EntzĂŒndung, Kost

EntzĂŒndung: Vier Tage fettreiche Kost prĂ€gen das Immunsystem monatelang

Veröffentlicht am: 31.10.2026 um 08:30 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine viertÀgige fettreiche Kost prÀgte die lokale Immunreaktion der MÀuse noch Monate spÀter; eine BestÀtigung am Menschen fehlt.
Nahaufnahme einer Petrischale mit einer NĂ€hrlösung in einem Labor als Symbol fĂŒr ernĂ€hrungsphysiologische Forschung. Illustration mit AI erstellt.

Wie stark eine akute EntzĂŒndung verlĂ€uft, hĂ€ngt offenbar nicht allein vom dauerhaften Körpergewicht ab, sondern maßgeblich von der Zufuhr von NĂ€hrstoffen direkt zu Beginn einer Erkrankung.

Eine Forschungsarbeit der University of California, San Francisco (UCSF) unter der Leitung von Sagar P. Bapat und Erstautor Zewen Jiang, die am 28. Oktober 2026 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlicht wurde, belegt diesen Zusammenhang im Tiermodell.

Demnach reicht bereits eine viertĂ€gige fettreiche ErnĂ€hrung aus, um das Ausmaß einer GewebeentzĂŒndung drastisch zu verstĂ€rken und ein langanhaltendes immunologisches GedĂ€chtnis zu etablieren.

Kritisches Zeitfenster bestimmt Schweregrad der EntzĂŒndung

In der UCSF-Untersuchung erhielten normalgewichtige MĂ€use eine fettreiche DiĂ€t, bei der 60 Prozent der Kalorien aus Fett stammten. Wurde dieses Futter in einem eng begrenzten Zeitfenster von drei Tagen vor bis einen Tag nach Auslösung einer akuten HautentzĂŒndung durch Imiquimod verabreicht, erreichte die EntzĂŒndungsreaktion der schlanken Tiere das Niveau chronisch fettleibiger MĂ€use, die ĂŒber mindestens zehn Wochen fettreich gefĂŒttert worden waren und mindestens 38 Gramm wogen. Eine Gabe der fettreichen Kost außerhalb dieses viertĂ€gigen Fensters blieb dagegen ohne diesen Effekt.

Umgekehrt zeigte sich ein vergleichbarer Steuerungsmechanismus bei fettleibigen Tieren: Erhielten diese wĂ€hrend des viertĂ€gigen Zeitfensters eine fettarme DiĂ€t, hob dies die VerstĂ€rkung der EntzĂŒndung vollstĂ€ndig auf. Neben der HautentzĂŒndung beobachtete das Forschungsteam Ă€hnliche Effekte auch in anderen Organen: So wurde auch eine durch Lipopolysaccharide ausgelöste LungenentzĂŒndung durch wenige Tage fettreiche FĂŒtterung verstĂ€rkt.

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ZellulÀre Mechanismen und monatelanges GewebegedÀchtnis

Auf molekularer und zellulĂ€rer Ebene identifizierten die Forschenden der UCSF eine Signalkaskade, die von Neutrophilen ĂŒber NLRP3 und Interleukin-1-beta zu IL-1R1-positiven TH17-Zellen fĂŒhrt. Nach dem Abklingen der akuten Reaktion verbleiben CD4-positive gewebsstĂ€ndige GedĂ€chtniszellen (TRM-Zellen) mit offenem Chromatin im betroffenen Areal.

Bei einer erneuten Reexposition nach 25 Tagen fiel die Ohrverdickung rund zweifach stĂ€rker aus. Dieses immunologische GedĂ€chtnis hielt bis zu 6,5 Monate an und blieb strikt lokal auf das zuvor entzĂŒndete Ohr begrenzt.

Eine FĂŒtterung ĂŒber eine Woche beziehungsweise zehn Wochen steigerte die Ohrdicke um das rund 2,1-fache beziehungsweise 2,3-fache, wĂ€hrend die Zahl der CD4-positiven TRM-Zellen um das 2,3-fache erhöht war.

ZusĂ€tzliche Versuche zeigten, dass der GLP-1-Rezeptoragonist Semaglutid zwar Glukosewerte, Körpergewicht, Insulin und Leptin verbesserte, die durch fettreiche Kost verstĂ€rkte EntzĂŒndung jedoch nicht dĂ€mpfte. Eine reine Glukose-Gabe verstĂ€rkte die EntzĂŒndungsreaktion ebenfalls nicht.

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Grenzen der Übertragbarkeit und begleitende Stoffwechselforschung

Das UCSF-Forschungsteam schlussfolgert, dass die kurzzeitige ErnĂ€hrung bei EntzĂŒndungsprozessen einen ebenso großen Einfluss ausĂŒben kann wie das Körpergewicht selbst, wobei auch Schlaf und Bewegung als relevante Einflussfaktoren genannt werden.

Gleichzeitig unterliegt die Studie methodischen Limitationen: Untersucht wurden ausschließlich mĂ€nnliche MĂ€use, die Versuche erfolgten ohne Verblindung, und eine BestĂ€tigung am Menschen steht noch aus. Der Bezug zu humanem Gewebe beschrĂ€nkte sich bislang auf 15 Psoriasis-Proben.

Parallel dazu liefern weitere immunologische Arbeiten Einblicke in metabolisch gesteuerte EntzĂŒndungsprĂ€gungen. So berichtete die Fachzeitschrift Science Immunology Ende Oktober 2026 ĂŒber Mechanismen der sogenannten trainierten ImmunitĂ€t in Makrophagen: Dabei erhöht Beta-Glucan den nukleĂ€ren NAD+-Spiegel, was die Histondemethylase KDM5A allosterisch hemmt und die Chromatinstruktur an Promotoren von EntzĂŒndungsgenen offen hĂ€lt. Zusammen verdeutlichen diese Arbeiten, wie eng StoffwechselvorgĂ€nge und epigenetische Prozesse im Immunsystem miteinander verknĂŒpft sind.

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