Entzündungshemmer, Biologika

Entzündungshemmer: 30 bis 40 Prozent sprechen nicht auf Biologika an

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 15:01 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Eine Fachübersicht beschreibt pflanzliche Wirkstoffe als ergänzende Ansätze und benennt Hürden bei ihrer klinischen Anwendung.
Nahaufnahme von getrockneten Heilkräutern und pflanzlichen Extrakten auf einer dunklen Steinoberfläche Illustration mit AI erstellt.

Chronische Entzündungsprozesse gelten in der modernen Medizin als wesentlicher Treiber für eine Vielzahl schwerer Erkrankungen, darunter autoimmune, metabolische, neurodegenerative und kardiovaskuläre Leiden.

Eine wissenschaftliche Übersichtsarbeit in der Fachzeitschrift „Immunity & Inflammation“, über die Ende Oktober 2026 berichtet wurde, widmet sich vor diesem Hintergrund dem therapeutischen Potenzial entzündungshemmender Naturstoffe. Die Analyse zeichnet den Weg pflanzlicher Wirkstoffe von ihren molekularen Zielen bis hin zu möglichen Paradigmenwechseln in der Therapie nach.

Grenzen etablierter Antiphlogistika

Die Notwendigkeit neuer Behandlungsstrategien ergibt sich aus den Limitierungen des aktuellen pharmakologischen Arsenals. Zwar decken herkömmliche Antiphlogistika wie nichtsteroidale Antirheumatika (NSAIDs), Glukokortikoide, Antikörper gegen TNF-? und Interleukin-6 sowie JAK-Inhibitoren ein breites Spektrum ab, doch stoßen sie in der klinischen Praxis regelmäßig an Wirksamkeits- und Verträglichkeitsgrenzen.

Laut der Übersichtsarbeit sprechen beispielsweise bei der rheumatoiden Arthritis rund 30 bis 40 Prozent der Patienten unzureichend auf Erstlinien-Biologika an oder müssen die Medikation aufgrund von Nebenwirkungen abbrechen. Zudem betrifft die Krankheitslast weltweit mehr als 7 Millionen Menschen, die unter chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (IBD) leiden.

Auch der Einsatz von Glukokortikoiden bleibt ein zweischneidiges Schwert: Obwohl Fachgesellschaften wie die EULAR bei rheumatoider Arthritis eine rein kurzfristige Überbrückung empfehlen, die möglichst innerhalb von drei Monaten beendet werden sollte, erhielten im Jahr 2023 in Deutschland weiterhin 27 Prozent der Patienten eine dauerhafte Glukokortikoidtherapie.

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Pflanzliche Substanzen und translationale Hürden

Pflanzliche Wirkstoffe bieten vor diesem Hintergrund komplementäre Wirkmechanismen, die alternative Ansatzpunkte im Entzündungsgeschehen adressieren können. Als prominente Beispiele nennt die Arbeit etablierte Naturstoffe und deren Derivate wie Salicylate, Artemisinin sowie das bei entzündlichen Schüben eingesetzte Colchicin.

Letzteres findet traditionell bei akuten Gichtanfällen Anwendung, verlangt in der Praxis wegen einer geringen therapeutischen Breite und möglicher Wechselwirkungen jedoch eine genaue Dosierung.

Trotz des biochemischen Potenzials pflanzlicher Verbindungen verweist die Übersichtsarbeit auf deutliche Herausforderungen beim Transfer in den klinischen Versorgungsalltag. Zu den zentralen Hürden für eine breite medizinische Translation zählen die verlässliche Standardisierung der Extrakte, eine oft unzureichende Bioverfügbarkeit der Naturstoffe sowie die präzise Zuordnung zu spezifischen zellulären Zielstrukturen (Target-Attribution).

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Parallelentwicklungen in der Immunmodulation

Die Suche nach differenzierten Behandlungsformen spiegelt sich auch in anderen Bereichen der Rheumatologie wider. So thematisiert ein Fachaufsatz in der „Zeitschrift für Rheumatologie“ neue immunmodulierende Ansätze bei idiopathischen inflammatorischen Myopathien (IIM).

Wegen der teils hohen Morbidität und Mortalität werden hier neben leitlinienbasierten Kombinationen zunehmend B- und T-Zell-gerichtete Strategien, Mechanismen des Antikörperrecyclings und die Blockade von Interferonen klinisch evaluiert, um steroidsparende Behandlungen zu ermöglichen und Organkomplikationen zu verhindern.

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