicht in die ePA hochgeladen. Dies führt in einzelnen Fällen dazu, dass Patientinnen und Patienten die Initiative selbst ergreifen: Ein 70-jähriger Versicherter aus Allmersbach, der seinen Zugang vor rund einem Jahr einrichtete, pflegt seine medizinischen Unterlagen demnach eigenständig ein.
Auch aus den Praxen selbst kommt differenzierte Rückmeldung. Der Hausarzt Stephan Schönfeld aus Murrhardt sieht bei der ePA zwar Fortschritte, betont jedoch einen deutlichen Verbesserungsbedarf. Noch deutlicher fällt das Urteil der Hausärztin Andrea Rohr aus Gutach aus: Laut einem Bericht vom 05.11.2026 klafft ein Jahr nach dem Start eine erhebliche Lücke zwischen dem digitalen Versprechen der Technologie und den Abläufen in den Praxen.
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Geringer Nutzungsgrad und Unkenntnis über Hilfsangebote
Die Zurückhaltung der Versicherten spiegelt sich auch in bundesweiten Erhebungen wider. Nach Angaben aus einem Bericht vom 06.11.2026 gaben lediglich 25 % der gesetzlich Versicherten an, ihre ePA aktiv zu verwalten.
Parallel dazu besteht ein erhebliches Informationsdefizit bezüglich institutioneller Hilfsangebote. Laut der Verbraucherzentrale Hamburg wissen 76 % der gesetzlich Versicherten nicht, dass ihre Krankenkasse über eine ePA-Ombudsstelle verfügt.
Diese Unkenntnis tritt bei älteren Menschen besonders häufig auf. Dabei decken die Ombudsstellen der Kassen ein breites Aufgabenspektrum ab: Sie unterstützen Versicherte bei der Einrichtung der App, bei Löschvorgängen sowie bei einem formellen Widerspruch.
Zudem erteilen sie Auskünfte über Zugriffe und helfen dabei, Zugriffsrechte von Praxen, Kliniken oder Apotheken gezielt einzuschränken. Medizinische Dokumente oder Befunde können die Mitarbeitenden der Ombudsstellen aus Datenschutzgründen jedoch nicht einsehen.
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Technische Weiterentwicklung der Telematikinfrastruktur
Um bestehende Hürden abzubauen, arbeitet die Digitalisierungsgesellschaft gematik an strukturellen Anpassungen. In ihrem Whitepaper zur Weiterentwicklung der Telematikinfrastruktur (TI 2.0) unter dem Titel „TI 2.0 – Arena für digitale Medizin“ definiert die Gesellschaft sechs zentrale Säulen.
Dazu gehören ein föderiertes Identitätsmanagement, eine moderne Sicherheitsarchitektur, verteilte Dienste sowie eine verbesserte semantische Interoperabilität für strukturierte Daten. Ein weiterer Kernpunkt ist die universelle Erreichbarkeit über standardisierte Internetschnittstellen, wodurch künftig auf proprietäre Konnektoren verzichtet werden soll, ergänzt durch ein automatisiertes Regelwerk.
Mit dieser Neuausrichtung strebt die gematik zugleich ihren Wandel zu einer Nationalen Agentur für digitale Medizin an, um die technischen Rahmenbedingungen im Versorgungsalltag nachhaltig zu verbessern.
