ELOKI: Evangelische Kirche startet eigene KI mit 100 Testnutzern
30.06.2026 - 13:28:12 | boerse-global.de
Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) hat gemeinsam mit den Landeskirchen Bayerns und des Rheinlands eine eigene Künstliche Intelligenz namens ELOKI vorgestellt. Der Name steht für „Evangelisch. Lernend. Offen. KI“. Das Projekt startet heute mit einer Pilotphase und 100 Testnutzern.
Datenschutz als oberste Priorität
Anders als bei kommerziellen Angeboten wie ChatGPT setzt die Kirche bei ELOKI auf europäische Server und einen non-profit-Betrieb. Grundlage ist das spezifische Datenschutzgesetz der Evangelischen Kirche (DSG-EKD). Damit reagiert die Kirche auf wachsende Bedenken, wenn externe KI-Tools unkontrolliert in kirchlichen Strukturen genutzt werden.
Erst Ende Juni hatten Branchenempfehlungen klargestellt: Religiöse Organisationen brauchen formelle Genehmigungsverfahren und KI-Inventare, um rechtliche, ethische und finanzielle Risiken zu vermeiden. Mit der eigenen Plattform schafft die EKD nun eine kontrollierte Alternative.
Vom Spendenbrief bis zur Workshop-Ankündigung
In der Pilotphase soll ELOKI vor allem bei Routineaufgaben helfen. Dazu gehören das Verfassen von Spendenbriefen, die Auswertung von Sitzungsprotokollen und die Erstellung von Ankündigungen für Bildungsveranstaltungen. Das System richtet sich an kirchliche Mitarbeiter und Ehrenamtliche gleichermaßen.
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Interessant: Auch internationale KI-Entwickler wie Anthropic und Google DeepMind holen sich längst Theologen und Philosophen ins Boot. Sie arbeiten an den spirituellen und ethischen Dimensionen der Technologie.
KI in Deutschland: Zwischen Fortschritt und Skepsis
Der Start von ELOKI fällt in eine phase rasanter KI-Verbreitung in Deutschland. Laut einer aktuellen Studie von Strand Partners im Auftrag von AWS nutzen inzwischen 63 Prozent der deutschen Unternehmen KI – ein deutlicher Anstieg gegenüber 53 Prozent im Vorjahr. Allerdings: Nur 15 Prozent haben die Technologie bislang wirklich transformativ integriert.
Die Debatte um KI und Religion bewegt auch die höchsten Führungsebenen. Erst im Mai 2026 veröffentlichte Papst Leo XIV. die Enzyklika „Magnifica humanitas“. Darin warnt er vor einer Totalisierung der KI und fordert eine Technik, die Menschenwürde und Sozialethik über individuelle Moral stellt.
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Ausblick: Religiöse Vorurteile in KI-Modellen im Fokus
Schon am 2. Juli 2026 plant das G20 Interfaith Forum gemeinsam mit dem Consortium for the Evaluation of Faith and Ethics in AI (CEFEAI) – darunter die Baylor University und die University of Notre Dame – ein Webinar. Thema: Wie lassen sich religiöse Verzerrungen und Stereotype in KI-Modellen messen?
ELOKI ist damit mehr als nur ein Verwaltungswerkzeug. Es ist der praktische Versuch der deutschen Protestanten, den Spagat zwischen digitaler Modernisierung und ethischer Verantwortung zu meistern. Ob das gelingt, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
