EntzĂŒndungsforschung, HARPNET

EntzĂŒndungsforschung: HARPNET startet mit 4,8 Millionen Euro Förderung

Veröffentlicht am: 18.10.2026 um 19:04 Uhr | Redaktion boerse-global.de
HARPNET erhÀlt 4,8 Millionen Euro; weitere Studien untersuchen molekulare AnsÀtze gegen fibrotischen Herzumbau.
Mikroskopische Aufnahme von biologischem Gewebe mit organischen Strukturen in blÀulichen und bernsteinfarbenen Tönen. Illustration mit AI erstellt.

Aktuelle wissenschaftliche Untersuchungen widmen sich verstĂ€rkt der Frage, auf welche Weise chronische EntzĂŒndungen die Struktur des Herzgewebes nachhaltig verĂ€ndern. Internationale Forschungsteams analysieren dabei molekulare Signalwege, Stoffwechselprozesse und zellulĂ€re Wechselwirkungen, die von mikroskopischen Umbauten bis hin zu ausgeprĂ€gter Gewebeversteifung und Herzinsuffizienz fĂŒhren.

EuropĂ€isches Netzwerk erforscht Mechanismen der EntzĂŒndungsauflösung

Im Oktober 2026 startete unter der Leitung der Queen Mary University of London das europĂ€ische Forschungsnetzwerk HARPNET. Das Verbundprojekt verfĂŒgt ĂŒber eine Laufzeit von vier Jahren und wird mit 4,8 Millionen Euro aus dem Marie-Sk?odowska-Curie-Programm gefördert. Im Mittelpunkt steht die Erforschung natĂŒrlicher Mechanismen zur EntzĂŒndungsauflösung, um diese therapeutisch unter anderem bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen nutzbar zu machen.

An dem Vorhaben sind unter anderem die UniversitÀten Oslo, Rostock und Jena beteiligt. Das Jenaer Team um Professor Oliver Werz untersucht in diesem Rahmen Lipidmediatoren aus FettsÀuren sowie Wirkstoffkombinationen mit marinen Substanzen und Omega-3-FettsÀuren. Insgesamt sollen im Netzwerk 15 Doktoranden ausgebildet werden; der konkrete therapeutische Nutzen der untersuchten AnsÀtze ist gegenwÀrtig noch ungeklÀrt.

Molekulare Signalwege hinter Fibrose und Gewebeumbau

Parallel dazu befassen sich mehrere internationale Arbeitsgruppen mit den Treibern fibrotischer Umbauprozesse im Herzmuskel. Ein Team der UniversitĂ€ten Kyushu, Nagoya und Tokushima identifizierte das Stoffwechselenzym BCAT1 als maßgeblichen Faktor bei der Entstehung von Herzfibrose nach Infarkten.

Da Kollagen zu bis zu 20 Prozent aus Prolin besteht, hÀlt BCAT1 die Versorgung mit dieser AminosÀure aufrecht. In Modellversuchen verringerte der Inhibitor ERG240 die Narbenbildung und erhielt die Herzfunktion selbst dann, wenn die Behandlung erst sieben Tage nach der SchÀdigung begann.

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Laut den Forschern tragen Fibrose-assoziierte ZustÀnde zu bis zu 45 Prozent aller TodesfÀlle in LÀndern mit hohem Einkommen bei, wÀhrend bisher keine zugelassene Therapie existiert, die fibrotisches Gewebe vollstÀndig beseitigt.

An der Kumamoto University untersuchten Wissenschaftler in Zusammenarbeit mit Bristol Myers Squibb die Herzinsuffizienz mit erhaltener Auswurffraktion (HFpEF), die rund die HĂ€lfte aller Herzinsuffizienz-FĂ€lle ausmacht und fĂŒr die es bislang keine gezielte Therapie gibt.

Bei Versuchen an MĂ€usen zeigte sich, dass eine Antikörper-Neutralisierung des hochregulierten Proteins ANGPTL2 das zellulĂ€re Signalnetzwerk stabilisierte sowie EntzĂŒndungen und Fibrose verringerte. Eine klinische ÜberprĂŒfung dieser Ergebnisse steht noch aus.

An der Stanford University wies ein Team um NobelpreistrĂ€ger Brian Kobilka nach, dass verschiedene Adenosin-Rezeptoren ĂŒber freigesetzte Untereinheiten in ein gemeinsames Programm zur Bindegewebsbildung in kardialen Fibroblasten mĂŒnden. Die Testsubstanz CGS15943 bremste in Gewebemodellen und Tierversuchen die weitere Vernarbung; sie dient derzeit jedoch ausschließlich als Forschungswerkzeug.

Zellebene und klinische Gewebemarker

Auf zellulĂ€rer Ebene erstellten Forscher der Harvard Medical School, des Brigham and Women’s Hospital und des Max-DelbrĂŒck-Centrums mittels Einzelkern-RNA-Sequenzierung von 47 Patienten und gesunden Spendern eine molekulare Karte aus fast einer Million Zellen. Bei genetischer hypertropher Kardiomyopathie zeigten sich dabei verringerte Anteile an Herzmuskelzellen sowie Abweichungen in Fibrose-Genen und Kollagen IV.

ErgĂ€nzende Querschnittsdaten belegen den Zusammenhang zwischen EntzĂŒndungszeichen und GewebeverĂ€nderungen. In einer Studie aus Ningbo mit 67 Lupus-Patienten und 31 Kontrollpersonen wiesen die Erkrankten eine höhere mittlere epikardiale Fettdicke von 5,0 Millimetern im Vergleich zu 4,1 Millimetern in der Kontrollgruppe auf, verbunden mit einer diffus verminderten myokardialen Verformung.

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Am Hospital ClĂ­nic de Barcelona verzeichneten Patienten mit Bluthochdruck gegenĂŒber Ausdauersportlern durchweg erhöhte Fibrose-Biomarker, darunter einen medianen Galectin-3-Wert von 7,5 ng/ml gegenĂŒber 6,8 ng/ml bei den Sportlern. Die Beobachtungen verdeutlichen das Zusammenspiel aus chronischen Reizen und fortschreitender struktureller SchĂ€digung des Organs.

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