Eltern-Burnout: Jede fĂĽnfte Frau psychisch stark belastet
12.06.2026 - 02:15:34 | boerse-global.de
Aktuelle Analysen zeigen: Die psychischen und physischen Belastungen nehmen zu. Besonders das Phänomen „Mental Load“ und die ungleiche Verteilung von Arbeitszeit zwischen Müttern und Vätern stehen im Fokus.
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Wenn der Körper Alarm schlägt
Schlafstörungen, Migräne, tiefgreifende Erschöpfung – das sind die Warnsignale für einen drohenden Eltern-Burnout. Expertinnen wie Prof. Dr. Christina Boll vom Deutschen Jugendinstitut und Coachin Katrin Fuchs beschreiben zudem das „Burn-on-Syndrom“ als kritische Vorstufe. Betroffene funktionieren mit letzter Kraft weiter, obwohl der Körper längst rebelliert. Bluthochdruck, Kopfschmerzen und Verspannungen sind die ständigen Begleiter.
Die Zahlen sind alarmierend: Jede fünfte Frau fühlt sich psychisch mittel bis stark belastet, bei den Männern ist es jeder Siebte. Das zeigt eine Schweizer Untersuchung. Die Ursachen? Gesellschaftliche Rollenbilder, hormonelle Faktoren – und vor allem die unsichtbare Organisationslast des Alltags.
Die ungleiche Verteilung der Arbeit
Die Statistik spricht eine deutliche Sprache: Bundesweit arbeiten 12 bis 13 Prozent der erwerbstätigen Frauen unfreiwillig in Teilzeit. Besonders krass ist die Lage in Bremen. Während im Bund drei von vier Müttern mit Kindern zwischen drei und sechs Jahren berufstätig sind, ist es in Bremen nur gut jede Zweite.
Der Grund: Es fehlen rund 3.600 Kita-Plätze für Kinder unter drei Jahren. Die Folge: 60 Prozent der Bremer Mütter sind finanziell abhängig. Während die Hälfte der Mütter mit Kindern bis 14 Jahren in Teilzeit arbeitet, sind es bei den Vätern gerade einmal 11 Prozent.
Vier Strategien gegen den Kollaps
Wie können Eltern verhindern, dass sie irgendwann zusammenklappen? Fachleute empfehlen vier zentrale Ansätze:
Notfall-Netzwerke aufbauen: Verlässliche Strukturen außerhalb der Kernfamilie schaffen kurzfristige Entlastung.
Arbeit flexibilisieren: Flexible Arbeitszeitmodelle sollten nicht allein der Mutter zugutekommen. Beide Elternteile mĂĽssen einbezogen werden.
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Sorgearbeit fair verteilen: Mental-Load-Listen helfen, Aufgaben sichtbar zu machen. Nur was gesehen wird, kann gerecht verteilt werden.
Warnsignale ernst nehmen: Wer körperliche Symptome bemerkt, sollte frühzeitig professionelle Hilfe suchen oder ein Resilienztraining machen.
Politik und Unternehmen ziehen nach
Auch die Politik reagiert. Familienministerin Karin Prien (CDU) schlug im Juni vor, die Zahl der Partnermonate beim Elterngeld auszuweiten. Wer den vollen Bezugsanspruch will, müsste künftig mehr als zwei Monate Elternzeit nehmen. Ziel: eine partnerschaftlichere Aufteilung – und Einsparungen von rund 500 Millionen Euro im Etat 2027.
Unternehmen wie die Deutsche Bahn machen ebenfalls Angebote. Ab dem 14. Juni gibt es ein spezielles Familienticket für den Fernverkehr – günstige Reisen während der Sommerferien. Und beim R+V-Familienfest in Wiesbaden Mitte Juni bieten Experten wie Laura Fröhlich und Lukas Klaschinski Workshops zu Achtsamkeit und dem Umgang mit familiären Herausforderungen an.
