ELROB 2026 Thun: Kein autonomes System erfüllt alle Anforderungen
Veröffentlicht: 16.07.2026 um 04:41 Uhr, Redaktion boerse-global.de
Die mobile Robotik erlebt einen Innovationsschub – doch die Kluft zwischen kontrollierten Fabrikhallen und unberechenbarer Realität bleibt groß. Während neue Plattformen und Sicherheitsstandards die industrielle Automation vorantreiben, zeigen Feldversuche in der Schweiz: Für den Ernstfall sind die Systeme noch nicht bereit.
Sicherheitsrobotik auf dem Vormarsch
Die Security Robotics Innovation Days in Leipzig haben eindrucksvoll gezeigt, wohin die Reise geht. Boston Dynamics, SMP Robotics und Unitree Robotics präsentierten drei Tage lang live, wie mobile Plattformen Sicherheitsaufgaben übernehmen können. Die Planungen für 2027 laufen bereits.
Parallel dazu bringen Arrow Electronics, eInfochips und STMicroelectronics eine neue Entwicklungsplattform für autonome Roboter auf den Markt. Das Kit kombiniert STM32-Controller mit Nvidia Jetson Orin Nano und dem Betriebssystem ROS 2. Dank integrierter Lidar-basierter SLAM-Navigation und MEMS-Sensorik sollen sich Entwicklungszeiten drastisch verkürzen.
Industrie setzt auf autonome Logistik
Die AMB-Messe in Stuttgart wird zum Schaufenster der industriellen Automation. ABB Robotics zeigt dort den Flexley Stack F712 – einen autonomen Gabelstapler für Lasten bis zu 2.000 Kilogramm. Das System navigiert per KI-gestützter Bilderkennung und erreicht eine Positioniergenauigkeit von rund zehn Millimetern – ganz ohne spezielle Infrastruktur. Die Inbetriebnahme soll sich durch spezielle Software um bis zu 20 Prozent verkürzen lassen.
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Grob präsentiert parallel seine Roboterzelle GRC-M60 gemeinsam mit einem neuen 5-Achs-Fräscenter. Die Botschaft ist klar: Automation und digitale Fertigung wachsen immer enger zusammen. Dass dieser Weg Früchte trägt, zeigt der IFOY Award für Jungheinrich – ausgezeichnet wurde ein KI-gestütztes Lagerverwaltungssystem für einen Kunden in Ehingen.
Sicherheit und Vernetzung als Schlüsselthemen
Am 27. Oktober lädt der TÜV SÜD zur Mobile Robotics Conference nach München. Die Veranstaltung ist Teil einer ganzen Serie von Fachforen – von der Embedded-Konferenz bis zu Symposien zur funktionalen Sicherheit. Das Ziel: Standards für den sicheren Betrieb autonomer Systeme.
Auch die Vernetzung rückt in den Fokus. Das EU-Projekt PRIME-6G treibt mit 13 Partnern aus sechs Ländern eine widerstandsfähige Plattform für die Fabrikautomation voran. Mit einem Budget von 7,76 Millionen Euro sollen 6G, KI und Robotik für Echtzeit-Sensorik und virtualisierte Robotersteuerung zusammengeführt werden.
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Feldversuch in Thun: Die harte Realität
Doch so beeindruckend die Fortschritte in der Industrie sind – die European Land Robot Trials (ELROB 2026) in Thun haben die Grenzen deutlich gemacht. Mitte Juni traten 21 internationale Teams in Szenarien wie Aufklärung, Konvoifahrt und Suche und Rettung an.
Die Jury unter Leitung von Professor Henrik I. Christensen bescheinigte den Systemen zwar erhebliche Fortschritte bei Navigation und Automation. Doch das Fazit ist ernüchternd: Kein einziges System erfüllte alle Anforderungen. Besonders in bewaldetem Gelände und engen Passagen scheitert die künstliche Intelligenz an den unberechenbaren Bedingungen des realen Einsatzes.
Die Erkenntnisse fließen direkt in die nächste Forschungsrunde. Rheinmetall MAN Military Vehicles hat die Leitung des Projekts InterRoC VII übernommen. Ziel sind hochautomatisierte, interoperable Fahrzeugkonvois, die auch ohne Satellitennavigation auskommen. Zum Einsatz kommen HX-Fahrzeuge, die Umgebungswahrnehmung übernimmt KI von Driveblocks.
Der Weg zur vollautonomen Mobilität bleibt steinig – aber die Richtung stimmt.
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