Embodied AI: 100 Millionen Datenstunden für Roboter-KI nötig
Veröffentlicht am: 28.07.2026 um 21:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Die Industrie für „Embodied AI" – künstliche Intelligenz, die in physischen Robotern steckt – erlebt einen beispiellosen Entwicklungsschub. Auf der Welt-KI-Konferenz (WAIC) 2026 am Dienstag in Shanghai zeichnete sich ab: Während Plattformen und Finanzierung boomen, bleibt die Datenqualität das größte Hindernis.
Neue Plattformen für die Roboter-Intelligenz
Einen Tag vor der Konferenz, am 27. Juli, präsentierte das Shenzhener Unternehmen Lumos Robotics seine Entwicklungsumgebung „Lumos Station Lite". Die Plattform soll die Entwicklung und quantitative Bewertung von KI-Fähigkeiten für Roboter vereinfachen. Lumos hatte erst im Frühjahr rund 950 Millionen Euro (knapp eine Milliarde Yuan) eingesammelt.
Auch das Münchner Unternehmen Microagi treibt die Infrastruktur voran. Gemeinsam mit Google Cloud und NVIDIA baut der Spezialist skalierbare Trainingsumgebungen für Embodied AI auf. Zum Einsatz kommen NVIDIAs leistungsstarke Blackwell-GPUs. Die Softwarepakete sind bereits mit Robotern von Unitree und UBTECH kompatibel.
NVIDIA selbst erweiterte am 26. Juli seine Entwicklerwerkzeuge. Mit „PhysicsNeMo" und neuen CUDA-X-Bibliotheken können Ingenieurs-Agenten physikalische Fähigkeiten und sogar Quantenchemie erlernen. Erste industrielle Anwender sind Samsung, Siemens und Cadence.
Das Datenproblem: 100 Millionen Stunden fehlen
Ein zentrales Thema der WAIC 2026 war der akute Mangel an hochwertigen Trainingsdaten. Experten von Agibot zufolge sind rund 100 Millionen Stunden an Daten nötig, um eine Erfolgsrate von 70 bis 80 Prozent zu erreichen. Die aktuell verfügbaren Datenmengen hinken denen großer Sprachmodelle deutlich hinterher.
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Mehrere Startups wollen die Lücke schließen:
- Axis Robotics sicherte sich am 27. Juli 11 Millionen Euro (12 Millionen Dollar) für eine Datenplattform, die Simulation, Teleoperation und mobile Erfassung kombiniert. Aktuell generiert das System monatlich über 20.000 Stunden an realen Daten.
- Enigma verließ am selben Tag die Geheimhaltungsphase – mit 65 Millionen Euro (71 Millionen Dollar) im Rücken. Das Startup betreibt ein groß angelegtes Online-Experiment mit über 100 eigenen Robotern in Kalifornien und Israel, um Mensch-Roboter-Interaktionen zu erforschen.
- Ropedia sammelte am 23. Juli 27,5 Millionen Euro (30 Millionen Dollar) ein. Die Firma erweitert ihre multimodale Datenplattform, die mit tragbaren Geräten Interaktionssequenzen für den Datensatz „Xperience-10M" sammelt.
Strategische Partnerschaften für Sensorik und Hardware
Die Branche erlebt derzeit eine Welle strategischer Allianzen. Am 28. Juli unterzeichneten LG Innotek und TDK einen Vertrag zur gemeinsamen Entwicklung von Vision- und Tastsensoren der nächsten Generation. Die Module, die TDKs Präzisionssensoren mit LG Innoteks Modularisierungstechnologie kombinieren, sollen 2027 auf den Markt kommen.
Im Industriesektor schlossen LightWheel und Huixi Technology am 28. Juli eine Partnerschaft für eine wiederverwendbare Referenzlösung. LightWheels Plattform für menschliches Verhalten trifft auf Huixis KI-Chips, die über 500 Billionen Operationen pro Sekunde (TOPS) schaffen. Erste Einsätze sind in Lagerhäusern, Logistik und Fertigung geplant. Bereits am 24. Juli hatten Lens Technology und X-Era Lab eine strategische Zusammenarbeit für visuelle Modelle in der Industrie vereinbart.
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Kapitalströme und industrielle Skalierung
Die Finanzierungswelle reißt nicht ab. Tacta Systems enthüllte am 27. Juli sein System „TactaBot" – eine Roboterhand mit 15 unabhängig angetriebenen Gelenken und hochauflösenden Tastsensoren. Mit 69 Millionen Euro (75 Millionen Dollar) im Rücken soll der Versand an die Elektronik- und Automobilindustrie Anfang 2027 beginnen.
Auch die Trainingsinfrastruktur wächst. Neura Robotics, das im Juni 2026 eine Serie-C-Runde über 1,3 Milliarden Euro (1,4 Milliarden Dollar) abschloss, plant ein eigenes Trainingszentrum in Zusammenarbeit mit der RWTH Aachen. Das „Neura Gym" soll bis Ende des Jahres eröffnen – als Teil eines globalen Netzwerks von zehn Standorten in Europa, China und den USA.
Agility Robotics bereitet unterdessen den Börsengang vor. Durch eine Fusion mit Churchill Capital Corp XI wird das Unternehmen mit 2,3 Milliarden Euro (2,5 Milliarden Dollar) bewertet. Der Hersteller des humanoiden Roboters „Digit" hat kürzlich ein 5.600 Quadratmeter großes KI-Zentrum in Fremont, Kalifornien, eröffnet. Digits Betriebsstunden haben bereits die 65.000-Marke überschritten.
Trotz hoher Forschungs- und Entwicklungskosten zeichnet sich in Teilsegmenten eine Trendwende ab. Branchenberichte aus dem Sommer 2025 und 2026 zeigen: Anbieter kommerzieller Serviceroboter und bestimmte Getränkeausgabe-Einheiten erwirtschaften bereits Nettogewinne. Das Segment humanoider Roboter bleibt dagegen in der vorprofitablen Investitionsphase.
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